Weihnachtsoratorium mit der Studentenkantorei
Von jugendlicher Euphorie getragene Botschaft

Münster -

Jauchzet, frohlocket! So hob das Weihnachtsoratorium nicht nur an – so endete es auch. Universitätskantorin Ellen Beinert hatte den Eingangschor zusätzlich ans Ende des Konzerts gestellt. Das demonstrierte nicht nur musikalische Geschlossenheit, es passte auch zum Gestus dieser Aufführung, die ganz und gar von jugendlicher Euphorie getragen war.

Sonntag, 17.12.2017, 16:16 Uhr aktualisiert: 18.12.2017, 18:24 Uhr
Die Studentenkantorei der Universität Münster, Dirigentin Ellen Beinert und die Gesangssolisten freuen sich über den Schlussapplaus.
Die Studentenkantorei der Universität Münster, Dirigentin Ellen Beinert und die Gesangssolisten freuen sich über den Schlussapplaus. Foto: Zinkant

Die Studentenkantorei zeigte von Anfang bis Ende, vom lichten Jubel bis zum feierlichen Choral eine vibrierende Weihnachtsfreude. Klangschön und von Beinert sehr gut vorbereitet, legten sich die Sängerinnen und Sänger ins Zeug. Wobei man von ersteren mehr hörte, was dem (in der hiesigen Chorlandschaft üblichen) Überhang der Frauenstimmen geschuldet war. Das war nicht weiter schlimm, es bewirkte nur bisweilen eine Unwucht der Balance.

Apropos Balance: Bei jeder Aufführung stellt sich die Frage, in welcher Variation Bachs umwerfendes Kantaten-Menü serviert werden soll. Meist erklingen die Kantaten eins bis drei; eine epische Aufführung aller sechs Kantaten ist selten. Wohl ebenso selten ist die Auswahl der Nummern eins, drei und fünf, welche an diesem Samstagabend in der evangelischen Universitätskirche erklangen.

Auf „Pastorale“ und Hirtenschalmei der zweiten Kantate musste das Publikum also verzichten, nachdem der Beginn mitreißend vorübergezogen war. Satter, üppiger Chorklang erfüllte den Kirchenraum, von Pauken und Trompeten (sehr gut) strahlend umrauscht. Nicht minder strahlend präsentierte sich Youn-Seong Shim als Evangelist. Er gestaltete seine Rezitative so sanglich, dass sie beinahe als Arien durchgegangen wären. Die Alt-Arie „Bereite dich, Zion, mit zärtlichen Trieben“, von Ellen Beinert zügig pulsierend genommen, war bei Lisa Wedekind wunderbar aufgehoben. Sonst oft ein wenig behäbig, erklang die Arie hier mit schwärmerischem Gestus. Und Stefan Adam warf jene Stimmgewalt in die Waagschale, die man von ihm kennt. Die Bass-Arie „Großer Herr, o starker König“ gehört zu den Höhepunkten des Werks; kein Wunder, dass Bach auch hier dem Trompetenglanz freien Lauf ließ. Die Sopran-Arien wurden von Ellen Beinert einmal mehr der jungen Sopranistin Sonja Grevenbrock anvertraut; zu Recht.

Die Instrumentalisten, zum großen Teil aus Münsters Sinfonieorchester, spielten souverän und innig, besonders die Oboe d’amore glänzte in ihren Soli. Und das finale „Jauchzet, frohlocket“ klang so euphorisch wie schon am Anfang – da durfte auch der Applaus an diesem Abend den Feierlichkeits-Pegel gern mal überschreiten.

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