25 Jahre Münsteraner Tanzfestival: Spannende Choreographien
Zwischen Individuum und Masse

Münster -

Der Schwung der Aktiven ist anscheinend ungebrochen, die Nachfrage auch: Vor vollen Rängen im Großen Haus des Theaters Münster vollzog sich am Samstag ein Rausch aus Bewegung, Poesie, Farben und Formen, ein Spiel mit Licht und Schatten: Das „Tanzfestival Münster“ feierte sein 25. Jubiläum. Viele Aktive waren in den Anfängen, 1989, noch nicht geboren, etliche beim Jubiläum wie schon damals dabei. So Ingrid Heid, Initiatorin und künstlerische Leiterin des Festivals, oder Martina Pleumann: damals auf der Bühne, heute als Choreografin mit einer Studie mit Licht und Schatten, die alle Möglichkeiten des Hauses ausschöpft und die Tänzerinnen vom „Tanzlabor“ über eine Existenz zwischen Licht und Schatten nachdenken lässt. Humorvoll moderiert Matthias Bongard das Geschehen.

Sonntag, 17.12.2017, 16:16 Uhr aktualisiert: 18.12.2017, 18:24 Uhr
 
  Foto: Hasenkamp

Einige Themen kehren wieder. „Schrittwechsel“ inszeniert das Gefühl von Freiheit in einer Gruppe und die Freiheit des Individuums, ähnlich geht das „Tanzensemble Tenbrock“ vor, das den Strom der Menge anspricht. Viele Mitglieder des Tanz-Theaters Münster, also der Profis des Theaters, kümmerten sich um die Choreographien etlicher Ensembles. Das „Ballet Classique“ dagegen reaktivierte zum Jubiläum Eleonore H. Sattler und zeigte eine Harlekinade – Zirkus getanzt.

Solo mit Seil: Juliette Bonay beherrscht das Seil wie den Faden eines Spinnennetzes und ist darin zugleich gefangen. Stile haben sich entwickelt und verbunden: „Blanca Nieves“ verknüpft Modern Dance und Flamenco, „Tap 5“ mischt Stepptanz mit Musik zu einer neuen Erzählform, „Flics“ bindet Kampfelemente in den Jazzdance ein. Themen wie Erinnerung und Einsamkeit inszeniert das Tanztheater Orosz. Ähnlich poetisch verbindet die Rebel Dance Company druckvolle Schlagzeug-Klänge mit Stille: „You created the night, I made the candle“.

Der Begegnung von Menschen widmet sich „Notik“ ebenso wie die Hip-Hop-Formation A.K.A.T.S.U.K.I., Lebensfreude und Schmerz verkörpert das Tanzprojekt Sievert Ausdruck. Auch Carmen López y Grupo setzen hier an: die explosive Flamenco-Tänzerin mit Gitarrist und Sänger, die Balletttänzerinnen nur mit der Dynamik der Bewegung.

Mit dem Großen Haus hat das Festival den wohl besten denkbaren Ort in Münster gefunden. Weil die Sicht auf die Kunst so gut ist, die Beleuchter die Choreographie so treffsicher unterstützen können, mit Lichtkegeln, Mustern und in den Himmel gezauberten Wolken, und weil so viele Interessierte eine Karte bekommen können.

Zum Finale kommen alle noch einmal auf die Bühne, Sinnbild einer Tanzszene, die in diesem Vierteljahrhundert zu stärkerem Miteinander gefunden hat. Das Publikum erhebt sich und applaudiert. Viele sind einem Ensemble verbunden, doch begeistert applaudiert wird weit über diese Grenzen hinweg.

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