Weihnachtsgottesdienste in den Evangelischen Gemeinden
„Ein offener Stall gegen eine geschlossene Gesellschaft“

Münster -

Die Friedensbotschaft von Weihnachten verglich der stellvertretende Superintendent Uwe Völkel mit den heutigen Heilsversprechen politisch Verantwortlicher. Kritische Töne gab es in vielen Heiligabend-Gottesdiensten der Gemeinden des Evangelischen Kirchenkreises.

Dienstag, 26.12.2017, 18:56 Uhr aktualisiert: 26.12.2017, 19:00 Uhr
Drei kleine Engelchen waren beim Krippenspiel im Familiengottesdienst Heiligabend in der Apostelkirche zu Gast.
Drei kleine Engelchen waren beim Krippenspiel im Familiengottesdienst Heiligabend in der Apostelkirche zu Gast. Foto: Oliver Werner

„Kein Konzept von Macht ist so stark, dass es stärker sein könnte als Gottes Konzept von Liebe und Frieden.“ Das betonte in seiner Predigt im Heiligabendgottesdienst der stellvertretende Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Münster, Uwe Völkel, der die Friedensbotschaft von Weihnachten mit heutigen Heilsversprechen politisch Verantwortlicher konfrontierte.

Diese dienten selten der Allgemeinheit, sondern meistens den Machtinteressen einzelner. Statt Frieden zu bringen, schürten sie Konflikte. Dagegen setze Gott in dem Kind in der Krippe seine Menschwerdung, die den wirklichen Bedürfnissen nach Heil und Versöhnung auf der Spur sei und die zeige: „Wer ohne Respekt vor Andersdenkenden, ohne Blick für Schwächere und ohne einen kritischen Blick auf sich selbst daherkommt, kann dem Frieden nicht dienen.“ Seine Predigt hielt er in einem der fast 200 Gottesdienste, mit denen die 25 evangelischen Kirchengemeinden das Fest der Geburt Jesu begingen, heißt es in einer Pressemitteilung.

Auch Pfarrer Martin Mustroph in der Jakobuskirche vermittelte Weihnachten als Gottes Gegenentwurf zu einer Welt des Krieges und der Gewalt. „Das Lachen eines Kindes gegen den Donner der Kanonen, Windeln gegen Waffen, ein offener Stall gegen eine geschlossene Gesellschaft.“ So reiße Gott die Grenze zwischen Himmel und Erde ein, damit auch unsere Grenzen durchlässig werden, die Grenzen zwischen Einheimischen und Migranten, zwischen den Behausten und den Flüchtenden, zwischen den Frommen und den Zweifelnden, heißt es in der Pressemitteilung des Evangelischen Kirchenkreises.

Maria und ihren Glauben machte Pfarrer Reinhard Witt in der Christvesper der Auferstehungskirche zum Thema. Die ganze armselige Situation, das Kind in einer dreckigen Futterkrippe, habe Maria vertrauend zusammenbringen müssen mit den vorher gegebenen großen Verheißungen. Sie sei bis heute Vorbild darin, gegen die Realität mit ihren vielen Grausamkeiten zu hoffen und Kraft zu schöpfen aus dem weihnachtlichen Versprechen von Frieden auf Erden.

Vielfach waren es Kinder und Jugendliche, die mit Krippenspielen oder thematischen Impulsen in den Weihnachtsgottesdiensten für eine kreative Gestaltung sorgten. So gingen Konfirmanden in der Apostelkirche gemeinsam mit Pfarrer Heinrich Kandzi der symbolischen Bedeutung des Lichtes nach. Im Gedenken an Menschen, denen Wärme oder Liebe fehlt, wurden Kerzen auf dem Altar entzündet und das Weihnachtsevangelium als eine Geschichte von Licht und Finsternis nahegebracht.

Festliche Kirchenmusik prägte in allen Gemeinden das Weihnachtsfest. So gestalteten in der Apostelkirche das Blechbläserensemble unter Leitung von Volker Grundmann gemeinsam mit Kantor Klaus Vetter an der Orgel den festlichen Abendmahlsgottesdienst am ersten Weihnachtstag.

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