Pflegenotstand
100 Pflegekräfte fehlen an der Uniklinik Münster

Münster -

Eine hohe Arbeitsverdichtung, geringe Weiterbildungsmöglichkeiten und eine verhältnismäßig maue Bezahlung – das Image des Krankenpflege-Berufs ist nicht das beste. Der Pflegedirektor der Uniklinik in Münster offenbart das ganze Ausmaß des Problems.

Freitag, 26.01.2018, 07:00 Uhr
Personalmangel in der Pflege: Das Universitätsklinikum Münster setzt auf diverse Maßnahmen, um das Problem in den Griff zu bekommen.
Personalmangel in der Pflege: Das Universitätsklinikum Münster setzt auf diverse Maßnahmen, um das Problem in den Griff zu bekommen. Foto: Britta Pedersen/dpa

Pflegenotstand an den Krankenhäusern: In Münster leidet aktuell vor allem das Universitätsklinikum (UKM) unter Kündigungen und rückläufigen Bewerberzahlen.

Nachdem zu Beginn der Woche bekannt wurde, dass seit Dezember eine ganze Station wegen des Fehlens von Pflegekräften geschlossen werden musste, offenbarte Pflegedirektor Thomas van den Hooven nun das ganze Ausmaß des Pro­blems.

Vier Operationssäle geschlossen

Circa 100 Vollzeit-Pflegestellen – und damit etwa jede 20. – können am UKM derzeit nicht besetzt werden, vier von 32 Operationssälen sind auf verschiedenen Stationen über einen längeren Zeitraum geschlossen und die Zahl der Überlastungsanzeigen war im Jahr 2017 höher als in den Vorjahren.

„Wir haben uns entschieden, eine Station zu schließen und auch OP-Säle nicht zu betreiben, damit der Personalschlüssel in den verbliebenen Bereichen hoch genug ist, um die Qualität und Sicherheit zu gewährleisten, die man vom UKM erwartet“, sagt van den Hooven. Das Haus wolle damit offen umgehen. Natürlich habe das Schließen von OP-Sälen und einer Station auch Auswirkungen auf die Finanzen des UKM. Ins Detail gehen will der Pflegedirektor in diesem Punkt aber nicht.

Für Patienten bedeuten die Maßnahmen mitunter längere Wartezeit auf Operationstermine. Kurzfristige Absagen von Eingriffen oder Terminen müsse deshalb nach Angaben des UKM aber niemand befürchten. Lediglich bei einer Krankheitswelle könne es dazu kommen.

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Leiharbeiter und Arbeitskräfte aus dem Ausland

Um die vakanten Stellen zeitnah zu besetzen, setzt das Uniklinikum zum einen auf Leiharbeiter und zum anderen auf Arbeitskräfte aus dem Ausland. Diese wirbt es gezielt in Italien, Brasilien, Kolumbien und Vietnam an. „Die Leute sind hervorragend ausgebildet. Zwar ist die Integration hoch aufwendig, doch es gibt keine Alternativen. In Deutschland haben wir im Moment einfach zu wenig Pflegekräfte“, sagt van den Hooven.

Langfristig will das UKM durch das Projekt „Magnetkrankenhaus“ zudem die Mitarbeiterbindung erhöhen und die Zahl der Kündigungen verringern. Inhaltlich gehe es darum, Hierarchien abzuflachen, den Pflegekräften mehr Verantwortung zu übertragen und ihnen im selben Zug mehr Wertschätzung entgegenzubringen, um die Zufriedenheit zu steigern.

270 Austritte im letzten Jahr

Alleine in der Pflege habe es nach Angaben von van den Hooven im Jahr 2017 „270 Austritte aus unterschiedlichen Gründen“ gegeben. Diese Zahl möchte er gerne reduzieren. Denn in den Vorjahren hatte sie noch bei knapp über 200 gelegen.

Alleine könne das UKM die strukturellen Probleme allerdings nicht lösen. Von der nächsten Bundesregierung fordert van den Hooven daher „Impulse für eine attraktiveres Berufsbild. Wir brauchen so etwas wie einen Marshallplan für die Pflege. Der Beruf muss attraktiver werden. Dazu gehört auch, die Pflege monetär aufzuwerten.“ Ohne eine höhere Pflegepauschale von den Krankenkassen sei das UKM an Tarifverträge gebunden. Zulagen könne man nur vereinzelt gewähren.

Trotz aller Probleme ist der Pflegedirektor zuversichtlich, die Talsohle durchschritten zu haben. „Seit dem Tiefpunkt im dritten Quartal 2017 haben wir uns stabilisiert. Wir planen momentan nicht, weitere Bereiche zu schließen.“

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