Räumungsaktion
Stadt transportiert Fahrräder am Hauptbahnhof ab

Münster -

Hunderte Fahrräder stehen vor dem Ausgang des Fahrradparkhauses am Hauptbahnhof, entlang der Glasfront an der Rückseite bis hin zum Bahnhofsvorplatz. Dabei ist der Platz vor dem Parkhauseingang eigentlich Sammelstelle für Feuerwehr und Rettungsdienste, auch bei möglichen Evakuierungen in Notfällen. Jetzt greift die Stadt durch.

Donnerstag, 11.01.2018, 18:15 Uhr
Räumungsaktion: Stadt transportiert Fahrräder am Hauptbahnhof ab
Die entlang des Fahrradparkhauses abgestellten Räder werden am 15. Januar entfernt. Foto: Matthias Ahlke

Das Flatterband entlang dem Bürgersteig am Fahrradparkhaus markiert das Ende eines Ärgernisses. Hier werden am Montag vom städtischen Ordnungsamt die abgestellten Fahrräder abtransportiert. Die Besitzer werden seit einigen Tagen darauf hingewiesen. Der Bürgersteig an der Taxenzufahrt soll dann dauerhaft frei bleiben, erläutert Hendrik Weihermann vom städtischen Ordnungsamt. Der Weg wurde als Flucht- und Rettungsweg ausgewiesen. So ist die Stadt nun befugt, die hier geparkten Räder zu entfernen.

„Alternative Parkmöglichkeit am Ende des Tunnels“ verheißt ein Zettel an der Glasfront des Parkhauses. Dort, hinter dem Ausgang des Hamburger Tunnels auf der Bahnhofsostseite hat die Stadt jetzt zusätzliche Reihen der doppelstöckigen Ständer mit knapp 130 Plätzen aufgestellt.

Nicht genügend Ersatzflächen

Hendrik Weihermann macht sich keine Illusionen, dass diese Alternative das Problem vor dem Bahnhof wirklich lösen wird. „Unsere Ordnungskräfte werden die Fahrräder dort zur Seite stellen“, so Weihermann. Wohin die wild geparkten Drahtesel aber in vertretbare Nähe verfrachtet werden können, damit ihre Besitzer sie wiederfinden, darin sehen auch die Ordnungskräfte mangels genügender Ersatzfläche Probleme. Sollten sich in der Nähe keine Abstellmöglichkeiten finden, werden die Räder zur Fundfahrradstation gebracht.

Fahrräder am Hauptbahnhof werden abtransportiert

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  • Der oftmals zugestellte Bürgersteig am Bahnhofsvorplatz in Münster wird geräumt.

    Foto: kv
  • Die Stadt hat den Bereich als Rettungsweg ausgewiesen.

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  • Flatterbänder umsäumen die Fahrräder, die nicht ordnungsgemäß abgestellt worden sind und am 15. Januar abtransportiert werden.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Auch auf der Freifläche vor dem Metropolis-Hochhaus werden ab Montag Fahrräder abtransportiert.

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  • Doch wo sollen die Fahrräder hin? Die Zwei-Etagen-Fahrradständer im Hamburger Tunnel sind meist belegt.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Hinter dem Ausgang des Hamburger Tunnels auf der Bahnhofsostseite hat die Stadt zusätzliche Reihen mit knapp 130 Plätzen aufgestellt.

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  • Auch auf der Ostseite werden Fahrräder entfernt.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Der Platz wird für die Bauarbeiten benötigt.

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  • Die entfernten Räder werden zur Fundfahrradstation gebracht.

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  • Bis zu 1500 Räder werden nach Angaben der Stadt jeden Monat umgestellt, um blockierte Wege freizuräumen.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Auch den hier abgestellten Leezen rücken die Ordnungskräfte zu Leibe. Ende Januar wird die zur Bremer Straße und Hamburger Straße das Areal begrenzende Mauer abgerissen.

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Parallel zur Aufräumaktion auf dem Bahnhofsvorplatz rücken die Ordnungskräfte auch auf der Ostseite den am Bremer Platz abgestellten Rädern zu Leibe. Ende Januar wird die zur Bremer Straße und Hamburger Straße das Areal begrenzende Mauer abgerissen, Auch die sogenannte Pagode und der Säulengang entlang der Bremer Straße sollen bald abgerissen werden. Geplant war dies bereits im vergangenen Herbst. Die an der Bahnhofs Ostseite tätige Baufirma brauche demnächst auch Gelände für Containerbauten, sagt Richard Michael Halberstadt von der Ordnungspartnerschaft Bahnhof. Die Arbeiten kommen hier langsam in Gang. 

Treffpunkte der Drogenszene fallen weg

Wenn die Bauarbeiten an der Ostseite des Bahnhofs Fahrt aufnehmen, engt sich der Platz für die sich dort versammelnde Drogenszene stark ein. In der Ordnungspartnerschaft Bahnhof gibt es Befürchtungen, dass die Menschen dann in die angrenzenden Wohnstraßen ausweichen. Zwar habe das mit den Arbeiten beauftragte Unternehmen zugesagt, es zu keinem Verdrängungseffekt kommen zu lassen. Klar ist aber auch, dass die jetzigen Treffpunkte der Szene am Bremer Platz mit der Baustelle wegfielen, sagt der in der Partnerschaft aktive CDU-Ratsherr Richard-Michael Halberstadt.

Ein weiteres Problem stellen die vielen Obdachlosen dar, die hinter dem Bahnhof, teils im Tunnel übernachten. Alle Häuser für Obdachlose seien derzeit voll belegt. Halberstadt: Hier muss es unbedingt zusätzliche Angebote geben.

Kommentar: Überfälliger Schritt

Dieser Schritt war überfällig. Schon seit Eröffnung des neuen Bahnhofs hätte der jetzt als Rettungs- und Fluchtweg gekennzeichnete Bürgersteig entlang des Fahrradparkhauses als solcher ausgewiesen werden müssen – damit die Behörden rechtlich befugt sind, die an dieser neuralgischen Stelle abgestellten Fahrräder zu entfernen. So wird die Situation auf der kleinen Bahnhofsvorfahrt etwas entschärft. Fußgänger müssen nicht mehr über die Auto-Fahrspuren laufen.

Solange die Straßenverkehrsordnung es nicht zulässt, im Weg stehende Fahrräder zu entfernen, müssen die Behörden rechtsgültige Möglichkeiten finden, wichtige öffentliche Flächen freizuhalten. Am grundsätzlichen Problem rund um den Bahnhof ändert aber auch diese Maßnahme sowie das regelmäßige „Aufräumen“ des Ordnungsamtes nichts: Es gibt hier viel zu wenige Abstellflächen für Drahtesel. Die neuen Fahrradständer am Tunnelausgang werden den Parkdruck nur wenig mindern.

Karin Völker

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