Kritische Töne von Bischof Genn
Weihnachtsbotschaft in einer Welt des Unfriedens

Münster -

Bischof Dr. Felix Genn hat im Weihnachtshochamt eine Parallele zwischen der Geburt Christi im Stall von Bethlehem und der Situation heutiger Flüchtlinge gezogen. Er plädierte dafür, Wege zu finden, damit niemand in Not abgewiesen werden müsse.

Dienstag, 26.12.2017, 19:15 Uhr aktualisiert: 27.12.2017, 07:07 Uhr
Zahlreiche Gläubige feierten auch am 1. Weihnachtstag die Heilige Messe mit Bischof Dr. Felix Genn im Dom.
Zahlreiche Gläubige feierten auch am 1. Weihnachtstag die Heilige Messe mit Bischof Dr. Felix Genn im Dom. Foto: Oliver Werner

Bischof Dr. Felix Genn hat im Weihnachtshochamt am ersten Weihnachtstag im St.-Paulus-Dom betont, dass Christen auch „Unruhestifter“ seien, die sich nicht am bloß Machbaren orientierten und sich nicht mit manchem Modell weltlicher Lebensgestaltung zufrieden gäben. In diesem Zusammenhang kritisierte der Bischof die „verbrauchende Embryonenforschung, wo um eines vermeintlich guten Zweckes willen in Kauf genommen wird, dass andere menschliche Wirklichkeiten zerstört werden“. Der Bischof unterstrich: „Was Jesus uns liefert, ist tatsächlich Gnade und Wahrheit in dem Sinne, dass Gott reine umsonstige Liebe ist, und dass das wahr ist, dass diese Liebe sich nie verbraucht.“

"Ein wahres Ich hat immer Platz für ein Du"

Genn erinnerte laut Mitteilung des Bistrums zudem an das Internationale Weltfriedenstreffen der Gemeinschaft Sant‘ Egidio, das im September in Münster stattgefunden hatte: „Die Begegnung hat uns gezeigt, dass verfeindete Gruppen plötzlich miteinander sprechen können, ohne sich die Köpfe einzuschlagen.“ Bischof Genn: „Wenn die reine, umsonst geschenkte Liebe gilt, ist es der Mühe wert, unablässig für den Frieden zu beten, selbst wenn man den Eindruck hat, dass ein nordkoreanischer Präsident nichts anderes kennt als das bloße Vergnügen an seiner eigenen Macht. Wenn wirklich gilt, dass dieses Heil Gottes, das Jesus in die Welt gebracht hat, allen Menschen gilt, bleibt es für einen Christen unverständlich, nur auf die Größe der eigenen Nation, die Größe des eigenen Ichs und der eigenen Person zu setzen. Ein wahres Ich hat immer Platz für ein Du, ein Gegenüber, Platz für ein Anderes und Fremdes.“

Hinter das Offensichtliche schauen

Ausgehend von der Gebetszeile „Deine Weisheit zeige uns den rechten Weg“ unterstrich der Bischof, dass das Weihnachtsfest eine großartige Möglichkeit biete, hinter das Offensichtliche zu schauen. Denn man könne gut verstehen, dass Menschen sich fragten: „Wie soll ein Kind in einem Stall der Retter der Welt sein?“ Wie Gott sich diesen Zeitpunkt und Ort „am Rand der Weltgeschichte“ ausgesucht habe, um selbst Mensch zu werden und den Menschen nahe zu sein, und wie das Kind in der Krippe daliege und seine Arme ausstrecke, so bedürfe es auch bei den Menschen „des einzelnen konkreten Schrittes, ihn aufzunehmen, um dann mit ihm zu gehen.“

In der nächtlichen Christmette, die der Bischof mit zahlreichen Gläubigen am Heiligen Abend im St.-Paulus-Dom feierte, betonte er laut Mitteilung des Bistums: „Es könnte auch einfach so praktisch zugehen, dass heute kein Kind mehr in einer Krippe geboren werden muss, weil die Eltern keine Herberge finden. Dass also ein Fremder in unserem Land nicht abgewiesen zu werden braucht, weil wir trotz aller Bedenken und Schwierigkeiten noch einen Lösungsweg finden und es schaffen, gerade auch die Fremden zu beherbergen.“ Das Geheimnis von Weihnachten liege darin, dass die Liebe sich bücke, hinkniee und hinabsteige, weil sie als Gott Mensch werde.

Die Botschaft von Weihnachten, unterstrich der Bischof, sei „völlig querliegend“ zu einer Welt und zu dem Wunsch vieler Menschen, Karriere zu machen und möglichst weit auf der Stufenleiter des Erfolgs nach oben zu gelangen.

Die Weihnachtsbotschaft

Die Weihnachtsbotschaft dagegen laute, „dass in dem Kind, das in Windeln gewickelt in einer Krippe liegt, der Retter der Welt geboren wurde.“ Bischof Genn: „In einer Welt, in der es so viel Krieg gibt, so viel Bedrohung, wie wir sie zur Zeit im Gegeneinander der Großmächte, in der Bedrohung durch Nordkorea, in dem unablässig fortdauernden Krieg in Syrien erfahren, verkündet die Weihnachtsbotschaft, dass nicht nur der Tod im Sieg verschlungen ist, sondern der Krieg im Frieden, weil ein Kind geboren wurde.“

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