Breitband-Ausbau in Münster
Glasfaser-Projekt der Stadtwerke gerät ins Stocken

Münster -

Superschnelles Internet wollen die Stadtwerke mit einem eigenen Glasfasernetz in Münster ermöglichen. Doch die Begeisterung der Münsteraner für das 500 MBit/s-Angebot hält sich in Grenzen. Warum die Stadtwerke das Ausbau-Projekt trotzdem noch nicht aufgeben wollen:

Freitag, 12.01.2018, 07:00 Uhr
Detailaufnahme eines Glasfaserkabels: Ob die Stadtwerke am Ausbau eines eigenen Glasfasernetzes für schnelles Internet im Kreuz- und Hansaviertel festhalten, darüber muss der Aufsichtsrat am 20. Februar entscheiden. Das Unternehmen liegt deutlich hinter der selbst gesetzten Anschlussquote zurück.
Detailaufnahme eines Glasfaserkabels: Ob die Stadtwerke am Ausbau eines eigenen Glasfasernetzes für schnelles Internet im Kreuz- und Hansaviertel festhalten, darüber muss der Aufsichtsrat am 20. Februar entscheiden. Das Unternehmen liegt deutlich hinter der selbst gesetzten Anschlussquote zurück. Foto: Stadtwerke

Die Erwartungen waren hoch. Die heimischen Stadtwerke wollten die Datenautobahn in Münster selbst auf Turbo-Geschwindigkeit bringen. Schnelles Internet per Glasfaserkabel direkt ins Haus – in den Pilotgebieten Kreuz- und Hansaviertel sollte das flächendeckend schon ab 2018 Wirklichkeit werden. Voraussetzung: Zehn Prozent der Haushalte in diesen Gebieten sollte sich für das neue Angebot des städtischen Versorgungsunternehmens entscheiden. Doch die Begeisterung hält sich bisher in Grenzen.

Nach Stadtwerke-Angaben haben erst rund fünf Prozent der erreichbaren Haushalte in den beiden Vierteln ihr Interesse am geplanten Hochgeschwindigkeitsinternet bekundet. Das sind knapp 600 Wohnungen. Wie es jetzt mit dem hochtrabenden Glasfaser-Projekt für superschnelles Surfen weitergeht, wird der Stadtwerke-Aufsichtsrat nach Informationen unserer Zeitung in seiner Sitzung am 20. Februar entscheiden. Die bisherigen Interessenten sollen jedenfalls Anfang März Nachricht erhalten, ob das Projekt umgesetzt wird, heißt es in einer entsprechenden Mitteilung an die Haushalte. Bis dahin laufen alle alten Verträge zunächst einmal unverändert weiter.

Ausbau trotz verfehlter Anschlussquote?

Wie aus Unternehmenskreisen zu hören ist, stehen die Chancen indes nicht schlecht, dass die Stadtwerke trotz der verfehlten Anschlussquote das Glasfaserprojekt in den beiden Ausbaugebieten dennoch vorantreiben werden. Schließlich sucht das Unternehmen neue Wachstumsfelder abseits des traditionellen Strom-, Gas- und Wassergeschäfts.

Und es gibt offenbar noch ein wirtschaftliches Argument, dass das Unternehmen vom Hafenplatz an dem Plan festhalten lässt, sofern das Aufsichtsgremium sein Einverständnis gibt: Denn die Erlöse aus dem Glasfasernetz sollen den Stadtwerke-Plänen zufolge nur zu einem Drittel aus dem Endkundengeschäft stammen.

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Nutzungsentgelte von Drittanbietern

Der weitaus größere Teil werde durch Drittanbieter auf dem Internet-Markt erwirtschaftet, die ihre Kunden ebenfalls über das geplante superschnelle Stadtwerke-Glasernetz versorgen könnten und dafür aber ein Nutzungsentgelt zahlen müssten. Aus diesem Grund soll die Rendite immer noch verhältnismäßig gut sein, obwohl das Endkundengeschäft momentan klar hinter den Erwartungen steht.

Bis Ende 2018 wollten die Stadtwerke ursprünglichen Planungen zufolge zehn Millionen Euro in die Hand nehmen. Die Gesamtinvestitionen für den Breitband-Ausbau in Kreuz- und Hansaviertel werden mit 20,3 Millionen Euro beziffert.

Leitung bis in die Häuser

Der Ausbau des eigenen Stadtwerke-Glasfasernetzes ist 2016 auf den Weg gebracht worden. Dabei wollen die Stadtwerke das Glasfaserkabel auf Unternehmenskosten bis in die Häuser legen. In diesem Zuge setzt man am Hafenplatz auf die Erfahrung des Kooperationspartners 1&1 Versatel, deren jetzige Kunden das geplante Stadtwerke-Netz entgeltlich nutzen sollen. Die Stadtwerke sind seit Jahren mit dem Unternehmen geschäftlich verbunden, weil 1 & 1 Versatel das Netz der früheren städtischen Citykom übernommen hat. Die Stadtwerke selbst haben schon seit dem Jahr 2000 Glasfaserkabel in Münster verlegt, die derzeit vermietet sind. Für dem städtischen Versorger ist der Ausbau attraktiv, weil man den Kunden ein zusätzliches Produkt direkt anbieten kann. Vorteil eines Glasfaseranschlusses: Die Datengeschwindigkeit bleibt auch mit steigender Anzahl der Nutzer konstant hoch.

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