Mo., 29.01.2018

Stadtwerke-Geschäftsführer zanken sich Die Streithähne vom Hafenplatz

Heillos zerstritten ist die Stadtwerke-Geschäftsführung.

Heillos zerstritten ist die Stadtwerke-Geschäftsführung. Foto: Matthias Ahlke

Münster - 

Am Montag soll ein neuer Aufsichtsratschef bei den Stadtwerken Münster gewählt werden. Überschattet wird dies vom Streit in der Geschäftsführung.

Von Dirk Anger

Die durch monatelange Personalquerelen an der Unternehmensspitze gebeutelten Stadtwerke sollten eigentlich ab Montag in ruhigeres Fahrwasser kommen: In einer Sondersitzung des Aufsichtsrates könnte der städtische Kämmerer Alfons Reinkemeier zum neuen Aufsichtsratschef des kommunalen Versorgungsunternehmens gewählt werden.

Gegenseitige Vorwürfe

Doch die eigens dafür anberaumte Sondersitzung des Kontrollgremiums zum Wochenauftakt wird begleitet von neuerlichen Streitereien zwischen den Stadtwerke-Geschäftsführern Dr. Henning Müller-Tengelmann und Dr. Dirk Wernicke. Beide werfen sich in rund um den Jahreswechsel verschickten E-Mails an die Mitglieder des Aufsichtsrats sowie Oberbürgermeister Markus Lewe Pflichtverletzungen und Behinderung bei der Amtsführung vor.

Auslöser der neuerlichen Zwistigkeiten in der Geschäftsführung ist vordergründig diesmal der geplante Ausbau des Glasfasernetzes in Münster und dessen wirtschaftliche Tragweite. Allerdings rangeln die Stadtwerke-Chefs seit Jahren um Macht und Einfluss. Gegenseitige Eifersüchteleien sollen nach Einschätzung von Beobachtern nicht zur Verbesserung des Verhältnisses zwischen den Top-Managern beitragen.

Vermittlungsprozess ohne Aussicht auf Erfolg

Eigentlich sollte ein Anfang Januar beginnendes Mediationsverfahren zwischen den beiden Geschäftsführern eine Basis für eine gedeihliche Zusammenarbeit in der Zukunft schaffen. Doch einige Aufsichtsratsmitglieder gehen inzwischen davon aus, dass der Vermittlungsprozess unter externer Moderation keine Aussicht auf Erfolg haben werde. Sie halten das Tischtuch zwischen Müller-Tengelmann, der den kaufmännischen Bereich verantwortet, und dem technischen Geschäftsführer Wernicke für zerrissen.

Unterschiedliche Auffassungen

Letzterer bekundet in einer Mail unterschiedliche Auffassungen in der Geschäftsführung über das Wie des Breitbandausbaus. Angesichts „signifikant verfehlter Vorvermarktunsgsziele“ bei der Gewinnung von Glasfaser-Kunden in Hansa- und Kreuzviertel wollte Wernicke die Expertise der Managementberatung PwC noch einmal überprüfen lassen. Sie habe sich als schwach erwiesen. Müller-Tengelmann spricht dagegen von einem „unabgestimmten Vorgehen bei diesen kaufmännischen Fragen“ und wertet dies als einem Verstoß gegen die Geschäftsordnung.

Neuer Aufsichtsratschef soll Joksch ersetzen

Angesichts der neuen Kapriole dürfte die Politik die Pläne für eine Neuordnung der Stadtwerke-Spitze in den kommenden Monaten vorantreiben. Fast schon in den Hintergrund tritt dabei die für Montag angesetzte Wahl von Alfons Reinkemeier zum neuen Aufsichtsratschef. Der Stadtkämmerer soll Gerhard Joksch (Grüne) ersetzen, der im Zuge von Zweifeln an seiner Unabhängigkeit im Dezember das Handtuch geworfen hatte. Noch immer stehen offene Fragen zu Jokschs beruflichen Verbindungen zu Firmen, die auch mit den Stadtwerken zusammenarbeiten, im Raum.  

Kommentar: Zügige Neuaufstellung

Wenn es überhaupt noch eines Beweises bedurft hätte, dass die Stadtwerke eine Neuordnung an der Spitze gebrauchen, haben ihn die beiden Geschäftsführer mit ihrem neuerlichen, geradezu kleinkarierten Kompetenz-Streit endgültig erbracht. So darf es an der Spitze des wichtigsten städtischen Unternehmens nicht weitergehen! Das Modell zweier gleichberechtigter Geschäftsführer hat sich damit wohl für den kommunalen Versorger in der Zukunft überlebt. Aktuell leiden scheinbar auch die Mitarbeiter an dem Streit in der Spitze – zumindest nach Darstellung des technischen Geschäftsführers. Bislang soll das angeblich nicht so gewesen sein. Eine zügige Neuordnung der Unternehmensspitze unter fachkundiger Beratung von außen tut daher dringend not. Die in schwierigem Marktumfeld wirtschaftlich noch erfolgreichen Stadtwerke sind in akuter Gefahr, wenn sich zwei hoch bezahlte Top-Manager wie um Förmchen streitende Jungs im Sandkasten verhalten.

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