Bis zu 500 Wohnungen geplant
Eishalle soll Anfang 2019 abgerissen werden

Münster -

Im Sommer lockte die Eishalle als Schauplatz der Skulptur-Projekte Zehntausende Menschen an. Anfang 2019 soll sie abgerissen werden. Auf dem Areal entstehen bis zu 500 neue Wohnungen.

Dienstag, 26.12.2017, 11:00 Uhr aktualisiert: 26.12.2017, 13:34 Uhr
Investor Hans-Joachim Bierbaum in der Eishalle an der Steinfurter Straße: Bis Anfang Oktober befand sich hier das weltweit gefeierte Skulptur-Projekt „After Alife Ahead“ von Pierre Huyghe, dessen Reste noch zu sehen sind. Das Foto entstand am Donnerstag.
Investor Hans-Joachim Bierbaum in der Eishalle an der Steinfurter Straße: Bis Anfang Oktober befand sich hier das weltweit gefeierte Skulptur-Projekt „After Alife Ahead“ von Pierre Huyghe, dessen Reste noch zu sehen sind. Das Foto entstand am Donnerstag. Foto: Kalitschke

Die Skulptur-Projekte 2017 sind Geschichte. Doch an einem Ort in Münster sind sie noch lebendig – zumindest auf den ersten Blick.

In der Eishalle an der Steinfurter Straße hat sich seit Anfang Oktober nicht viel geändert. Die kraterähnliche Landschaft aus Sand und Steinen, die spitzen Betonplatten, die Schächte in der Decke: Das Kunstwerk von Pierre Huyghe, das 100 Tage lang weltweit für Aufsehen sorgte, lässt sich noch erahnen – auch wenn das, was hier zu sehen ist, natürlich längst kein Kunstwerk mehr ist.

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„Leoland“-Planungen zogen sich hin

Seit 2014 gehört die Halle dem münsterischen Investor Hans-Joachim Bierbaum. Er hat ein Unternehmen gegründet, das „Leoland“ heißt, weil nebenan der Leonardo-Campus ist. Im Quartier Leoland sollen 400 bis 500 Wohnungen entstehen, auch ein Studentenwohnheim mit 180 bis 200 Plätzen ist geplant.

Wäre es nach Bierbaum gegangen, dann würde es das Leoland längst geben, doch die Planungen für das Projekt zogen sich hin, unter anderem, weil dem Inhaber des benachbarten Burger-King-Restaurants auch ein Teil des Grundstücks gehört. Vor ein paar Monaten einigten sich schließlich beide Seiten auf eine Grundstücksteilung, damit ist der Weg für das Leoland nun frei.

Architektenwettbewerb läuft

Bierbaum bestätigt Informationen unserer Zeitung, wonach aktuell ein Architektenwettbewerb läuft. Fünf Büros sollen Vorschläge erarbeiten, der Preisträger Ende Januar feststehen. Wie genau das Leoland einmal aussehen wird, ist aktuell noch ungewiss. Sicher ist, dass das, was dort entsteht, höchsten städtebaulichen Ansprüchen genügen muss. Die Steinfurter Straße ist eine Haupteinfallstraße. Wer nach Münster kommt, der wird in ein paar Jahren als erstes auf das Leoland blicken. Und der erste Eindruck, der muss sitzen.

2019 rückt der Abrissbagger an

Sobald der Wettbewerb entschieden ist, will Bierbaum das Projekt auf den Weg bringen. „Anfang 2019 wird der Abrissbagger anrücken“, sagt der Investor. Er rechnet mit zwei Jahren Bauzeit, das Leoland würde also 2021 stehen. Um das Projekt umzusetzen, ist in seine Firma inzwischen ein niederländisches Bauunternehmen eingestiegen. Die Partner werden das Projekt gemeinsam realisieren, danach soll es an einen Investor veräußert werden. Es gebe bereits mehrere Kaufinteressenten, sagt Bierbaum.

„Luxuswohnungen“ wird es in Leoland übrigens nicht geben, sondern nur kleinteilige Wohneinheiten, die später ausschließlich vermietet werden. Etwa jede dritte wird eine öffentlich geförderte Sozialwohnung sein.

Kraterlandschaft verschwindet

Während Bierbaum dies alles erzählt, kann man seinen Atem in der Luft sehen. In der Eishalle ist es kalt und feucht, das Raumklima passt zur unwirtlichen Kraterlandschaft, die mal das teuerste Kunstwerk der Skulptur-Projekte war. Eine Million Euro soll die Umsetzung nach Berichten der Kunstpresse gekostet haben, das Geld kam von den Galerien des Künstlers. Bierbaum stellte die Eishalle unentgeltlich zur Verfügung: „Als die Anfrage kam, habe ich gesagt: Macht mit der Halle, was ihr wollt, die wird sowieso abgerissen.“ Mit dem Künstler habe er sich übrigens gut verstanden, „der hat mir immer wieder erklärt, was gerade passiert“.

Die Kunstwelt ist längst weitergezogen, zurückgeblieben ist eine Ruine, die bald dem Erdboden gleich gemacht wird. Und mit ihr die Erinnerung an eines der spektakulärsten Kunstwerke, das es in 40 Jahren Skulptur-Projekte gegeben hat.

Kommentar

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