Sicherheitskonzept auf dem Weihnachtsmarkt
Weihnachtsstimmung trotz Polizeipräsenz

Münster -

Das aufwendige Sicherheitskonzept von Stadt und Polizei rund um die innerstädtischen Weihnachtsmärkte ist nach Meinung der Behörden aufgegangen. Trotz des massiven Polizeieinsatzes sei die „vorweihnachtliche Ausstrahlung der Stadt erhalten geblieben“, so Ordnungsdezernent Wolfgang Heuer.

Donnerstag, 21.12.2017, 19:30 Uhr aktualisiert: 21.12.2017, 19:59 Uhr
„Meine Leute haben bei elenden Bedingungen einen guten Job gemacht“, sagt Polizeipräsident Hajo Kuhlisch, der zum Ende der Weihnachtsmarkt-Saison das Gespräch mit den Beamten an den Sperrstellen – wie hier am Prinzipalmarkt – suchte. Rechts Hauptkommissar Gerd Brandt.
„Meine Leute haben bei elenden Bedingungen einen guten Job gemacht“, sagt Polizeipräsident Hajo Kuhlisch, der zum Ende der Weihnachtsmarkt-Saison das Gespräch mit den Beamten an den Sperrstellen – wie hier am Prinzipalmarkt – suchte. Rechts Hauptkommissar Gerd Brandt. Foto: hpe

Es war der best geschützte Weihnachtsmarkt in der Geschichte des adventlichen Budenzaubers zwischen Rathaus und Lamberti: 30 Polizisten, teilweise ausgerüstet mit Maschinenpistolen, sollten neben quer gestellten Lastwagen an Sperrstellen sichtbar mehr Sicherheit in die Stadt bringen. Zumindest für die Ordnungsbehörden ist das deutlich hochgefahrene Sicherheitskonzept aufgegangen. Ob es allerdings in dieser Schärfe 2018 wiederholt wird, ist noch unklar.

8500 zusätzliche Stunden Einsatzdienst

„Meine Leute haben unter elenden Bedingungen bei Kälte, Wind und Regen einen guten Job gemacht“, so Polizeipräsident Hajo Kuhlisch. 8500 zusätzliche Stunden Einsatzdienst in vier Vorweihnachtswochen hätten sich „in jeder Hinsicht gelohnt“, meint der Behördenchef bei einem Besuch bei den uniformierten Kollegen auf dem Prinzipalmarkt.

Taschendiebe abgeschreckt

Die optisch unübersehbare Polizeipräsenz hat offenbar auch potenzielle Taschendiebe abgeschreckt. Nach 33 Delikten im Vorjahr wurden bislang nur elf Taten gemeldet. Die Sperrposten waren auch als Ansprechpartner besonders bei Ortsunkundigen gefragt. „Wo geht es zum Reisebus am Schlossplatz, zum Bahnhof oder zum Kiepenkerl?“ Fragen, die Hauptkommissar Gerd Brandt, der eine Sperrstelle sicherte, „im Minutentakt“ gestellt bekam.

Ein Jahr nach dem Anschlag in Berlin angemessen

Ob sich die Bevölkerung an eine abgesperrte Stadt bei Großveranstaltungen gewöhnen muss, können die Verantwortlichen nicht abschätzen. „Wir werden immer die aktuelle Lage beurteilen und unsere Maßnahmen darauf abstimmen. Ein Jahr nach dem Terroranschlag von Berlin schien es uns diesmal angemessen, mit großem Personalaufwand den Weihnachtsmarkt abzusichern“, so der Polizeichef.

In Münsters Weihnachtsmarkt-Buden

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  • „Die Weihnachtsmärkte in Münster sind viel gemütlicher als in anderen Städten“, meint Student Lennart Höltscher (19).

    Foto: Julie Milch
  • Der 39-jährige Rolf Heckewald schaut von seinem Stand mit Werkzeug aus feinster belgischer Schokolade direkt auf die Weihnachtspyramide, wegen der viele Leute extra zum Aegidiimarkt kommen. 

    Foto: Julie Milch
  • Dominik Lagrin (45) schätzt die den windgeschützten Platz des Aegidiimarktes und die vielen netten Menschen, die hier unterwegs sind. In diesem Jahr hat er allerdings einen neuen Platz abseits des Hauptweges, da denken manche Stammgäste schon mal, er wäre gar nicht mehr da.  

    Foto: Julie Milch
  • Kindheitserinnerungen kommen bei Patrick Korsten hoch, wenn er an Stockbrot denkt. „Das habe ich das letzte Mal bei den Pfadfindern gegessen“, sagt der 29-Jährige. Nun steht er hinter dem neuen Stand auf dem Weihnachtsmarkt am Aegidiimarkt und knetet und backt, was das Zeug hält. Das beliebteste Brot? „Mit Käse und Schinken“, ruft sein Kollege Simon Dürre.

    Foto: Mareike Meiring
  • 15 Jahre lang sitzen Barbara Braun und ihr Mann Gerd schon zwischen den Handspieltieren in der Hütte auf dem Aegidiimarkt. Früher war Barbara Braun Krankenschwester und hat sich für die Zeit immer Urlaub genommen, mittlerweile macht das Ehepaar als Rentner weiter. Dafür kommen sie extra aus Espelkamp.

    Foto: Mareike Meiring
  • Stefan Bockstette ist in seinem Beruf eine Ausnahme - zumindest, wenn es ums Alter geht. „Ich bin ein recht junger Imker“, weiß der 35-Jährige. Doch das stört den Mann aus Altenberge nicht, der in diesem Jahr zum ersten Mal im Münster mit seinen über 50 Produkten auf dem Weihnachtsmarkt steht. „Es ist ein schönes Flair, alle sind gut drauf“, sagt er. Und Kälte findet er auch nicht schlecht. „Dann trinken alle gerne den warmen Met.“

    Foto: Mareike Meiring
  • Im Rathausinnenhof schätzen viele die Handwerkskunst, die in den Buden angeboten wird. Das sind die Menschen, die dort arbeiten:

    Foto: Mareike Meiring
  • Für Maren Dittberner ist es das erste Mal hinter den Kulissen auf dem Weihnachtsmarkt. „Ich wollte als Rentnerin noch ein bisschen etwas tun“, sagt die 66-Jährige in der Bude des Dortmunder Pralinenhauses. Die Kälte macht ihr nichts aus. „Ich habe hier drinnen einen Ofen, der hält mir die Füße warm.“

    Foto: Mareike Meiring
  • Die Lehramtsstudentin Julia Wunderlich hat sich genau den richtigen Stand für ihren späteren Besuch ausgesucht: Holzspielzeug. Davon hat die 25-Jährige so einige mittlerweile Zuhause, denn: „Die Spiele sind super und das Material ist einfach toll.“ Das ein oder andere Spiel der „Puzzle-Werstatt Unnerstall“ will sie später vielleicht auch mal in ihren Unterricht einbinden.

    Foto: Mareike Meiring
  • Ohne Englisch läuft hinter dem Stand mit den Glasfiguren bei Melina Flor kaum etwas. „Viele Gäste kommen hier nicht aus Deutschland“, ist der 23-Jährigen Studentin aufgefallen. Sie arbeitet zum ersten Mal auf dem Weihnachtsmarkt bei „Väterchen Frost“, ihr gefällt es „ein Teil davon“ zu sein. Dafür muss sie jedoch auch das ein oder andere Mal zum Deutsch-Englisch-Wörterbuch greifen. Was sie bislang so nachgeguckt hat? „‘Nicht zerbrechlich‘ zum Beispiel.“

    Foto: Mareike Meiring
  • Eigentlich sind Engelbert und Melanie Dahlhaus bekannt für ihr Kinderbungee-Trampolin auf dem Send. Doch im Winter können sie mit dem Trampolin kein Geld verdienen. Mit Schmalzkuchen dafür umso mehr. Zum vierten Mal stehen sie daher in diesem Jahr hinter dem Stand im Rathausinnenhof und werben fleißig für die kleinen Gebäckstücke.

    Foto: Mareike Meiring
  • Dirk Ritzenhof schätzt es, dass der Weihnachtsmarkt auf dem Rathausinnenhof nicht so quietschig und bunt wie andere ist, stattdessen gibt es hier noch Kunsthandwerk so wie es sein sollte. 

    Foto: Julie Milch
  • „Alles ist so schön bunt“, Christa Poppenborg-Schultz (69) macht es viel Freude richtige Handwerkskunst in der Bude auf dem Rathausinnenhof zu verkaufen.  

    Foto: Julie Milch
  • Sinje Leitz (25) kam über ihren Freund zum Nebenjob am Weihnachtsmarktstand. Bei den vielen Fellen kommen die Besucher schon mal auf komische Gedanken: Da fragt auch schon mal einer, ob das weiße von einem Eisbären ist. 

    Foto: Julie Milch
  • Die historische Kulisse beim Weihnachtsmarkt im Innenhof des Rathauses und die positive Stimmung mag Münsteranerin Katharina Möllers (29).

    Foto: Julie Milch
  • Auch der Lichtermarkt vor St. Lamberti lebt von den Menschen hinter (und vor) den Ständen. 

    Foto: Mareike Meiring
  • Nori Khellaf ist eigentlich kein Weihnachtsmarktfan. Aber auf dem Lichtermarkt vor St. Lamberti ist der 24-Jährige trotzdem täglich: hinter dem Stand von Siggi Hauch. „Hier habe ich die Bumerangs für mich entdeckt“, sagt er und lässt immer mal wieder einen fliegen. Was ihm noch gefällt? „Die frische Luft.“

    Foto: Mareike Meiring
  • Marius Dittmanns Favorit ist der kleine VW-Bus, aus einfach Holzplatten gezaubert am Stand von „Werkhaus“. Seit zwei Jahren wohnt der gebürtige Kölner in Münster. Nun steht er zum ersten Mal nicht vor, sondern hinter einer Bude auf dem Weihnachtsmarkt. Der Student suchte noch kurzfristig nach einem Nebenjob.

    Foto: Mareike Meiring
  • Über 200 verschiedene Kreisel hat Ulrich Büker bislang selbst angefertigt. Zum Sammeln, zum Spielen, zum Staunen. Seit mehr als 15 Jahren steht er mit dem „einzigen Kreiselstand überhaupt“, wie er sagt, vor der Lambertikirche, er selbst ist großer Kreiselfan. Seinen Lieblingskreisel „Pusteblume“ lässt er auf seiner Fingerspitze drehen.

    Foto: Mareike Meiring
  • Ulla lütke Jüdefeld zaubert Kunst aus Glas. Die 57-Jährige war vor 27 Jahren zum ersten Mal auf dem Weihnachtsmarkt in Münster, seitdem ist sie stets mit dabei. Ihr gefallen die Atmosphäre, die Leute und das viele Kunsthandwerk. „Ich arbeite schon seit 30 Jahren mit Glas und weiß, was die Leute wollen“, sagt die Frau aus Kinderhaus.

    Foto: Mareike Meiring
  • Franziska Heuer (30) findet den Lichtermarkt vor St. Lamberti schön nostalgisch´, aber auch die Tatsache, dass es so viele kleine Märkte anstatt eines großen gibt, findet sie super.

    Foto: Julie Milch
  • Klaus Kralovec lebt eigentlich im baden-württembergischen Gerabronn und kommt schon seit 1991 jedes Jahr nach Münster, um seine selbstgefertigten Holzprodukte zu verkaufen. Während er auf dem Lichtermarkt vor St. Lamberti steht, verkauft seine Frau auf dem Weihnachtsmarkt in Stuttgart.

    Foto: Julie Milch
  • Nach Meinung von Achim Katter (53)  schätzten die Kunden auf dem Lichtermarkt vor St. Lamberti eine hohe Produktqualität und Regionalität. In den fast 20 Jahren, die er hier Schafsfelle verkauft, hätte er viele Stammkunden gesammelt, die gezielt nach Produkten spezieller Rassen fragen. 

    Foto: Julie Milch
  • Das Weihnachtsdorf am Kiepenkerl ist besonders urig. Und diese Menschen stehen dort in den Buden:

    Foto: Mareike Meiring
  • Friederike Hoberg liebt Weihnachten. „Es ist gemütlich, es leuchtet, alle sind freundlich“, schwärmt die 22-jährige Studentin. In diesem Jahr verdient sie zum ersten Mal auch Geld auf dem Weihnachtsmarkt, am Stand des Gasthauses Großer Kiepenkerl. Sie hält sich nicht nur mit einem Heizstrahler warm, sondern auch mit Gedanken an den Winter-Punsch oder die vielen kleinen Spezialitäten, die sie während der Adventszeit verkauft.

    Foto: Mareike Meiring
  • Sozusagen einen Freundschaftsdienst leisten Sandra Lause und Jutta Jäckel schon seit sieben Jahren auf dem Weihnachtsmarkt am Kiepenkerl. Denn ihre Freundin ist die Landwirtin des Hofs Renfert-Deitermann, von der es auf dem Markt allerlei Wurst, Liköre und Plätzchen gibt. Diese Produkte bringen die zwei Frauen während der Weihnachtsmarktsaison an Mann und Frau.

    Foto: Mareike Meiring
  • Die 18-jährige Abiturientin Christina Feldhues-Martin verkauft Sterne am Weihnachtsdorf am Kiepenkerl, ihr verdientes Geld spart sie für ihre Reise nach Australien nächstes Jahr. Sie schätzt die vielen kleinen Weihnachtsmärkte in Münster, indem man einfach von einem Markt zum nächsten geht, könne man so Freunden von außerhalb die ganze Stadt zeigen.

    Foto: Julie Milch
  • Der Giebelhüüskesmarkt an der Überwasserkirche ist schon gegen Mittag gut besucht. Auch hier haben wir hinter die Kulissen geblickt...

    Foto: Mareike Meiring
  • Mit ihrem eigentlichen Beruf hat die Arbeit von Rabea Dost auf dem Giebelhüüskesmarkt an der Überwasserkirche eigentlich gar nichts zu tun. Dort verkauft die studierte Ökologin Schmuck, und das nun schon im dritten Jahr. „Ich habe einfach Spaß an Schmuck und trage ihn auch selbst gern“, sagt sie. „Und auf dem Weihnachtsmarkt gönnen sich die Leute auch gerne mal was.“

    Foto: Mareike Meiring
  • Flora Finn kommt nun schon zum zweiten Mal in Folge aus Kiel nach Münster, um auf dem Weihnachtsmarkt zu verkaufen. „Die Stadt Münster ist so schön und mir gefällt es, beim Verkaufen mit den Kunden ins Gespräch zu kommen“, sagt die 21-Jährige vom Stand „Leikor“. Vor allem die vielen Holzprodukte des Standes begeistern sie.

    Foto: Mareike Meiring
  • Ordentlich zu tun hat Patricia Hense am Ofen von „Die lustigen Bäcker“. Vor neun Jahren hat sie mit ihrer Familie dort zum ersten Mal die Hütte aufgebaut, nun gibt es dort Flammkuchen von klassisch bis vegetarisch. „Wir Leute kennen uns mittlerweile auch alle untereinander und sitzen auch gerne abends mal zusammen am Lagerfeuer“, sagt die 42-Jährige.

    Foto: Mareike Meiring
  • Die Münsteranerin Michaela Derleh ist das fünfte Mal beim Giebelhüüskesmarkt dabei und ist sich sicher, dass dies der gemütlichste Weihnachtsmarkt Münsters sei. 

    Foto: Julie Milch
  • Greta Carstens wohnt eigentlich in der Nähe von Kiel und ist über ihre beste Freundin an den Job auf dem Giebelhüüskesmarkt gekommen. Im Februar will die 20-Jährige nach Süd- und Mittelamerika reisen, da kann sie das Geld gut gebrauchen.  

    Foto: Julie Milch
  • Es sei urig, häufig auch viele jüngere Leute da und von allem etwas zu bekommen: So fasst  Anna Bußmann (35) den Giebelhüüskesmarkt an der Überwasserkirche zusammen

    Foto: Julie Milch

Deutliche Verstärkung an Silvester

Es sei aber bei künftigen Konzepten auch immer eine Frage der Abwägung, schließlich wolle man nicht das öffentliche Leben in einer Metropole wie Münster über Gebühr beeinträchtigen. Für Silvester plant man bislang eine deutliche Verstärkung der Polizeikräfte rund um den Domplatz. 150 statt 70 Beamte sollen dort das Mitternachtsfeuerwerk absichern. Und Rosenmontag gehören Lkw-Sperren und ein hoher Polizeischutz bereits zur Auflage.

Entspannter ohne Busse, Taxen und Lieferwagen

Laut Ordnungsdezernent Wolfgang Heuer ist das rund 100.000 Euro teure Sicherheitskonzept bei Kaufleuten und Beschickern gut angekommen. „Polizei und Stadt haben einen hohen Aufwand betrieben, um vorbeugend den bestmöglichen Schutz und gleichzeitig eine attraktive vorweihnachtliche Ausstrahlung zu gewährleisten“, meint der Stadtrat. Die Spielregeln seien „ausreichend flexibel“ gewesen, alle Interessen der Anwohner und des Lieferverkehrs seien unter einen Hut gebracht worden.

Beschlossenes Pollerkonzept

Nach Einschätzung der Stadt hat die veränderte Verkehrssituation mit Altstadtstraßen und Prinzipalmarkt ohne Busse, Taxen und Lieferfahrzeuge zu einem „entspannteren Nebeneinander von Fußgängern und Radfahrern“ geführt.

Die Lastwagen an den Sperrstellen hätten schöner aussehen können, kritisierten Passanten. „Darüber kann man nachdenken, letztlich setzen wir aber auf das beschlossene Pollerkonzept“, so Heuer. Die ersten Exemplare der versenkbaren Sperrpfähle werden 2018 am Schlossplatz eingebaut.

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