Närrische Verhandlung vor dem jecken Tennengericht
In die Freiheit gesungen

Münster -

Opernsänger Ricardo Marinello begeisterte beim Tennengericht der KG Paohlbürger und wurde wegen der guten Stimme nach jecker Gerichtsverhandlung ebenso wie seine Mitangeklagten Kay Scheffel, Werner Schulze-Erdel und Ulrich Schambert freigesprochen.

Sonntag, 21.01.2018, 20:00 Uhr aktualisiert: 21.01.2018, 21:02 Uhr
Vier Angeklagte und ein kleiner „Schulli“ vor dem Paohlbürger-Tennengericht ( v.l.): Opernsänger und RTL-Supertalent Ricardo Marinello, Landgerichtspräsident Ulrich Schambert, Moderator Werner Schulze-Erdel und Bauchredner Kay Scheffel mit seiner Kultfigur, dem SPD-Chef am langen Arm.
Vier Angeklagte und ein kleiner „Schulli“ vor dem Paohlbürger-Tennengericht ( v.l.): Opernsänger und RTL-Supertalent Ricardo Marinello, Landgerichtspräsident Ulrich Schambert, Moderator Werner Schulze-Erdel und Bauchredner Kay Scheffel mit seiner Kultfigur, dem SPD-Chef am langen Arm. Foto: hpe

Wer als reumütiger Angeklagter vor dem Richter steht und singt, kann auf ein milderes Urteil hoffen. Was im wahren Justizleben hilft, rettet auch vor dem Karnevals-Kerker: Beim närrischen Tennengericht der KG Paohlbürger am Sonntag waren mehr oder minder geölte Stimmbänder der Angeklagten Garanten für einen Freispruch.

Besonders überzeugend präsentierte sich der Opernsänger und frühere RTL-Supertalent-Sieger Ricardo Marinello, vorgeladen als „Zweitausgabe von Pavarotti mit sizilianischen Seeräubern als mafiöse Vorfahren“, so Ankläger und Staatsanwalt Armin Halle. Weil Marinello sich laut Verteidiger Hermann Beckfeld allerdings „von den Niederungen der Flachmusik“ deutlich abhebe und einfach nur ein „charmanter Künstler mit großer Stimme“ sei, wurden dem Tenor die Handschellen schnell aufgeschlossen.

Marinello revanchierte sich mit Volksliedern aus seiner italienischen Heimat und brillierte mit „Funiculi, Funicula“. Vielleicht die beste Stimme, die jemals auf der jecken Anklagebank im Paohl­bürgerhof saß.

Komiker Kay Scheffel, der gern auch als „Pionier der Bauchredner“ bezeichnet wird, hatte passend zu den aktuellen politischen Ereignissen den „SPD-Chef am langen Arm“ dabei. Martin Schulz, der bei Scheffel als „Schulli“ eine zweite Bühnenkarriere macht, lächelte optimistisch in den Saal. „Nach den Sondierungsgesprächen gehört sein Rückgrat ja auch eher zu den Weichteilen“, meint Armin Halle über Schulz.

Für seinen jahrzehntelangen Einsatz beim Paohlbürger-Tennengericht wurde Halle, der früher Sat1-Chefmoderator war, am Sonntag mit dem Goldorden des Bundes Deutscher Karneval ausgezeichnet. Kay Scheffel bekam zwar keinen Ehrenorden, brachte dafür aber sein Publikum zum Lachen und zitierte sein großes Vorbild Heinz Erhardt: „Täglich Humor zu verbreiten, macht mich glücklich!“ Wohl auch deshalb war der Freispruch nach einer Gesangseinlage programmiert.

Tennengericht der KG Paohlbürger

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  • Vier Angeklagte und ein kleiner „Schulli“ standen vor dem Tennengericht der Paohlbürger. Foto: hpe
  • Vier Angeklagte und ein kleiner „Schulli“ standen vor dem Tennengericht der Paohlbürger. Foto: hpe
  • Vier Angeklagte und ein kleiner „Schulli“ standen vor dem Tennengericht der Paohlbürger. Foto: hpe
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  • Vier Angeklagte und ein kleiner „Schulli“ standen vor dem Tennengericht der Paohlbürger. Foto: hpe
  • Vier Angeklagte und ein kleiner „Schulli“ standen vor dem Tennengericht der Paohlbürger. Foto: hpe
  • Vier Angeklagte und ein kleiner „Schulli“ standen vor dem Tennengericht der Paohlbürger. Foto: hpe
  • Vier Angeklagte und ein kleiner „Schulli“ standen vor dem Tennengericht der Paohlbürger. Foto: hpe
  • Vier Angeklagte und ein kleiner „Schulli“ standen vor dem Tennengericht der Paohlbürger. Foto: hpe

Moderator Werner Schulze-Erdel verglich das Dreigestirn am Richtertisch zwar mit einer „Muppetshow“, lobte aber die „tolle Unterhaltungsshow“. „Ich hätte viel früher kommen sollen“, meinte Schulze-Erdel, der mit der RTL-Gameshow „Familien-Duell“ Erfolge hatte.

Und weil Münster neben vielen weltlichen und kirchlichen Gerichten auch noch den Paohlbürger-Kadi vorweisen kann, ist zumindest für Landgerichts-Präsident Ulrich Schambert die Westfalenmetropole auch „NRW-Rechtshauptstadt“ vor Köln und Düsseldorf. Der leidenschaftliche Sänger überraschte die Paohlbürger mit dem Schalke-Lied. Freispruch!

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