Projekte von Bezirksregierung und Villa ten Hompel
Wissen über den Holocaust wachhalten

Münster -

73 Jahre liegt das Ende der NS-Diktatur mittlerweile zurück. Die Zahl der Zeitzeugen, die vom Horror des Holocaust berichten können, wird immer kleiner. Doch wer hält die Erinnerung aufrecht, wenn es die Generation der Menschen, die damals Opfer waren, nicht mehr geben wird?

Freitag, 02.02.2018, 07:00 Uhr aktualisiert: 02.02.2018, 07:27 Uhr
Wollen die Erinnerung  an den Holocaust wachhalten (v.l.): Wolfgang Weber (Bezirksregierung), Peter Schilling (Erinnerungs­pate), Dr. Christoph Spieker (Villa ten Hompel), Judith Neuwald-Tasbach (Jüdische Gemeinde Gelsenkirchen), Ulrike Schneider-Müller (Bezirksregierung), Matthias Ester (Erinnerungspate), Daniel Gollmann (Historiker), Kim Keen (Annette-von-Droste-Hülshoff-Gymnasium) und Katrin Schlicher (Sonderpädagogin).
Wollen die Erinnerung  an den Holocaust wachhalten (v.l.): Wolfgang Weber (Bezirksregierung), Peter Schilling (Erinnerungs­pate), Dr. Christoph Spieker (Villa ten Hompel), Judith Neuwald-Tasbach (Jüdische Gemeinde Gelsenkirchen), Ulrike Schneider-Müller (Bezirksregierung), Matthias Ester (Erinnerungspate), Daniel Gollmann (Historiker), Kim Keen (Annette-von-Droste-Hülshoff-Gymnasium) und Katrin Schlicher (Sonderpädagogin). Foto: Matthias Ahlke

Unter Schirmherrschaft von Regierungspräsidentin Dorothee Feller sind nun von Bezirksregierung und Villa ten Hompel zwei Projekte entwickelt worden, die sich an Bildungseinrichtungen wenden und die „Erinnerung für die Zukunft“ weiter sicherstellen sollen.

Erinnerungspaten kannten die Zeitzeugen

„Erinnerungspaten“, die eine persönliche Beziehung zu Zeitzeugen hatten, sollen in Schulen gehen und dort stellvertretend über deren Leben berichten. Zudem stellt die Bezirksregierung im Internet Interviews mit Zeitzeugen des Völkermords an den Juden sowie eine Handreichung für Pädagogen bereit.

Judith Neuwald-Tasbach erzählt vom Schicksal ihrer Eltern

Einer der Erinnerungspaten ist Martin Schilling aus Münster, der im Verein „Spuren finden“ mitarbeitet. Er will in Schulen über die Holocaust-Überlebende Marga Spiegel berichten, die er gut kannte. Judith Neuwald-Tasbach von der Jüdischen Gemeinde Gelsenkirchen wird vom Schicksal ihrer Eltern erzählen. „Das ist ein wichtiges Projekt“, betont sie. Immer weniger sei bei den Schülern von heute über den Holocaust bekannt. Die Erinnerungspaten seien ein guter Weg, der heutigen Generation die Vergangenheit näherzubringen.

Antisemitismus nimmt wieder zu

Gerade in Zeiten, in denen der Antisemitismus wieder zunimmt, sei es wichtig, die Erinnerungskultur an den Schulen hochzuhalten, betont auch Wolfgang Weber, Schulabteilungsleiter bei der Bezirksregierung. Antisemitismus breitet sich nicht nur unter Deutschen wieder aus. Neuwald-Tasbach berichtet, dass sich in Gelsenkirchen bei Klassenbesuchen mittlerweile bis zu 50 Prozent der Schüler weigerten, eine Synagoge zu betreten. Gerade bei der Beantwortung der Frage, wie man bei der Erinnerungskultur auch Schüler aus anderen Kulturkreisen erreicht, sei „noch Luft nach oben“, betont Feller.

Empathie bei jungen Flüchtlingen erreichen

Auf der anderen Seite thematisiert die Handreichung für Pädagogen den Bereich Flucht und Vertreibung – in der Hoffnung, so Empathie für die Opfer von damals auch bei jenen auszulösen, die in der Gegenwart flüchten mussten.

Videos für visuell geprägte Generation

Derweil sollen die Interview-Videos – unter anderem mit Irmgard Ohl und Hans Kaufmann – dazu beitragen, dass die Lebens­geschichte der Überlebenden nicht in Vergessenheit gerät. Mit den Filmen soll auf die Bedürfnisse einer immer stärker visuell geprägten Generation reagiert werden, betont die Bezirksregierung. Das Ziel beider Projekte bestehe letztendlich darin, an den gesellschaftlichen Konsens anzuknüpfen, dass solche Verbrechen nie wieder geschehen dürfen. 

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