Obdachlose
Übernachtung auf dem Fußweg

Münster -

Die Zahl der Obdachlosen in Münster wächst. Rund um den Bahnhof übernachten Menschen auch jetzt im Winter auf der Straße.

Donnerstag, 18.01.2018, 09:00 Uhr
Ein Obdachloser, der regelmäßig rund um den Bahnhof campiert.  
Ein Obdachloser, der regelmäßig rund um den Bahnhof campiert.   Foto: Oliver Werner

Der kleine Mann mit seinem Hund gehört in diesem Winter schon beinahe zum Inventar der Bahnhofsgegend.

Nachts, und bisweilen auch tagsüber, schläft er inmitten seiner Habseligkeiten im Hamburger Tunnel, meist direkt auf dem Fußgängerweg.

Schlafplatz zwischen Fahrradständern

Andere Wohnungslose übernachten zwischen den Fahrradständern im Tunnel. Die Mitarbeiter des Ordnungsamtes, die hier Streife gehen, kennen die Männer.

"Wir bitten sie morgens, den Platz zu räumen", sagt Henrik Weihermann, Abteilungsleiter im Ordnungsamt. Schon damit die Abfallwirtschaftsbetriebe den Tunnel reinigen könnten.

Mehr Obdachlose im Winter

Auch bei einer Anwohnerversammlung zu den Bauarbeiten an der Banhofsostseite in dieser Woche war die gefühlt gestiegene Zahl Obdachloser in der Gegend Thema.

Heinz Lembeck, Abteilungsleiter im Sozialamt bestätigt das.

Im Winter haben wir immer eine größere Zahl Wohnungsloser in Münster.

Heinz Lembeck

Abgesehen davon steige ihre Zahl von Jahr zu Jahr. Viele seien Zuwanderer, hauptsächlich aus Osteuropa.

Keine offiziellen Zahlen

Wie viele es aktuell sind, darüber gibt es keine offiziellen Zahlen. Nur so viel: Die Einrichtungen für Obdachlose in der Stadt sind allesamt voll.

"Wir brauchen dringend zusätzliche Einrichtungen, vor allem im Umfeld des Bahnhofs", sagt CDU-Ratsherr und Sozialpolitiker Richard-Michael Halberstadt.

Container stehen nur im Winter

Gut 160 Schlafplätze hält die Stadt derzeit für alleinstehende Wohnungslose bereit, 80 im Haus der Wohnungslosen an der "kleinen" Bahnhofstraße, 48 im ehemaligen HUK-Gebäude an der Ecke Hafenstraße, 20 in Containern, die am Albersloher Weg hinter dem Jovel aufgestellt wurden.

Sie werden Ende März wieder abgebaut, stehen nur für den Winter zur Verfügung. 14 Plätze stehen für Frauen im Gertrudenhaus des Sozialdienstes katholischer Frauen (SKF) bereit.

Niemand wird weggeschickt

Obwohl die Plätze belegt sind, werde niemand, der ein Obdach suche, weggeschickt, betont Heinz Lembeck.

Wir legen dann Matratzen auf Fluren und in Gemeinschaftsräumen aus.

Heinz Lembeck

Manchen lehnen das Angebot ab

Und die Männer, die trotzdem draußen übernachten? Manche lehnten das Angebote einer Unterkunft ab, sagt Heinz Lembeck, "sie ziehen es vor, draußen zu bleiben."

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