Personalquerelen an der Spitze
Politik will Stadtwerke Münster umbauen

Münster -

Münsters Ratspolitiker haben von den andauernden Personalquerelen bei den Stadtwerken die Nase voll. Sie treiben einen Umbau an der Spitze voran.

Freitag, 15.12.2017, 07:00 Uhr
Als Aufsichtsratschef im Gespräch: Alfons Reinkemeier
Als Aufsichtsratschef im Gespräch: Alfons Reinkemeier Foto: Matthias Ahlke

Sie liefern Strom, Gas und Wasser, sie betreiben den Busverkehr und vielleicht bald Münsters Schwimmbäder: Aktuell jedoch sorgen die Stadtwerke mit anhaltenden Personalquerelen nicht mehr nur am Hafenplatz für Unruhe. In Rathaus-Kreisen werden infolge dieser Krise Überlegungen für eine neue Struktur an der Spitze des kommunalen Versorgungsunternehmens vorangetrieben. Dabei werden selbst drastische Personalmaßnahmen nicht mehr ausgeschlossen, wie zu hören ist. Ein Abschied vom über Jahrzehnte praktizierten Modell der Doppelspitze mit zwei gleichberechtigten Geschäftsführern für den kaumännischen und den technischen Bereich gilt als wahrscheinlich.

Nach dem jüngsten Rücktritt des Stadtwerke-Aufsichtsratschefs treibt der eskalierte Streit zwischen den beiden Stadtwerke-Geschäftsführern den verantwortlichen Kommunalpolitikern tiefe Sorgenfalten ins Gesicht. Denn zwischen Dr. Henning Müller-Tengelmann und Dr. Dirk Wernicke scheint das Tischtuch zerrissen. Viele Beobachter glauben nicht mehr, dass sich das Duo unter Anleitung eines Rechtsanwalts – wie gefordert bis Februar – auf eine gemeinsame Arbeitsbasis verständigen kann. Es ist bereits das zweite Mediationsverfahren.

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Ständige Querelen

In der Sache liegen die Spitzenkräfte der Stadtwerke bei der Windkraft und der Wärmeversorgung der künftigen Baugebiete auf den Kasernenflächen (Fernwärme oder grüne Energie) über Kreuz. Daneben probieren sich beide in einem bisher nicht dagewesenen Machtkampf; auch im persönlichen Bereich ist dem Vernehmen nach das notwendige Vertrauen zerstört.

Die CDU sei nicht mehr bereit, die ständigen Querelen in der Geschäftsführung dieser größten Unternehmensbeteiligung der Stadt länger hinzunehmen, erklärte CDU-Fraktionschef Stefan Weber. Man werde sich mit allen Fraktionen zusammensetzen, um zu klären, wie man mit dem Konflikt umgehe, kündigte er an.

Unterstützung für diesen Vorschlag signalisierte bereits die FDP. „Es braucht eine sachgerechte Entscheidung, um die Zukunft der Stadtwerke zu sichern“, so Carola Möllemann-Appelhoff. Bereits Anfang 2018 könnten Entscheidungen über Strukturfragen bezüglich der Unternehmensspitze fallen.

Kämmerer Alfons Reinkemeier ist im Gespräch

Klarheit zeichnet sich an anderer Stelle ab: Der nach Zweifeln an seiner Unabhängigkeit zurückgetretene Aufsichtsratschef Gerd Joksch (Grüne) wird mutmaßlich durch Kämmerer Alfons Reinkemeier ersetzt. Nach den jüngsten Erfahrungen soll vorerst kein Ratsmitglied mehr Chef des Kontrollgremiums werden.

Geheimhaltung

Wird das Rechtsgutachten, das der zurückgetretene Stadtwerke-Aufsichtsratschef Gerhard Joksch, zur Entlastung vorgelegt hat, zum Bumerang? Linke-Fraktionschef Rüdiger Sagel wirft dem Grünen-Politiker vor, sein Gutachten an die Geschäftsstellen der Fraktionen verschickt und damit öffentlich gemacht zu haben, „obwohl darin der besonderen Geheimhaltungspflicht unterliegende Sachverhalte enthalten sind“. Sagel bittet Oberbürgermeister Lewe diesen Vorgang zu prüfen. Unterdessen ist zu hören, dass die Stadt, deren in Auftrag gegebenes Gutachten Joksch einen Interessenkonflikt bescheinigt hatte, bei ihrer Kanzlei in Bezug auf Jokschs neues Gutachten nachfragt.

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Einen Streit in der Stadtwerke-Geschäftsführung hatte es schon einmal gegeben – damals zwischen Müller-Tengelmann und dem früheren technischen Geschäftsführer Andreas Hoffknecht. Dessen Vertrag war nicht verlängert worden. Ende 2018 wartet sein Nachfolger Dirk Wernicke auf ein Signal. Wie das ausfällt, mag derzeit niemand sagen. Wenn sich aber die Geschichte wiederhole, so warnt ein Insider, werde es wohl schwer, gutes Personal für die Stadtwerke zu finden.

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