Sturmfolgen in Münster
Stillstand nach „Friederike“

Münster -

Die Nerven lagen am Tag nach „Friederike“ bei vielen blank: Lange Autoschlangen schoben sich in Münster durch die Straßen. Viele Züge fielen aus. Ein Blick auf die Verkehrslage in der Stadt.

Freitag, 19.01.2018, 21:00 Uhr
Die Trümmer des zerstörten Dachs des Bahngebäudes lösten im Straßenverkehr eine Kettenreaktion aus. Viele Autofahrer standen aufgrund der gesperrten Hafenstraße auf den Ausweichrouten in langen Schlangen.
Die Trümmer des zerstörten Dachs des Bahngebäudes lösten im Straßenverkehr eine Kettenreaktion aus. Viele Autofahrer standen aufgrund der gesperrten Hafenstraße auf den Ausweichrouten in langen Schlangen. Foto: Matthias Ahlke

Der Fahrer des Kleinwagens mit Bochumer Kennzeichen wollte es am Freitagmorgen einfach nicht akzeptieren. Straßenabsperrungen auf der Hafenstraße hin oder her, er bog von der Friedrich-Ebert-Straße aus mit aufheulendem Motor ab Richtung Gleis-Unterführungen – um wenige Meter weiter vor den nächsten Absperrungen zu landen.

Staus rund um den Bahnhof

Die Nerven lagen am Tag nach „Friederike“ bei vielen blank, die mit Auto, Bus oder Zug in Münster unterwegs waren. Pendlerin Sonja Rinke, deren Arbeitsplatz in Bahnhofsnähe liegt, stieg mangels Zugverbindung aufs Auto um – und stand allein auf dem Albersloher Weg vor der Kreuzung Hafenstraße eine geschlagene halbe Stunde. Auf der Bremer Straße wurde es nicht besser. Hier quälten sich den ganzen Tag über in beide Richtungen Blechschlangen.

Busfahrer im Urlaub springen ein

Darunter auch die Stadtbusse der Linien 6, 8, 17, 33 und 34, die das Nadelöhr Hafenstraße umfahren mussten. „Hilft ja nichts“, sagt ein Stadtwerke-Busfahrer vor dem Bahnhof, der zuvor die Linie 8 gesteuert hatte. Schon am Vortrag hatte ihm „Friederike“ eineinhalb Stunden zusätzliche Arbeitszeit eingebracht. Florian Adler, Sprecher der Stadtwerke, freut sich am Freitag über die große Einsatzbereitschaft der Busfahrer. „Viele, die eigentlich frei hatten, sind nach dem Sturm eingesprungen, auch Mitarbeiter in der Verwaltung, die einen Busführerschein haben“, erzählt Adler und dankt auch den Fahrgästen für die Geduld.

DB-Mitarbeiter umringt von Menschen

Gelassenheit und Galgenhumor beherrschen die Stimmung auch am Hauptbahnhof, wo am Freitag die Anzeigetafel in der Halle und auf den Bahnsteigen wenig Anlass zur Hoffnung geben. Bis kurz vor Mittag beweist allein die Regionalbahn 67 nach Warendorf, dass es sich hier um einen Bahnhof handelt.

Wer nach Rheine will, kann immerhin einen Ersatzbus besteigen. Für alle, die weiter weg wollen, wie die Frauen-Gruppe, die einen Wochenendtrip nach Bonn geplant hat, heißt es vorerst warten. Zunächst auf einen Taxigutschein der Bahn: Ein DB-Mitarbeiter in der Bahnhofshalle, umringt von einer dichten Traube von mit Rollkoffern bewehrten Menschen, verteilt die Tickets für eine Taxifahrt etwa nach Dortmund. Von dort aus, so die Losung, verkehrten auch Fernzüge.

Der Tag nach Sturm „Friederike“ in Münster

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  • Am Tag nach Sturmtief „Friederike“ werden in Münster viele Schäden beseitigt.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Glück im Unglück hatte die Martin-Luther-Schule im Kreuzviertel.

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  • Eine Kastanie vor der Schule ist auf das Schulgebäude gestürzt.

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  • Der 25 Meter hohe Baum kippte auf das Schulgebäude, durchschlug ein Fenster und beschädigte das Dach.

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  • Schulleiterin Marion Schmitz-Matschke sprach von einer „glücklichen Fügung, dass niemand verletzt wurde.“

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  • „Alle Kinder waren zu dieser Zeit im offenen Ganztag im Parterre“, berichtet die Schulleiterin.

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  • Am Hauptbahnhof kümmerten sich Arbeiter am Freitag um das heruntergerissene Dach eines Bahngebäudes.

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  • Die Bahn setzte einen Arbeitszug ein.

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  • Wegen der Aufräumarbeiten...

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  • ...wurde die Hafenstraße im Bereich der Bahnunterführung gesperrt.

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  • Die Sperrung führte den ganzen Tag...

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  • ...zu erheblichen Behinderungen im Verkehr.

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  • Die Bremer Straße wurde zum Nadelöhr, es entstanden lange Staus.

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  • Am Hauptbahnhof fielen am Freitag...

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  • ...noch viele Züge aus.

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  • Am Hauptbahnhof mussten sich viele Reisende nach Alternativen umsehen.

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  • Auch der Pendelverkehr ins Münsterland war am Morgen stark eingeschränkt.

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  • Auch der Busverkehr war am Freitag noch eingeschränkt. Am Morgen kam es zu erheblichen Verspätungen.

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  • Für die Strecke nach Rheine wurde ein Ersatzverkehr mit Bussen eingerichtet.

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  • An der Von-Steuben-Straße warteten Dutzende auf die Ersatzbusse.

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Ein Zeichen der Hoffnung

Schwierig, den Überblick zu behalten, das geben am Freitag auch die Mitarbeiter der Bahnpressestelle in Düsseldorf zu. Welche Züge schon wieder fahren, welche nicht, wo noch Bäume auf den Gleisen liegen und wo Oberleitungen zerfetzt sind. Oder eben, wann endlich das herabgewehte Dach von den Gleisen über der Hafenstraße entfernt sein wird.

Immerhin – für jedermann sichtbar – wird dort am frühen Nachmittag ein Kran aufgebaut, um die Trümmer wegzuräumen. Ein Zeichen der Hoffnung. In der Nacht zu Samstag soll nach Auskunft der Polizei zumindest eine Spur eventuell wieder freigegeben werden.

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