Schoneberg-Konzert
Inspirierend und atemberaubend

Münster -

Mehr von solchen Künstlern, so mitreißenden, so inspirierenden, so atemberaubend spielenden. Ksenija Sidorova und Avi Avital schäumte brandender Beifall entgegen, als das Publikum sie am Freitag beim Schoneberg-Konzert verabschiedete. Die beiden jungen Interpreten hatten die Zuhörer elektrisiert – und im Nu das Klischee vom „Volkstümelnden“ ihrer Instrumente widerlegt. Denn Mandoline und Akkordeon stehen (zu) oft noch in einer Folklore-Ecke, die vom Klassik-Kenner belächelt wird.

Sonntag, 21.01.2018, 17:54 Uhr aktualisiert: 23.01.2018, 18:42 Uhr
Avi Avital  gastierte mit Ksenija Sidorova beim jüngsten Schoneberg-Konzert.
Avi Avital  gastierte mit Ksenija Sidorova beim jüngsten Schoneberg-Konzert. Foto: Uwe Arens

Nein, was an diesem Abend zu erleben war, hatte höchstes Niveau, angefangen vom spätbarocken Geist atmenden „Präludium und Allegro“ von Fritz Kreisler bis hin zu Igor Strawinskys „Suite Italienne“. Natürlich greifen Sidorova und Avital auf Bearbeitungen zurück. Originalkompositionen für ihre Instrumentenkombination sind rar. Aber solche Adaptionen funktionieren. Besonders dort, wo – wie bei Strawinsky – oft das Rhythmische im Vordergrund steht. Da passt die repetitive Klangerzeugung auf den Saiten der Mandoline sehr gut; die Gestaltung von Melodien wie etwa in Rachmaninoffs „Vocalise“ trägt dann aber schon einen eigenen Charakter, ebenso wie die Version von Mozarts berühmter Violinsonate Nr. 21: Bekanntes in neuem Klanggewand.

Das Duo auf dem Podium versteht sich vortrefflich, spielt sich in Mozart die thematischen Bälle nahtlos zu, atmet stets gemeinsam, immer, wenn es um kleine agogische Nuancen geht. Auch die Klangstärke ist gut ausbalanciert (Avi Avital spielt mit behutsamer Mikrofon-Verstärkung).

Natürlich präsentierten sich die Interpreten auch mit Soli: das Akkordeon mit farbenreichen und stimmungsvollen Herbstszenen des Russen Anatoli Kusiakov, die Mandoline mit Bachs „Chaconne“, einem Hochamt der Geiger. Aber Bach geht im Grunde auf fast jedem In-strument, für das seine Werke gar nicht gedacht sind. Vom Alphorn vielleicht einmal abgesehen. Insofern oblag es Avi Avital, an Bachs filigranem Gewebe zu wirken. Und er tat es mit überzeugendem Erfolg. Zum Schluss dann doch noch ein kleiner Ausflug in folkloristische Sphären: Der Russe Nikolai Budashkin wird sich bei den bodenständigen Vertretern seiner Landsleute umgehört und anschließend sein „Concerto“ geschrieben haben. Urplötzlich fühlte man sich ans Schwarze Meer versetzt, um den sogenannten „einfachen Leuten“ zu lauschen. Warum nicht? Wenn es so spritzig und pfiffig herüberkommt wie an diesem Abend, macht das richtig Spaß. Und den hatten nach diesem Programm wirklich alle.

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