Sa., 30.12.2017

Interview Klaus Kötterheinrich im Ruhestand: „Mr. Parkhaus“ parkt aus

Klaus Kötterheinrich ist seit 1987 bei der WBI und hat als langjähriger Geschäftsführer des städtischen Unternehmens das Parkhaus-Konzept in der City maßgeblich geprägt.

Klaus Kötterheinrich ist seit 1987 bei der WBI und hat als langjähriger Geschäftsführer des städtischen Unternehmens das Parkhaus-Konzept in der City maßgeblich geprägt. Foto: hpe

Münster - 

Der langjährige Chef der Westfälischen Bauindustrie, Klaus Kötterheinrich, geht in den Ruhestand. Der 65-Jährige hat die Parkraumbewirtschaftung in Münster maßgeblich geprägt, unter seiner Regie wurde in der City neue Parkhäuser gebaut und alte Abstelleinrichtungen modernisiert.

Von Helmut P. Etzkorn

Wer in Münster sein Auto in ein öffentliches Parkhaus lenkt, ist ab Schranke Kunde der Westfälischen Bauindustrie (WBI). Die kommunale Gesellschaft im städtischen Besitz betreibt die acht innerstädtischen Parkhäuser mit insgesamt 3750 Plätzen. Dazu kommt die Bewirtschaftung und Verwaltung von Immobilien beispielsweise an der Stubengasse und im Aaseemarkt. Klaus Kötterheinrich (65), seit 2000 WBI-Geschäftsführer, geht nun in den Ruhestand. Unser Redakteur Helmut P. Etzkorn sprach mit dem Architekten über knappe Stellplätze in einer wachsenden Stadt.

Herr Kötterheinrich, wo parken Sie eigentlich Ihr Auto hier in Münster?

Klaus Kötterheinrich: Gar nicht. Ich wohne mit meiner Familie in Lengerich und komme mit dem Zug. Mit dem Auto würde ich natürlich die Engelstraße ansteuern, denn unsere Verwaltung sitzt direkt in der Etage über dem Parkhaus Engelenschanze.

Wie konnte das denn passieren? Büros über dem Parkhaus?

Kötterheinrich: Wir haben ohnehin nur ein schlankes Team mit 15 Leuten. Deshalb reicht eine Büro-Etage. Wir waren ursprünglich gemeinsam im alten Gebäude der Wohn- und Stadtbau am Aasee untergebracht. Als die Gesellschaft den Umzug zur Steinfurter Straße plante, haben wir uns 2003 für zentrale City-Büros über dem neuen Parkhaus entschieden.

Sie sind seit drei Jahrzehnten bei der WBI, können Sie sich noch an die Anfänge in Münster erinnern?

Kötterheinrich: Na klar. Ich kam 1987 von einem Architekturbüro, hatte vorher mehr mit Schul- und Verwaltungsgebäuden zu tun. Nun ging es um das optimale Abstellen von Fahrzeugen und zunächst den Bau der beiden Bahnhofsparkhäuser. Mein erstes Projekt als verantwortlicher Leiter. Die offenen Stellplätze am sogenannten Gummibahnhof reichten einfach nicht mehr aus. Obwohl es damals die Zertifizierung noch nicht gab, haben wir von Anfang an die Mindestanforderungen der Bauordnung überschritten. Breitere Parkplätze, großzügige Fahrspuren und helle Lichtelemente sollten Parken in Münster bequemer, sicher und damit attraktiv machen. Heute gibt es Kameras, Sprechanlagen sowie eine helle und transparente Struktur. Also eine gute Benutzerfreundlichkeit, und die sichert uns eine hohe Akzeptanz beim Kunden.

Wie ging es dann in Münsters „Parklandschaft“ weiter?

Kötterheinrch: 1991 waren wir am Bahnhof gerade fertig, da machte uns das alte Aegidii-Parkhaus Sorgen. Zusätzliche Aufzüge und breitere Treppen kamen rein. Und wir hatten noch ein Projekt bereits ziemlich perfekt durchgeplant, ehe uns dann die Politik zu meinem Bedauern einen Strich durch die Rechnung machte.

Sie meinen die angedachte Tiefgarage unter dem Ludgeri-Kreisel?

Kötterheinrich: Ja, technisch wäre es möglich gewesen und einen Plan für die Zufahrten hatten wir auch, die Lage war optimal, zumal es damals das Arkaden-Parkhaus nicht gab. Aber damals war die Wiederwahl des Oberbürgermeisters in Gefahr. Die Ratsmehrheit hat die Pläne nach kontroverser Diskussion in der Öffentlichkeit verworfen. Kurz vor dem Ziel war das Projekt tot.

Das hat Sie aber nicht davon abgehalten, weiter Parkhäuser in Münster zu bauen, oder?

Kötterheinrich: Nein, es folgte 2003 das städtebaulich sehr attraktiv gestaltete Parkhaus Engelenschanze, dann 2006 die Arkaden sowie 2009 Stubengasse und Alter Steinweg. Die Palette an der Georgskommende komplettiert heute unsere Parklandschaft. Es gibt ein Leitsystem, man kann E-Autos aufladen, per EC-Karte bezahlen und natürlich sind die Häuser barrierefrei. Wir sind bei vielen Objekten Besitzer, manchmal aber auch Betreiber oder Mieter.

Sie haben auch die Radler in den Fokus genommen. Warum eigentlich?

Kötterheinrich: Wir wollten ein Angebot für die vielen Pendler schaffen, die Münster täglich ansteuern. Schon damals gab es am Bahnhof und weit darüber hinaus ein Fahrrad-Abstellchaos. Darum kam 1999 die Radstation am Bahnhof, bis heute ein Erfolgsmodell. Das Projekt kostete damals viel Überzeugungsarbeit auch in der Politik, aber mit dem ADFC-Profi Georg Hundt als Pächter wurde die Station mit ihrem futuristischen Liftsystem von Anfang an ein Gewinn für alle. Und aktuell sind wir auch eingebunden in die Planungen für die versenkbaren Poller, die Münsters Altstadt bei großen Events vor Amokfahrten schützen sollen. Unsere rund um die Uhr besetzte Leitstelle wird die Geräte steuern.

Braucht die Innenstadt noch weitere Parkhäuser?

Kötterheinrich: Ich glaube nicht. Wir haben aktuell eine hohe Auslastung und sind rentabel. Die WBI erwirtschaftet einen Jahresumsatz von zwölf Millionen Euro und beschert der Stadt einen Gewinn von drei Millionen Euro. An den besten Tagen in der Vorweihnachtszeit kommen wir auf 10 000 Parkvorgänge. Aber diese Top-Auslastung haben wir 2017 an keinem Tag erreicht. Und in Zeiten, wo über City-Fahrverbote und Maut nachgedacht wird, sollte man sich gut überlegen, ob geschätzt 20 Millionen Euro in ein weiteres Innenstadt-Parkhaus eine sinnvolle Investition wären. Denn niemand kommt nur zum Parken nach Münster und Park­häuser leben auch vom florierenden Handel in der City. In Zeiten von Amazon ein schwieriges Geschäft. Würde allerdings der Schloss­platz als Stellfläche für Autos wegfallen, müsste man noch mal neu nachdenken.

Wie parkt den „Mr. Parkhaus“ jetzt aus bei der WBI in Münster?

Kötterheinrich: Ich werden noch einige Monate in Teilzeit die Geschäfte führen, bis der Rat der Stadt über meinen Nachfolger entschieden hat. Und dann sicher ab und zu mal auch eine längere Reise unternehmen.



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