Misshandlung von Schutzbefohlenen
Dreieinhalb Jahre Haft und lebenslanges Berufsverbot für Altenpflegehelferin

Münster -

Eine 30 Jahre alte Altenpflegehelferin aus Münster ist am Dienstag vom Amtsgericht wegen Misshandlung von Schutzbefohlenen zu dreieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt worden. Darüber hinaus sprach das Schöffengericht gegen die Münsteranerin ein lebenslanges Berufsverbot aus.

Dienstag, 19.12.2017, 16:40 Uhr aktualisiert: 19.12.2017, 17:48 Uhr
Misshandlung von Schutzbefohlenen : Dreieinhalb Jahre Haft und lebenslanges Berufsverbot für Altenpflegehelferin
Eine 30 Jahre alte Altenpflegehelferin aus Münster ist am Dienstag vom Amtsgericht wegen Misshandlung von Schutzbefohlenen zu dreieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt worden. Foto: Klaus Möllers

Die Frau hatte einer hochbetagte Bewohnerin des Pflegeheimes Maria Trost in Mauritz im vergangenen Sommer an mindestens drei Abenden bei der Versorgung unter anderem ins Gesicht geschlagen und ihr so lange Flüssigkeit in den Mund und Hals laufen lassen, bis die Seniorin kaum mehr Luft bekam. Zudem hob die kräftige Mitarbeiterin die alte Frau mehrmals hoch und ließ sie krachend auf ihr Bett fallen. Auch drückte sie ihr sekundenlang ein Kissen auf das Gesicht. 

Kinder des dementen Opfers hegten Verdacht

Die Tochter und der Schwiegersohn hatten über Wochen den Verdacht gehegt, dass ihre demente Angehörige, die sich selbst kaum mehr mitteilen konnte, misshandelt würde. Vor Gericht sprach die Tochter von Blutergüssen, einem verlorenen Zahn und dass die Mutter ihre Angehörigen abends nicht mehr habe gehen lassen wollen - offenbar aus Angst, später wieder der Altenpflegehelferin ausgeliefert zu sein.

Heimleitung reagierte zunächst nicht

Die Heimleitung hatte auf die Vorwürfe erst nicht reagiert. Daraufhin platzierten die Verwandten einen Wecker mit einer versteckten Kamera im Zimmer der Bewohnerin. Bei Gericht wurden die Aufnahmen, die die Misshandlungen zeigen, am Dienstag abgespielt.

Angeklagte hatte leichte bis mittelschwere Depression

Gegenüber dem Gericht erklärte die Altenpflegehelferin, dass sie sich an exakt jene drei Tage nicht erinnern könne. Sonst aber an alles in ihrem Leben. Eine psychiatrische Gutachterin sagte, dass die Angeklagte zur Zeit der Taten zwar unter einer leichten bis mittelschweren Depression gelitten habe, medizinisch aber keinen Grund für eine Amnesie bestehe. Die Angeklagte habe allerdings ein „ausgeprägtes Vermeidungsverhalten“. Der Richter warf der Altenpflegehelferin in der Urteilsbegründung vor, „aus Scham“ gelogen zu haben.

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