Um 20 Uhr ist Schluss
Schließt der Weihnachtsmarkt zu früh?

Münster -

Egal, wie groß der Andrang ist – nach 20 Uhr wird auf den münsterischen Weihnachtsmärkten kein Glühwein mehr ausgeschenkt. Lediglich freitags und samstags gibt es eine Stunde Verlängerung. Anderswo haben die Weihnachtsmärkte indes deutlich länger geöffnet: in Dortmund und Essen bis 21 Uhr, in der Kölner Altstadt sogar bis 22 Uhr. Wäre dies auch in Münster denkbar?

Montag, 18.12.2017, 20:00 Uhr aktualisiert: 18.12.2017, 21:29 Uhr
Von sonntags bis donnerstags sind die münsterischen Weihnachtsmärkte bis 20 Uhr geöffnet. In etlichen anderen Städten in der Region bleiben sie hingegen bis mindestens 21 Uhr offen.
Von sonntags bis donnerstags sind die münsterischen Weihnachtsmärkte bis 20 Uhr geöffnet. In etlichen anderen Städten in der Region bleiben sie hingegen bis mindestens 21 Uhr offen. Foto: hpe

„Wir würden in der Woche gerne eine Stunde länger öffnen“, sagt Arno Heitmann, der im Rathausinnenhof Glühwein verkauft. Und Freitags und samstags, wenn die Märkte bis 21 Uhr laufen, könnte er sich gut vorstellen, dass sie bis 22 Uhr geöffnet bleiben. „Aktuell ist jedenfalls noch richtig viel los, wenn wir unsere Stände schließen.“

Wir würden in der Woche gerne eine Stunde länger öffnen.

Arno Heitmann

Volker Schneider, der an der Überwasserkirche drei Glühweinstände betreibt, geht sogar davon aus, dass das Geschäft bis Mitternacht gut laufen würde. „Aber dann würde auch die Gefahr wachsen, dass die Stimmung kippt“, sagt Schneider. „Und dann kann es richtig unangenehm werden.“ Im Übrigen würden von einer Verlängerung der Öffnungszeiten wohl nur die Gastronomie profitieren. „Der Kunstgewerbeverkauf ist ein Tagesgeschäft, ab 18, 19 Uhr ist da deutlich weniger los.“

In Münsters Weihnachtsmarkt-Buden

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  • „Die Weihnachtsmärkte in Münster sind viel gemütlicher als in anderen Städten“, meint Student Lennart Höltscher (19).

    Foto: Julie Milch
  • Der 39-jährige Rolf Heckewald schaut von seinem Stand mit Werkzeug aus feinster belgischer Schokolade direkt auf die Weihnachtspyramide, wegen der viele Leute extra zum Aegidiimarkt kommen. 

    Foto: Julie Milch
  • Dominik Lagrin (45) schätzt die den windgeschützten Platz des Aegidiimarktes und die vielen netten Menschen, die hier unterwegs sind. In diesem Jahr hat er allerdings einen neuen Platz abseits des Hauptweges, da denken manche Stammgäste schon mal, er wäre gar nicht mehr da.  

    Foto: Julie Milch
  • Kindheitserinnerungen kommen bei Patrick Korsten hoch, wenn er an Stockbrot denkt. „Das habe ich das letzte Mal bei den Pfadfindern gegessen“, sagt der 29-Jährige. Nun steht er hinter dem neuen Stand auf dem Weihnachtsmarkt am Aegidiimarkt und knetet und backt, was das Zeug hält. Das beliebteste Brot? „Mit Käse und Schinken“, ruft sein Kollege Simon Dürre.

    Foto: Mareike Meiring
  • 15 Jahre lang sitzen Barbara Braun und ihr Mann Gerd schon zwischen den Handspieltieren in der Hütte auf dem Aegidiimarkt. Früher war Barbara Braun Krankenschwester und hat sich für die Zeit immer Urlaub genommen, mittlerweile macht das Ehepaar als Rentner weiter. Dafür kommen sie extra aus Espelkamp.

    Foto: Mareike Meiring
  • Stefan Bockstette ist in seinem Beruf eine Ausnahme - zumindest, wenn es ums Alter geht. „Ich bin ein recht junger Imker“, weiß der 35-Jährige. Doch das stört den Mann aus Altenberge nicht, der in diesem Jahr zum ersten Mal im Münster mit seinen über 50 Produkten auf dem Weihnachtsmarkt steht. „Es ist ein schönes Flair, alle sind gut drauf“, sagt er. Und Kälte findet er auch nicht schlecht. „Dann trinken alle gerne den warmen Met.“

    Foto: Mareike Meiring
  • Im Rathausinnenhof schätzen viele die Handwerkskunst, die in den Buden angeboten wird. Das sind die Menschen, die dort arbeiten:

    Foto: Mareike Meiring
  • Für Maren Dittberner ist es das erste Mal hinter den Kulissen auf dem Weihnachtsmarkt. „Ich wollte als Rentnerin noch ein bisschen etwas tun“, sagt die 66-Jährige in der Bude des Dortmunder Pralinenhauses. Die Kälte macht ihr nichts aus. „Ich habe hier drinnen einen Ofen, der hält mir die Füße warm.“

    Foto: Mareike Meiring
  • Die Lehramtsstudentin Julia Wunderlich hat sich genau den richtigen Stand für ihren späteren Besuch ausgesucht: Holzspielzeug. Davon hat die 25-Jährige so einige mittlerweile Zuhause, denn: „Die Spiele sind super und das Material ist einfach toll.“ Das ein oder andere Spiel der „Puzzle-Werstatt Unnerstall“ will sie später vielleicht auch mal in ihren Unterricht einbinden.

    Foto: Mareike Meiring
  • Ohne Englisch läuft hinter dem Stand mit den Glasfiguren bei Melina Flor kaum etwas. „Viele Gäste kommen hier nicht aus Deutschland“, ist der 23-Jährigen Studentin aufgefallen. Sie arbeitet zum ersten Mal auf dem Weihnachtsmarkt bei „Väterchen Frost“, ihr gefällt es „ein Teil davon“ zu sein. Dafür muss sie jedoch auch das ein oder andere Mal zum Deutsch-Englisch-Wörterbuch greifen. Was sie bislang so nachgeguckt hat? „‘Nicht zerbrechlich‘ zum Beispiel.“

    Foto: Mareike Meiring
  • Eigentlich sind Engelbert und Melanie Dahlhaus bekannt für ihr Kinderbungee-Trampolin auf dem Send. Doch im Winter können sie mit dem Trampolin kein Geld verdienen. Mit Schmalzkuchen dafür umso mehr. Zum vierten Mal stehen sie daher in diesem Jahr hinter dem Stand im Rathausinnenhof und werben fleißig für die kleinen Gebäckstücke.

    Foto: Mareike Meiring
  • Dirk Ritzenhof schätzt es, dass der Weihnachtsmarkt auf dem Rathausinnenhof nicht so quietschig und bunt wie andere ist, stattdessen gibt es hier noch Kunsthandwerk so wie es sein sollte. 

    Foto: Julie Milch
  • „Alles ist so schön bunt“, Christa Poppenborg-Schultz (69) macht es viel Freude richtige Handwerkskunst in der Bude auf dem Rathausinnenhof zu verkaufen.  

    Foto: Julie Milch
  • Sinje Leitz (25) kam über ihren Freund zum Nebenjob am Weihnachtsmarktstand. Bei den vielen Fellen kommen die Besucher schon mal auf komische Gedanken: Da fragt auch schon mal einer, ob das weiße von einem Eisbären ist. 

    Foto: Julie Milch
  • Die historische Kulisse beim Weihnachtsmarkt im Innenhof des Rathauses und die positive Stimmung mag Münsteranerin Katharina Möllers (29).

    Foto: Julie Milch
  • Auch der Lichtermarkt vor St. Lamberti lebt von den Menschen hinter (und vor) den Ständen. 

    Foto: Mareike Meiring
  • Nori Khellaf ist eigentlich kein Weihnachtsmarktfan. Aber auf dem Lichtermarkt vor St. Lamberti ist der 24-Jährige trotzdem täglich: hinter dem Stand von Siggi Hauch. „Hier habe ich die Bumerangs für mich entdeckt“, sagt er und lässt immer mal wieder einen fliegen. Was ihm noch gefällt? „Die frische Luft.“

    Foto: Mareike Meiring
  • Marius Dittmanns Favorit ist der kleine VW-Bus, aus einfach Holzplatten gezaubert am Stand von „Werkhaus“. Seit zwei Jahren wohnt der gebürtige Kölner in Münster. Nun steht er zum ersten Mal nicht vor, sondern hinter einer Bude auf dem Weihnachtsmarkt. Der Student suchte noch kurzfristig nach einem Nebenjob.

    Foto: Mareike Meiring
  • Über 200 verschiedene Kreisel hat Ulrich Büker bislang selbst angefertigt. Zum Sammeln, zum Spielen, zum Staunen. Seit mehr als 15 Jahren steht er mit dem „einzigen Kreiselstand überhaupt“, wie er sagt, vor der Lambertikirche, er selbst ist großer Kreiselfan. Seinen Lieblingskreisel „Pusteblume“ lässt er auf seiner Fingerspitze drehen.

    Foto: Mareike Meiring
  • Ulla lütke Jüdefeld zaubert Kunst aus Glas. Die 57-Jährige war vor 27 Jahren zum ersten Mal auf dem Weihnachtsmarkt in Münster, seitdem ist sie stets mit dabei. Ihr gefallen die Atmosphäre, die Leute und das viele Kunsthandwerk. „Ich arbeite schon seit 30 Jahren mit Glas und weiß, was die Leute wollen“, sagt die Frau aus Kinderhaus.

    Foto: Mareike Meiring
  • Franziska Heuer (30) findet den Lichtermarkt vor St. Lamberti schön nostalgisch´, aber auch die Tatsache, dass es so viele kleine Märkte anstatt eines großen gibt, findet sie super.

    Foto: Julie Milch
  • Klaus Kralovec lebt eigentlich im baden-württembergischen Gerabronn und kommt schon seit 1991 jedes Jahr nach Münster, um seine selbstgefertigten Holzprodukte zu verkaufen. Während er auf dem Lichtermarkt vor St. Lamberti steht, verkauft seine Frau auf dem Weihnachtsmarkt in Stuttgart.

    Foto: Julie Milch
  • Nach Meinung von Achim Katter (53)  schätzten die Kunden auf dem Lichtermarkt vor St. Lamberti eine hohe Produktqualität und Regionalität. In den fast 20 Jahren, die er hier Schafsfelle verkauft, hätte er viele Stammkunden gesammelt, die gezielt nach Produkten spezieller Rassen fragen. 

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  • Das Weihnachtsdorf am Kiepenkerl ist besonders urig. Und diese Menschen stehen dort in den Buden:

    Foto: Mareike Meiring
  • Friederike Hoberg liebt Weihnachten. „Es ist gemütlich, es leuchtet, alle sind freundlich“, schwärmt die 22-jährige Studentin. In diesem Jahr verdient sie zum ersten Mal auch Geld auf dem Weihnachtsmarkt, am Stand des Gasthauses Großer Kiepenkerl. Sie hält sich nicht nur mit einem Heizstrahler warm, sondern auch mit Gedanken an den Winter-Punsch oder die vielen kleinen Spezialitäten, die sie während der Adventszeit verkauft.

    Foto: Mareike Meiring
  • Sozusagen einen Freundschaftsdienst leisten Sandra Lause und Jutta Jäckel schon seit sieben Jahren auf dem Weihnachtsmarkt am Kiepenkerl. Denn ihre Freundin ist die Landwirtin des Hofs Renfert-Deitermann, von der es auf dem Markt allerlei Wurst, Liköre und Plätzchen gibt. Diese Produkte bringen die zwei Frauen während der Weihnachtsmarktsaison an Mann und Frau.

    Foto: Mareike Meiring
  • Die 18-jährige Abiturientin Christina Feldhues-Martin verkauft Sterne am Weihnachtsdorf am Kiepenkerl, ihr verdientes Geld spart sie für ihre Reise nach Australien nächstes Jahr. Sie schätzt die vielen kleinen Weihnachtsmärkte in Münster, indem man einfach von einem Markt zum nächsten geht, könne man so Freunden von außerhalb die ganze Stadt zeigen.

    Foto: Julie Milch
  • Der Giebelhüüskesmarkt an der Überwasserkirche ist schon gegen Mittag gut besucht. Auch hier haben wir hinter die Kulissen geblickt...

    Foto: Mareike Meiring
  • Mit ihrem eigentlichen Beruf hat die Arbeit von Rabea Dost auf dem Giebelhüüskesmarkt an der Überwasserkirche eigentlich gar nichts zu tun. Dort verkauft die studierte Ökologin Schmuck, und das nun schon im dritten Jahr. „Ich habe einfach Spaß an Schmuck und trage ihn auch selbst gern“, sagt sie. „Und auf dem Weihnachtsmarkt gönnen sich die Leute auch gerne mal was.“

    Foto: Mareike Meiring
  • Flora Finn kommt nun schon zum zweiten Mal in Folge aus Kiel nach Münster, um auf dem Weihnachtsmarkt zu verkaufen. „Die Stadt Münster ist so schön und mir gefällt es, beim Verkaufen mit den Kunden ins Gespräch zu kommen“, sagt die 21-Jährige vom Stand „Leikor“. Vor allem die vielen Holzprodukte des Standes begeistern sie.

    Foto: Mareike Meiring
  • Ordentlich zu tun hat Patricia Hense am Ofen von „Die lustigen Bäcker“. Vor neun Jahren hat sie mit ihrer Familie dort zum ersten Mal die Hütte aufgebaut, nun gibt es dort Flammkuchen von klassisch bis vegetarisch. „Wir Leute kennen uns mittlerweile auch alle untereinander und sitzen auch gerne abends mal zusammen am Lagerfeuer“, sagt die 42-Jährige.

    Foto: Mareike Meiring
  • Die Münsteranerin Michaela Derleh ist das fünfte Mal beim Giebelhüüskesmarkt dabei und ist sich sicher, dass dies der gemütlichste Weihnachtsmarkt Münsters sei. 

    Foto: Julie Milch
  • Greta Carstens wohnt eigentlich in der Nähe von Kiel und ist über ihre beste Freundin an den Job auf dem Giebelhüüskesmarkt gekommen. Im Februar will die 20-Jährige nach Süd- und Mittelamerika reisen, da kann sie das Geld gut gebrauchen.  

    Foto: Julie Milch
  • Es sei urig, häufig auch viele jüngere Leute da und von allem etwas zu bekommen: So fasst  Anna Bußmann (35) den Giebelhüüskesmarkt an der Überwasserkirche zusammen

    Foto: Julie Milch

Bernd Kleimann, dessen Stand sich vor St. Lamberti befindet, hätte nichts gegen einen Probelauf mit verlängerten Öffnungszeiten einzuwenden. „Da müsste man dann sehen, ob sich das rechnet.“ Für die Betreiber seien die Belastungen allerdings schon jetzt groß: „25 Tage ohne einen freien Tag bei vier Stunden Schlaf“ – die Weihnachtsmarktzeit sei kein Zuckerschlecken für ihn. Wie Schneider geht auch er davon aus, dass eine Verlängerung vor allem der Gastronomie zugute käme.

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Die aktuellen Öffnungszeiten gehen auf einen Kompromiss zurück, den die Händler vor ein paar Jahren geschlossen haben. Sie gelten seitdem für alle münsterischen Weihnachtsmärkte – und für alle Buden, wobei die gastronomischen Stände noch in den Genuss einer halbstündigen Ausklangphase kommen.

„Offizielle Anfragen nach einer Verlängerung der Öffnungszeiten liegen uns bislang nicht vor“, betont Johannes Lammers vom städtischen Ordnungsamt. In der Behörde wäre man allerdings durchaus offen für Veränderungen – sollte dies der zweimal jährlich tagende Weihnachtsmarktbeirat genauso sehen.

Änderungen denkbar

„Es käme auf einen Versuch an“, sagt Kleimann. „Aber dann müssten sich alle an einen großen Tisch setzen“, betont Schneider.

Kommentar: Nur im Kompromiss

Wer bis 20 Uhr arbeitet, hat in der Woche keine Chance, einen der münsterischen Weihnachtsmärkte zu besuchen. Denn um 20 Uhr wird dort der letzte Glühwein ausgeschenkt. Für alle, die nicht im Verlauf des Nachmittags aus Behörden, Schulen oder Hörsälen kommen, wäre eine Verlängerung der ­Öffnungszeiten durchaus wünschenswert.

Eine solche Entscheidung kann jedoch nur getroffen werden, wenn alle – vom Gastronomen bis zum Händler – zustimmen. Ob eine solche einmütige Entscheidung herbeizuführen ist, erscheint jedoch fraglich. Um 21 Uhr mag der Glühwein noch schmecken – Holzschnitzwerk oder Dekoration kaufen um diese Zeit nur noch wenige ein. Sollten einige Buden länger öffnen, andere aber wie bisher schließen, wäre das einheitliche Bild der Märkte zerstört. Und so kann nur ein Kompromiss, den alle mittragen, eine Lösung sein.

Martin Kalitschke

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