Weihnachtspredigt von Bischof Felix Genn
An Weihnachten hinter das Offensichtliche schauen

Münster -

„Was Jesus uns liefert, ist tatsächlich Gnade und Wahrheit in dem Sinne, dass Gott reine umsonstige Liebe ist, und dass das wahr ist, dass diese Liebe sich nie verbraucht.“ Deswegen, das hat der Bischof von Münster, Dr. Felix Genn, am 25. Dezember im Weihnachtshochamt im St.-Paulus-Dom in Münster betont, seien Christen auch „Unruhestifter“, die sich nicht mit manchem Modell weltlicher Lebensgestaltung zufrieden gäben und sich nicht am bloß Machbaren orientierten.

Montag, 25.12.2017, 12:00 Uhr aktualisiert: 25.12.2017, 13:19 Uhr
Weihnachtspredigt von Bischof Felix Genn: An Weihnachten hinter das Offensichtliche schauen
Bischof Dr. Felix Genn Foto: Oliver Werner

In diesem Zusammenhang kritisierte der Bischof die „verbrauchende Embryonenforschung, wo um eines vermeintlich guten Zweckes willen in Kauf genommen wird, dass andere menschliche Wirklichkeiten zerstört werden.“ Und er erinnerte an das Internationale Weltfriedenstreffen der Gemeinschaft Sant‘ Egidio, das im September in Münster stattgefunden hatte: „Die Begegnung hat uns gezeigt, dass verfeindete Gruppen plötzlich miteinander sprechen können, ohne sich die Köpfe einzuschlagen.“

Bischof Genn: „Wenn die reine, umsonst geschenkte Liebe gilt, ist es der Mühe wert, unablässig für den Frieden zu beten, selbst wenn man den Eindruck hat, dass ein nordkoreanischer Präsident nichts anderes kennt als das bloße Vergnügen an seiner eigenen Macht. Wenn wirklich gilt, dass dieses Heil Gottes, das Jesus in die Welt gebracht hat, allen Menschen gilt, bleibt es für einen Christen unverständlich, nur auf die Größe der eigenen Nation, die Größe des eigenen Ichs und der eigenen Person zu setzen. Ein wahres Ich hat immer Platz für ein Du, ein Gegenüber, Platz für ein Anderes und Fremdes.“

Weihnachtspredigten

Ausgehend von der Gebetszeile „Deine Weisheit zeige uns den rechten Weg“ unterstrich der Bischof, dass das Weihnachtsfest eine großartige Möglichkeit biete, hinter das Offensichtliche zu schauen. Denn man könne gut verstehen, dass Menschen sich fragten: „Wie soll ein Kind in einem Stall der Retter der Welt sein?“

Wie Gott sich diesen Zeitpunkt und Ort „am Rand der Weltgeschichte“ ausgesucht habe, um selbst Mensch zu werden und den Menschen nahe zu sein, und wie das Kind einfach in der Krippe daliege und seine Arme ausstrecke, so bedürfe es auch bei den Menschen „des einzelnen konkreten Schrittes, ihn aufzunehmen, um dann mit ihm zu gehen.“  Bischof Genn: „Er schenkt uns einen Lebensweg und eine Orientierung, die gefüllt ist mit Hoffnung, die von keinem überboten werden kann. Wenn Gott Mensch wird, ist das Gottes Austritt aus der Ewigkeit und sein Eintritt in die Zeit.“

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