Einsturzgefahr bei Hotelabriss
Straßensperrung am Hauptbahnhof Münster verlängert

Münster -

(Aktualisiert 26.1.) Einsturzgefahr am früheren Mercure-Hotel: Die Abrissarbeiten in der Nähe des Hauptbahnhofs von Münster sorgen für erhebliche Verkehrsprobleme. Die Sperrung der Hauptverbindung zwischen Ludgeriplatz und Hauptbahnhof dauert länger als geplant.

Freitag, 26.01.2018, 14:18 Uhr aktualisiert: 26.01.2018, 14:23 Uhr
Sperrung Herwarthstraße
Die Abrissarbeiten am ehemaligen Mercure-Hotel schreiten voran. Die Herwarthstraße bleibt dennoch bis voraussichtlich Samstagvormittag gesperrt. Foto: Karin Völker

Aktualisierung: Die Abbrucharbeiten am Hotel in der Herwarthstraße dauern länger als erwartet, teilt die Stadtverwaltung am Freitag mit. Damit die Straßensperrung so schnell wie möglich beendet werden könne, werde in der kommenden Nacht durchgearbeitet. Voraussichtlich könne die Herwarthstraße, die Hauptverbindung zwischen Ludgeriplatz und Hauptbahnhof, am Samstagvormittag (27.1.) wieder für den Verkehr freigegeben werden.


 

Die Mauer muss weg – aber bitte kontrolliert mit dem Bagger und nicht, indem sie plötzlich einstürzt. Der Abriss der letzten Reste des ehemaligen Mercure-Hotels an der Engelstraße/ Herwarthstraße sorgte am Donnerstagmorgen wegen plötzlicher Einsturzgefahr für Sperrungen und lange Staus zwischen Ludgeri­kreisel, Hauptbahnhof und Iduna-Hochhaus.

Noch bis mindestens Freitagnachmittag wird der Verkehr dort ins Stocken geraten, weil die  Herwarthstraße in beiden Richtungen gesperrt ist und die Engelstraße in Höhe der Großbaustelle nur einspurig befahren werden darf. Ebenso die Schorlemerstraße.  Von der Von-Steuben-Straße kann man nicht auf die Herwarthstraße abbiegen.

Seit Wochen wühlen sich die Bagger durch das ehe­malige Hotel, das Platz für ein Atlantic-Hotel mit über 220 Betten machen soll. Die Zech Group GmbH investiert Millionen in das zukünftige Vier-Sterne-Haus, das im Herbst 2019 eröffnen soll.

Vom alten Mercure-Hotel ist neben einem Rest an der Achtermannstraße vor allem die sechsgeschossige Fassade gegenüber dem Parkhaus Engelstraße übriggeblieben. Über die Standsicherheit der letzten Front gibt es unterschiedliche Auffassungen.

Hotel-Abriss führt zu Straßensperrungen

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  • Abriss mit Folgen: Wegen Einsturzgefahr wurden am Donnerstagmorgen die Straßen rund um das ehemalige Hotel Mercure gesperrt.

    Foto: Oliver Werner
  • Beim Abriss des Mercure-Hotels in Münsters Bahnhofsviertel hat das Bauordnungsamt die Baustelle stillgelegt.

    Foto: Jan Hullmann
  • Die Straßen an der Baustelle (hier Engelstraße) wurden am Freitagmorgen gesperrt.

    Foto: Jan Hullmann
  • Kein Durchkommen: Die Herwarthstraße ist an dem ehemaligen Hotel bis voraussichtlich Freitagabend dicht.

    Foto: Oliver Werner
  • Der Hauptweg vom Westen zum Hauptbahnhof ist damit versperrt. Es entwickelten sich lange Staus.

    Foto: Jan Hullmann
  • Schuld an der Sperrung: Es bestehen Zweifel an der Standfestigkeit der Restfassade des Mercure-Hotels.

    Foto: Jan Hullmann
  • Mit zwei Baggern werden jetzt vorrangig die oberen Stockwerke abgetragen.

    Foto: Oliver Werner
  • Für die Sicherheit aller Passanten und Verkehrsteilnehmer musste die Herwarthstraße in beide Richtungen gesperrt werden.

    Foto: Oliver Werner
  • Die obersten drei Stockwerke werden von oben abgetragen.

    Foto: Ralf Repöhler
  • Zum Schutz hängt eine große Plane vor der Fassade.

    Foto: Ralf Repöhler
  • Auf der Engelstraße staute sich der Verkehr.

    Foto: Ralf Repöhler
  • Zwischen Ludgeriplatz und Hauptbahnhof führten die Sperrungen zu enormen Verkehrsproblemen.

    Foto: Ralf Repöhler
  • Der Abrissbagger knabbert an der instabilen Fassade.

    Foto: Oliver Werner
  • An der Stelle des ehemaligen Mercure-Hotels soll ein siebengeschossiges Atlantic-Hotel entstehen.

    Foto: Oliver Werner
  • Die Engelstraße war ab Vormittag wieder einspurig befahrbar.

    Foto: Oliver Werner
  • Dennoch bildete sich ein langer Rückstau.

    Foto: Oliver Werner
  • Die obersten drei der sechs Geschosse sollen jetzt bevorzugt abgetragen werden.

    Foto: Oliver Werner
  • Auf der Engelstraße brauchen Autofahrer viel Geduld.

    Foto: Oliver Werner
  • Auch auf der Straße Engelenschanze knubbelt es sich.

    Foto: Oliver Werner
  • Von der Achtermannstraße (rechts im Bild) kann man wieder auf die Herwarthstraße abbiegen.

    Foto: Oliver Werner
  • Busse nutzten die Von-Steuben-Straße als Umleitung für die gesperrte Herwarthstraße.

    Foto: Oliver Werner

Experten des städtischen Bauordnungsamtes stellten am Mittwoch vor Ort fest, dass die Fassade instabil sei. Wie die Verwaltung mitteilt, habe das Bauordnungsamt daraufhin die Abbrucharbeiten an dem Bauteil untersagt und gleichzeitig verfügt, dass lose Fassaden- und Fensterteile entfernt werden müssten. Die Verwaltung sah offensichtlich die Gefahr, dass Bauteile auf die vielbefahrene Herwarthstraße stürzen könnten. Eine Busspur führt direkt an der wackeligen Fassade vorbei. Das Abbruchunternehmen wurde beauftragt, die Baustelle durch einen Sachverständigen begutachten zu lassen.

Die Stadt teilt mit, dass dessen Rückmeldung das Bauordnungsamt am Mittwoch erst zu später Stunde erreicht habe. Ein Sprecher der Zech-Group sagt, dass der beauftragte Statiker die Standfähigkeit der restlichen Fassade bescheinigt habe. In dem Schreiben heißt es laut einer Sprecherin der Stadt, dass die oberen Geschossdecken noch bis Freitag zurückzubauen seien, damit die Standsicherheit des Bestandes gewährleistet werden könne. „Das heißt: nicht standsicher. Deshalb hat unser Bauordnungsamt gesagt: Sicherheit zuerst“, erläutert die Sprecherin.

Vom Büro zum Hotel

Wechselvolle Zeiten hat der Gebäudekomplex an der Herwarthstraße schon erlebt. Ursprünglich war das Gebäude Anfang der 1960er Jahre als Verwaltungssitz für die VEW errichtet worden. 25 Jahre später kamen die Pläne der Dorint-Hotelgesellschaft auf den Tisch. Auch das ehemalige Bayer-Haus an der Engelstraße wurde in das damalige 25-Millionen-D-Mark-Projekt einbezogen. Beide Häuser wurden teilweise entkernt und als Hotel neu aufgebaut. Im Jahr 1990 erfolgte die Eröffnung des Hotelkomplexes mit 158 Zimmern. Im Jahr 2000 stieg das Haus in die Vier-Sterne-Liga der Hotels auf. Im Jahr 2004 erfolgte der Wechsel zu Mercure. (-gh-)

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Die Stadt sorgte dann allerdings erst am Donnerstag ab 9 Uhr für zunächst umfangreiche Straßensperrungen rund um das ehemalige Mercure-Hotel. „Das ist eine reine Vorsichtsmaßnahme“, relativierte ein Mitarbeiter vor Ort. Zuvor indes rollte der Berufsverkehr, darunter zahlreiche Buslinien, an der Abbruch-Baustelle vorbei.

„Das von uns beauftragte Rückbauunternehmen wollte die Straßen wegen der Abbrucharbeiten schon vorher sperren lassen“, sagt der Zech-Sprecher. Die zuständigen Stellen hätten das abgelehnt, betont er. Die Stadt erwidert, dass ein solcher Antrag nicht schriftlich vorgelegen habe.

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Der Abrissbagger trägt seit dem Vormittag möglichst behutsam die drei oberen Stockwerke der steilen Hotelfassade ab. Wenn die am Boden sind, gewinnt die Wand wieder Stabilität.


Kommentar

Skandalös

Passiert ist nichts –  das ist die gute Nachricht. Mehr Gutes gibt es rund um den Abriss des alten Mercure-Hotels nicht zu sagen. Der Vorgang ist merkwürdig, wenn nicht gar skandalös. Da stellt die Stadt bereits am Mittwoch fest, dass die restliche und vor allem hohe Hotelfassade an der Herwarthstraße einsturzgefährdet ist. Und veranlasst dann erst am Donnerstagmorgen gegen 9 Uhr eine Sperrung der umliegenden Straßen – nachdem Tausende Autos, Busse und Fahrräder dort sogar zwei Mal – im Berufsverkehr am Mittwochabend und am Donnerstagmorgen –  vorbeigefahren sind. Die Stadt begründet die offensichtlich gefährliche Verzögerung mit „zeitlichen Abläufen“. Das ist wirklich skandalös. Denn wenn die Fassade tatsächlich einsturzgefährdet war, hätten die Straßen rund um die Abrissstelle unverzüglich gesperrt werden müssen. (-rr-)

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