Fr., 12.01.2018

Schifffahrtsbranche fühlt benachteiligt Es fehlen 500 Ingenieure für Sanierung und Ausbau

Münster ist für Jens Schwanen vom Bundesverband der Deutschen Binnenschifffahrt eines von aktuell vielen Problemen.

Münster ist für Jens Schwanen vom Bundesverband der Deutschen Binnenschifffahrt eines von aktuell vielen Problemen. Foto: kb

Duisburg/Münster - 

Jens Schwanen ist der Geschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen Binnenschifffahrt mit Sitz in Duisburg – und in dieser Funktion der oberste Lobbyist der Binnenschiffer, die auf den Flüssen und Kanälen unterwegs sind. Probleme wie den schleppenden Ausbau des Dortmund-Ems-Kanals in Münster kennt er zur Genüge. Er nimmt die Politik in die Pflicht.

Von Klaus Baumeister

Das Strecken der Baumaßnahmen ziehe sich quer durch die Republik. „Den Bedarf an einer Sanierung und einem Ausbau des Binnenschifffahrtsnetzes kann man politisch nicht mehr wegdiskutieren“, spricht er Klartext, stößt damit aber nicht immer auf offene Ohren.

Die Lobbyarbeit ist für Schwanen um so dringlicher, als die Binnenschifffahrt über Jahre hinweg das Stiefkind der Verkehrspolitik gewesen sei. Es mangele an „Planbarkeit und Verlässlichkeit“ für die Unternehmen und deren Kunden.

In die Jahre gekommene Schleusen beispielsweise seien an vielen Stellen eine latente Gefahr. Auch sei die Perspektive eines ausgebauten Dortmund-Ems-Kanals in vielleicht acht oder zehn Jahren so vage, dass sich die gewerbliche Binnenschifffahrt darauf aktuell kaum einstellen könne.

Nach Angaben von Jens Schwanen fehlen der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung derzeit bundesweit 500 Ingenieure für die Planung, was zur Folge habe, dass bis zu 200 Millionen Euro Investitionsmittel des Bundes nicht abgerufen werden könnten.

Ärgerlich sei auch, dass ein Projekt wie der Ausbau des Elbe-Lübeck-Kanals, der aus Sicht des Bundesverbandes nicht die höchste Priorität habe, mit Nachdruck von der Politik vorangetrieben werde.

Die entsprechenden Rahmenbedingungen vorausgesetzt, ist Jens Schwanen vom Erfolg des Schifffahrt beim Gütertransport in Deutschland überzeugt. „Die Binnenschifffahrt wird am wachsenden Güterverkehr partizipieren.“ Ein modernes Binnenschiff ersetze im Durchschnitt 150 Lkw, was in Zeiten des Fachkräftemangels noch zu einem zentralen Argument werden könnte.

Stolz verweist der Geschäftsführer auch darauf, dass der Containerverkehr auf dem Rhein boome. Auf den „Nebenwasserstraßen“, so der offizielle Begriff, setze die fehlende Durchfahrtshöhe verschiedener Brücken einer Ausdehnung aber enge Grenzen.

Traditionell stark ist die Binnenschifffahrt beim Transport von Chemikalien, Holz, Kohle, Baustoffen, Steinen, Getreide, Futtermittel, Abfällen und Biomasse, ferner auch bei schweren, sperrigen Teilen wie Turbinen oder den Bauteilen der Windräder.

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