Fr., 02.02.2018

Gesamtschule feiert neuen Namen Vorbild Mathilde Anneke

Der Schulchor in den T-Shirts mit dem ebenfalls neuen Logo der Mathilde-Anneke-Schule schmetterte die bis gestern Mittag streng geheime, eigens komponierte Schulhymne, die auch Schulleiterin Birgit Wenninghoff (r.) nicht noch kannte

Der Schulchor in den T-Shirts mit dem ebenfalls neuen Logo der Mathilde-Anneke-Schule schmetterte die bis gestern Mittag streng geheime, eigens komponierte Schulhymne, die auch Schulleiterin Birgit Wenninghoff (r.) nicht noch kannte Foto: Matthias Ahlke

Münster - 

Vom Arbeitstitel Gesamtschule Münster-Ost zur Mathilde-Annecke-Schule: In der Schulmensa wurden am Freitag der neue Name gefeiert.

Von Karin Völker

Die Himmelsrichtung Ost, so sagt es Schulleiterin Birgit Wennighoff, „war uns zu wenig“. Darum hat sich Münsters neue Gesamtschule an der Andreas-Hofer-Straße auf die Suche nach einem anderen Namen gemacht. Am Freitagmittag wurde das Ergebnis in einer bewegenden und fröhlichen Festveranstaltung in der Schulmensa gefeiert.

Mathilde Anneke, 1817 geborene Bürger- und Frauenrechtlerin, Kämpferin für Menschenrechte und Bildung, ist Namenspatin für die Gesamtschule im Aufbau. Und ihr Wirken ist damit vorbildhaft für die Arbeit der Schule und die hier vermittelte Pädagogik.

Schulnamen-Debatte

Pro und Contra: Sollten Schulen nach Personen benannt werden?

Nachdem die Schulgemeinde – inspiriert durch ein Programm des Künstlerehepaar Markus und Marion von Hagen – erst auf Mathilde Anneke gestoßen waren, fanden sich immer mehr Gründe, gerade ihren Namen zu wählen. Ein wichtiger Grund war, dass Mathilde Anneke sieben Jahre ihres Lebens in Münster verbrachte, sich hier als frisch geschiedene junge Frau und Mutter politisierte und erste Schriften veröffentlichte, bevor sie sich in der 48er-Revolution an der Seite ihres zweiten Ehemannes für demokratische Rechte engagierte, später nach Amerika auswanderte, sich dort gegen Sklaverei und Unterdrückung, für Toleranz und Frauenrechte stark machte, eine Mädchenschule gründete, Bücher und Zeitungen herausgab, „sich mit dem Unrecht nie abgefunden hat“, so Wenninghoff. „Mathilde Anneke ist es wert, dass in Münster stärker an sie erinnert wird.“

Fotostrecke: Festakt an Mathilde-Anneke-Gesamtschule

Eine Entscheidung, die der städtische Schuldezernent Thomas Paal in seiner Rede würdigte. Namensgebungen seien ein „heikles Feld“, aber „Namensfindungsprozesse wie der an der Gesamtschule bilden Bewusstsein. Ein guter Name, der prägt“, lobte Paal. Die Gesamtschule im Ostviertel ist nach der Gesamtschule in Sprockhövel, dem Geburtsort Annekes die zweite nach ihr benannte Schule. Karin Hockamp vom Sprockhöveler Stadtarchiv erinnerte an das Leben der Namensgeberin. Die Mädchen und Jungen der Gesamtschule, in der bisher Kinder des fünften und sechsten Jahrgangs unterrichtet werden, zeigten wie sehr sie sich schon mit der Namenspatin beschäftigt haben. In Sprockhövel forschten sie nach ihren Wurzeln, und in der Feierstunde sorgten sie mit einem Quizspiel „Fakt oder Fake?“ beim Publikum für Lerneffekte und Lacher. Kein Fake: Mathilde Annekes Nachfahren in den USA sorgten als Brauereibetreiber für den Siegeszug des Dosenbiers. 

Mehr zum Thema

Gesamtschule Ost:  Frauenrechtlerin als Namenspatin



https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5479527?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686135%2F2686808%2F2686822%2F