Verkaufsoffener Heiligabend
„Wenn auf ist, komme ich“

Münster -

Viele fanden die Regelung unnötig, trotzdem herrschte an den Supermarktkassen reger Betreib – auch weil einige kamen, die das ursprünglich gar nicht wollten.

Dienstag, 26.12.2017, 20:57 Uhr aktualisiert: 27.12.2017, 07:04 Uhr
Im Vorfeld war der verkaufsoffene Sonntag an Heiligabend hitzig diskutiert worden. Als sich die Chance dann bot, kamen aber auch viele Kunden, die die Maßnahme eigentlich abgelehnt hatten.
Im Vorfeld war der verkaufsoffene Sonntag an Heiligabend hitzig diskutiert worden. Als sich die Chance dann bot, kamen aber auch viele Kunden, die die Maßnahme eigentlich abgelehnt hatten. Foto: con

Auf den Straßen ist es an diesem Sonntagmorgen ruhig. Bei einigen Bäckereien stehen die Menschen dagegen schon Schlange vor dem Tresen. Im Rewe-Kaufpark an der Warendorfer Straße herrscht derweil ständiges Kommen und Gehen. Es ist Heiligabend, es ist verkaufsoffen.

Nur Lebens- und Genussmittel verkauft

Einige Kunden schieben volle Einkaufswagen vor sich her, andere machen nur die letzten Besorgungen. Ein Mann, offenbar Vater, kauft Babynahrung, eine Frau trägt eine Brötchentüte, zwei junge Männer schleppen Bierkästen aus dem Supermarkt. Ein Kunde möchte derweil im Eingangsbereich Kaminholz mitnehmen. Doch er hat Pech: Ein Mitarbeiter mit rot-weißer Weihnachtsmütze erinnert ihn daran, dass an diesem Tag laut Gesetz nur Lebens- und Genussmittel verkauft werden dürfen.

Die meisten Läden blieben dich: Einkaufen am Heiligen Abend

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„Es ist der Hammer, wie viel los ist“

Geöffnete Geschäfte an Heiligabend, das war im Vorfeld heiß umstritten. Übrigens auch bei den Kunden, die am Sonntag kommen. Viele gestehen auf Nachfrage, dass sie die Regelung eigentlich boykottieren wollten. Aber: „Es ist der Hammer, wie viel los ist“, sagt eine Dame, der Schinkenwürfel für ihr Wildgulasch fehlen. „Das teure Fleisch, gestern auf dem Wochenmarkt gekauft“ sei zu schade, wenn nun das Rezept nicht glücke.

„Ich finde es nicht gut, habe ein schlechtes Gewissen“, erklärt ein älterer Herr, der noch Schmalz für den Grünkohl braucht: „Keine gute Nummer“ lautet sein Urteil.

Ein Vater lädt einen Waffeleimer aus dem Einkaufswagen, seine Tochter trägt eine Tüte Erdnüsse: „Wir haben eine Kranke zu Hause. Wir mussten unbedingt Zwieback besorgen, da nimmt man immer noch was anderes mit,“ sagt er und ergänzt, dass auch er es „eigentlich doof“ finde, dass die Geschäfte öffnen dürfen.

Eine andere Frau schimpft über die Hysterie, die in den Medien bezüglich der Ladenöffnungszeiten geschürt werde. „Die Angestellten bekommen doch eine Ausgleichszahlung“, urteilt sie. Da sei es ja wohl nicht so schlimm, vier Stunden zu arbeiten.

„Ich finde es nicht gut“

Anders sieht das eine Rentnerin: „Ich finde es nicht gut“, bekennt sie und schiebt ihren Rollator durch die Eingangstür, doch: „Wenn auf ist, komme ich auch.“ Ein Vater mit zwei kleinen Kindern ist froh, dass er noch was besorgen kann: „So musste ich gestern Abend nicht noch los.“

Auch eine Dame mit vollem Einkaufswagen lächelt: „Gestern war ich ganz entspannt, weil ich wusste, ich kann heute noch einkaufen.“ Ein anderer Vater schiebt zügig den Kinderwagen aus dem Supermarkt: „Ich muss auch arbeiten, auch gestern, wann sollte ich sonst einkaufen?“, fragt er und fügt an: „Fragen Sie mich mal, wie ich es finde, dass ich arbeiten muss.“

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