Elektronisches Busticket
Ungewollt Schwarzfahrer mit der Stadtwerke-Pluscard

Münster -

Die elektronische Stadtwerke-Pluscard oder das 90-Minuten-Ticket werden von Busfahrern gern genutzt. Doch das System hat bisweilen Tücken. Joachim Krüsmann aus Roxel stand unversehens als Schwarzfahrer am Pranger.

Freitag, 05.01.2018, 07:00 Uhr aktualisiert: 05.01.2018, 07:24 Uhr
So sollte das elektronische Ticket funktionieren: Die „Pluscard“ vor die Lesegeräte im Bus halten. Wenn der grüne Haken erscheint, gilt die Fahrt als bezahlt verbucht.
So sollte das elektronische Ticket funktionieren: Die „Pluscard“ vor die Lesegeräte im Bus halten. Wenn der grüne Haken erscheint, gilt die Fahrt als bezahlt verbucht. Foto: Stadtwerke

Zwei Euro für eine Busfahrt, statt der normalerweise fälligen 3,10 Euro: Dieses Angebot nutzen aktuell rund 50 000 Münsteraner, die als Stadtwerke-Kunden die elektronische „Pluscard“ besitzen oder das „90-Minuten-Ticket“ gebucht haben.

Auch der Münsteraner Joachim Krüsmann war bis vor kurzem Inhaber einer „Pluscard“, doch jetzt zahle er lieber, wie er sagt, den vollen Preis. Das elektronische System sei ihm „zu unsicher“, seit er Anfang Dezember von einem Kontrolleur im Bus der Linie 1 als Schwarzfahrer ausgemacht worden sei und 60 Euro Strafe habe zahlen müssen.

Ausfälle „nur sehr selten“

Krüsmann beteuert, seine Karte bei Fahrtantritt zwei Mal vor das Lesegerät im Bus gehalten und schließlich das Signal zur Freigabe erhalten zu haben. Der Kontrolleur stellte hingegen fest, dass der Rentner aus Roxel sich nicht eingebucht hatte. Was auch Ergebnis einer späteren Überprüfung durch die Stadtwerke war, wie deren Sprecher Florian Adler sagt.

Adler betont, dass das 2013 eingerichtete System mit den die elektronischen Lesegeräten in den blauen Bussen der innerstädtischen Linien „sehr sicher“ funktioniere, es „nur sehr selten“ Ausfälle gebe. In den Regionalbussen, die auch im Stadtverkehr fahren, gebe es allerdings häufiger Schwierigkeiten, räumt Adler ein. An dem Problem werde gearbeitet.

Nach den Erfahrungen anderer Fahrgäste, wie auch der Verfasserin dieses Textes, fallen die Geräte auch in den Stadtbussen häufiger aus. Die Busfahrer lassen die „Pluscard“-Inhaber, die sich dann nicht einbuchen können, in aller Regel kostenlos mitfahren. Fänden dann Kontrollen statt, würden die Inhaber der elektronischen Tickets keinesfalls als Schwarzfahrer behandelt, stellt Stadtwerke-Sprecher Adler klar.

Sämtliche Lesegeräte in den Bussen, so betont er, würden täglich bei den Stadtwerken überprüft. Das elektronische Ticket-System sei ein großer Erfolg.

E-Ticket

Das elektronische Busfahrticket gibt es bei den Stadtwerken seit knapp fünf Jahren. Wer Kunde der Stadtwerke ist, kann sich im Netz, oder in der Servicestelle „Mobile“ beziehungsweise direkt bei den Stadtwerken am Hafenplatz eine „Pluscard“ ausstellen lassen. Damit kann das Liniennetz bis zu 90 Minuten für jeweils zwei Euro genutzt werden. Nicht-Stadtwerke-Kunden können entsprechend ein 90-Minuten-Ticket buchen. Jede Fahrt wird automatisch vom Konto abgebucht, die Kunden erhalten monatlich eine detaillierte Abrechnung. Die Stadtwerke raten Karten-Inhabern, vorsichtshalber mehrmals die Karten vor die Lesegeräte zu halten, wenn sie unsicher sind, dass ob sie gelesen wurden. Es entstünden ja keine höheren Kosten.

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Hälfte des Bußgelds zurückerstattet

Nicht für Joachim Krüsmann, der sich weiter sehr darüber ärgert, zu Unrecht als Schwarzfahrer bloßgestellt worden zu sein. Die Stadtwerke, so Adler, glaubten ihm, dass er nicht absichtlich schwarz gefahren sei. „Es bleibt aber dabei, dass er nicht bezahlt hat, obwohl die Lesegeräte im Bus funktionierten“, so Adler. Die Stadtwerke wollen dem Roxeler nun immerhin die Hälfte des Bußgeldes zurückerstatten.

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Krüsmann zeigt sich unversöhnlich. Er habe die Sache „abgehakt“, sagt er, kaufe sich nur noch die teureren Papierfahrscheine. Und er fahre seltener mit dem Bus.

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