Neujahresempfang des UKM
Zu wenig Platz am Uniklinikum

Münster -

Moderatorin Anja Wengenroth versprach den rund 300 Gästen beim Neujahresempfang des Universitätsklinikums Münster (UKM) „Klartext“ – und dabei nahm der Ärztliche Direktor und Vorstandsvorsitzende des UKM, Prof. Dr. Robert Nitsch, im Kleinen Haus des Theaters kein Blatt vor den Mund.

Dienstag, 23.01.2018, 06:22 Uhr aktualisiert: 23.01.2018, 09:08 Uhr
Die Sanierung der Bettentürme am Uniklinikum Münster ist nur ein Baustein in einer Reihe von Modernisierungen. Das UKM sollen wachsen, aber die Mittel halten damit nicht Schritt. Die Leitung des UKM erwartet das finanzielle Engagement des Landes NRW.
Die Sanierung der Bettentürme am Uniklinikum Münster ist nur ein Baustein in einer Reihe von Modernisierungen. Das UKM sollen wachsen, aber die Mittel halten damit nicht Schritt. Die Leitung des UKM erwartet das finanzielle Engagement des Landes NRW. Foto: Oliver Werner

Nitsch hat den Chefposten am Klinikum, mit seinen 10 .500 Mitarbeitern größter Arbeitgeber der Region, im vergangenen Jahr angetreten – und seine Bestandsaufnahme war eindeutig. Die Quintessenz: Am UKM werde hervorragende Arbeit geleistet, doch die dafür nötige Infrastruktur mache es künftig unmöglich, diese Spitzenleistung weiterhin zu gewährleisten. Als Indiz dafür nannte Nitsch die Schließung einer Station im UKM.

„Im Jahr 2017 sind wir an die Grenze unseres baulichen Korsetts gestoßen“, so Nitsch. Die Arbeit am UKM laufe in einem infrastrukturellen Teufelkreis und viele der hochengagierten Mitarbeiter fragten sich: „Ist das der richtige Ort, wo man arbeiten sollte?“

Ärztlicher Direktor mahnt Landesmittel an

Nitsch erinnerte die Landesregierung in seiner Rede daran, dass das Klinikum seine Hausaufgaben gemacht und einen Entwicklungsplan vorgelegt habe. Nun sei das Land am Zug. „Wir brauchen einen Pakt mit der Landesregierung, um den Anspruch unserer Mitarbeiter erfüllen zu können“, betonte der Ärztliche Direktor. In einem früheren Interview mit unserer Zeitung hatte Nitsch die Kosten dafür auf rund 400 Millionen Euro beziffert.

Robert Nitsch liest, wie er erwähnte, sämtliche Beschwerdebriefe von Patienten selbst. Der Tenor sei immer derselbe: Lob für medizinische Leistung und Pflege, aber Kritik für räumliche Ausstattung und Unterbringung. Die nun startende Ausbau- und Modernisierungsphase hat Nitsch für die nächsten zehn Jahre terminiert. Die zentralen Aufgaben: die Errichtung eines neuen operativen Zentrums, die Innensanierung der Bettentürme mit den Patientenstationen und der Neubau eines Verwaltungsgebäudes.

Erfolge der Forschung

Das UKM, Krankenhaus der Maximalversorgung mit einem Einzugsgebiet für acht Millionen Menschen, sieht seine Verantwortung stark in der Sicherung der medizinischen Versorgung im ländlichen Raum. Durch die Übernahme und Beteiligung an Krankenhäusern in der Region und dem Ausbau der Telemedizin leiste das Klinikum hier eine fundamentale Aufgabe. Dabei gelinge es der mit dem UKM eng verzahnten medizinischen Fakultät der Universität, „Erkenntnisse der Grundlagenforschung, ans Patientenbett zu bringen“.

Der Dekan der Fakultät, Prof. Dr. Mathias Herrmann, brauchte einiges an Redezeit, um die vielen Erfolge der Forschung zu würdigen. Die Verzahnung von Forschung, Lehre und Behandlung, das sei Anspruch für alle am Klinikum und der Fakultät arbeitenden Menschen. Die Erkenntnisse der Forschung will das UKM noch stärker in die Gesellschaft tragen, und dem Trend „reaktionärer politischer Kräfte“, entgegenwirken, die die Wissenschaft verunglimpften, so Herrmann. Am 7. September lädt das UKM erstmals zu einer „Langen Nacht der Wissenschaft“ ein. 

Kommentar: Ausbau muss Schritt halten

Das Uniklinikum expandiert – bei der Krankenversorgung, in der Forschung und bei der Zahl der Beschäftigten. Vor etlichen Jahren in den roten Zahlen, wirtschaftet das UKM als größter Arbeitgeber der Region stabil im Plus. Damit das UKM seiner Rolle als überregionales Zentrum der Spitzenmedizin gerecht werden kann, müssen Modernisierung und Ausbau voran­getrieben werden. Immerhin die Fassadenerneuerung der Bettentürme ist endlich in Gang gekommen. Weitere Projekte sind in Planung und Umsetzung. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass die Aufenthaltsqualität für stationäre Patienten im UKM mit manchen anderen Krankenhäusern nicht mithalten kann. Wer Hightech-Medizin anbietet, benötigt auch Krankenzimmer, die den mittlerweile weitgehend selbstverständlichen Komfort von Sanitäreinrichtungen bieten. Nicht zuletzt geht es auch um die buchstäb­lichen Arbeitsplätze für die wachsende Zahl der benötigten Fachkräfte. ­Attraktive Arbeitgeber müssen auch hier punkten.

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