Nachruf
Prof. Dr. Karl Noehles ist im Alter von 95 Jahren verstorben

Münster -

Er hat in Münster Generationen von Studierenden geprägt: Im Mittelpunkt von Prof. Dr. Karl Noehles Lehrtätigkeit stand die Kunstgeschichte Westfalens. Am 21. starb er im Alter von 95 Jahren.

Freitag, 26.01.2018, 12:00 Uhr
Prof. Dr. Karl Noehles
Prof. Dr. Karl Noehles Foto: Uni Münster

Die leise, ein wenig brüchige Stimme klingt noch nach im Ohr, wie sie von Erinnerungen und Streichen aus einer fernen Zeit erzählt, aus der Jugend. Das war am 8. November vorigen Jahres, als Carlo (so durften ihn seine Freunde nennen) Noehles seinen 95. Geburtstag feierte, in erstaunlicher geistiger Frische. Die Folgen eines nachfolgenden schweren Sturzes hat er nicht überstanden: Am 21. Januar ist Professor Dr. Karl Noehles verstorben, die münstersche Kunstgeschichte hat ihren Nestor verloren. Sein Wirken aber lebt weiter in seinen Schülern, Doktoranden, denen er nicht nur geistiger Mentor war, sondern auch väterlicher Freund. Generationen von Studierenden hat er geprägt, er war Mittelpunkt eines großartigen Netzwerkes.

Früh schon hat Karl Noehles intensive Beziehungen zu Italien und seiner Kunst gepflegt, wozu der Grundstein gelegt wurde, als er als Stipendiat der Bibliotheca Hertziana in Rom studieren und forschen konnte. Seine Habilitationsschrift widmete er der Kirche San Luca in Rom. Deren Akademie übersandte ihm zu seinem 95. Geburtstag eine außerordentliche Ehrung, er wurde zum Ehrenmitglied ernannt. Womit auch seine Studien zur italienischen Kunst gewürdigt wurden. Diese geistige Wahlverwandtschaft schlägt sich auch im Titel der Festschrift nieder, die seine Schüler ihm 2002 zum 80. Geburtstag widmeten – „Westfalen und Italien“. Noehles war beides, Westfale und Italiener.

1964 nahm er seine Lehrtätigkeit an der Universität Münster auf, fünf Jahre später wurde er zum Professor ernannt. Die Kunstgeschichte Westfalens stand im Mittelpunkt seiner Lehrtätigkeit, einer ganzen Reihe von Kirchen und Kunstobjekten hat er Einzeluntersuchungen gewidmet.

Wer Noehles in seinem Haus am Aasee besuchte, betrat ein Fotomuseum: Das ganze Treppenhaus hatte er mit seinen Fotografien vom Aasee geschmückt. Der stellvertretende Leiter des Stadtmuseums stellte daraus eine Ausstellung zusammen. Noehles war beides – begnadeter Wissenschaftler und sensibler Heimatfreund.

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