Fahrzeugaufbrüche in der Nacht
Lenkräder und Navis im Fokus

Münster -

Kaum eine Woche vergeht, ohne neue Schlagzeilen über aufgebrochene Autos in Münster. Meist sind es teure BMW-Modelle, aus denen Navis und Lenkräder fachgerecht ausgebaut wurden.

Dienstag, 26.12.2017, 18:30 Uhr
Ermittler Ralf Bleeck (r.) zeigt einem Kollegen sichergestellte Navi-Bauteile nach Autoaufbrüchen in Münster.
Ermittler Ralf Bleeck (r.) zeigt einem Kollegen sichergestellte Navi-Bauteile nach Autoaufbrüchen in Münster. Foto: hpe

Seit Anfang des Jahres wird Münster von einer scheinbar nicht enden wollenden Serie von Fahrzeugaufbrüchen heimgesucht. Fast immer sind es hochwertige BMW, fast immer wird die hintere Seitenscheibe eingeschlagen; und fast immer bauen die Täter fachgerecht Navigationsgeräte und Multifunktionslenkräder sowie die Airbags aus. Pro Fall ein Schaden, der immer zwischen 5000 und­ 10 000 Euro liegt.

"Wellenbewegung"

Ralf Bleeck, Leiter des Kriminalkommissariats 14 bei der Polizei Münster und zuständig für Fahrzeug-Diebstahlsdelikte, beobachtet eine „Wellenbewegung“. Mal passiere drei Wochen nichts, dann komme es wieder gleich zu einem halben Dutzend Aufbrüche. Die Tatorte sind über das gesamte Stadtgebiet verteilt, oft sind es Stellflächen von Autohäusern. Die Polizei geht von reisenden Tätergruppen aus dem osteuropäischen Raum aus. Drei bis vier junge Männer, die sich in billigen Hotels und Pensionen für ein paar Tage einmieten, gehen ganz gezielt los und stehlen „auf Bestellung“ die teuren Einbauten.

Ausbau dauert nur wenige Minuten

Warum gerade BMW-Fahrzeuge im Fokus stehen, kann Bleeck nicht sagen. Er vermutet aber einen gut florierenden Ersatzteilmarkt im Internet, der passgenau bedient werden will. Weil meist nur Steckverbindungen zu lösen sind, dauert der Ausbau für entsprechend geschulte Diebe nur wenige Minuten.

Garagen und Alarmanlagen empfohlen

Zugeschlagen wird ausnahmslos in der Nacht, deshalb gibt es auch selten Zeugen. Mit spezieller Digitaltechnik ausgestattet, ist es den Tätern auch möglich, Fahrzeuge mit dem schlüssellosen Verriegelungssystem Keyless Go schnell zu öffnen. Die Funkschlüssel im Haus werden mit einer Digitaltechnik geortet, eine Verbindung zum Fahrzeug vor der Tür wird aufgebaut. Nach ein paar Klicks auf der Tastatur lassen sich die Autos öffnen und sind fahrbereit. Die Polizei rät, Fahrzeuge in einer abgeschlossenen Garage unterzustellen. Auch eine Alarmanlage im Auto sowie Kameras und Bewegungsmelder mit Licht am Haus schrecken Täter ab.

Auch sollte jeder Fahrzeugbesitzer abends nachschauen, ob sein Fahrzeug wirklich verschlossen ist. Wer einen Keyless-Go-Funkschlüssel hat, sollte ihn nicht am Bund im Türschloss stecken lassen. „Der Fachhandel empfiehlt Metallboxen oder simple Alufolie. Dann können die Funksignale des Schlüssel nicht von außen geortet werden“, so Bleeck.

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Und wer in seiner Nachbarschaft Unbekannte beobachtet, die sich verdächtig lange an einem Auto aufhalten, sollte unverzüglich den Notruf 110 wählen. Bleecks Appell geht auch an Vermieter von Unterkünften. Zudem müsse ein wachsames Auge auf die Personengruppe geworfen werden, meint der Erste Kriminalkommissar.

Nur selten aber werden Täter auf frischer Tat ertappt. Oft ist es dann schwierig, ihnen weitere Aufbrüche nachzuweisen. Deshalb bittet Bleeck Autobesitzer, die einen Aufbruch an ihrem Fahrzeug feststellen, keinesfalls mehr etwas im Wagen anzufassen. „Nur durch eine qualifizierte Spurensicherung und DNA-Abgleiche gelingt es uns, Tätergruppen gerichtsfest zu überführen“, so der Fahnder.

Nur durch eine qualifizierte Spurensicherung und DNA-Abgleiche gelingt es uns, Tätergruppen gerichtsfest zu überführen.

Ralf Bleeck

Erst vor wenigen Tagen wurden im Kreuzviertel wieder vier BMW aufgebrochen. 2016 kam es in Münster zu rund 1500 Diebstählen aus Fahrzeugen, in 88 Fällen wurde das Auto komplett entwendet. Zwei Ermittlungskommissionen der Polizei Münster gelang es im vergangenen Jahr, zwei Tätergruppen zu überführen. Ihnen konnten 230 Delikte nachgewiesen werden.

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