Mo., 05.02.2018

Skate-Projekt Nach Afghanistan und dem Westjordanland will sich Titus Dittmann in Syrien engagieren

Skateboardfahren mit Kindern in Syrien: Titus Dittmann plant ein neues Projekt.

Skateboardfahren mit Kindern in Syrien: Titus Dittmann plant ein neues Projekt. Foto: privat

Münster - 

Das Auswärtige Amt warnt vor Reisen nach Syrien. „Im Zusammenhang mit den laufenden militärischen Operationen der türkischen Streitkräfte in Nordsyrien kommt es in Teilen des Kantons Afrin zu Kampfhandlungen. Auch aus anderen Teilen Nordost-Syriens werden Kampfhandlungen gemeldet“, heißt es auf der Internetseite des Amtes.

Von Marion Fenner

Die deutsche Botschaft in Damaskus sei derzeit geschlossen und könne im Notfall keine konsularische Hilfe vor Ort leisten. In ganz Syrien, auch in Damaskus und seinen Vororten, bestehe das Risiko, durch Gewalteinwirkung Opfer des Krieges zu werden. Der Münsteraner Titus Dittmann hat sich dennoch in das Land gewagt. „Ich bin natürlich nicht auf eigene Initiative dorthin gefahren, sondern auf Einladung der SOS-Kinderdörfer“, erklärt der Gründer der Stiftung „skate-aid“.

Mit Skaten Kindern helfen

In Syrien gebe es durch den Krieg viele verwaiste und traumatisierte Kinder, denen er gern ein wenig Lebensfreude wiedergeben will. Titus Dittmann macht das mit Hilfe von Skateboards. Skateboardfahren ist seine größte Leidenschaft und er ist überzeugt, damit auch Kindern helfen zu können.

Fotostrecke: Titus Dittmann

In anderen Regionen – wie in Afghanistan oder Bethlehem im Westjordanland – habe er mit ähnlichen Projekten bereits große Erfolge erzielt. Skaten gebe Lebensfreude zurück, stärke das Selbstvertrauen und fördere soziale Kompetenzen, erklärt Dittmann, der sich insbesondere für die „Generation in der Orientierungsphase“ engagiert. Er habe das bei mehreren Projekten, nicht nur in Krisengebieten, erlebt. Dittmann schaute sich Grundstücke an, auf denen eine Skateboard-Anlage realisiert werden könnte.

In der Nähe von Damaskus gibt es ein großes SOS-Kinderdorf, in dem zurzeit auch Mädchen und Jungen aus Aleppo untergebracht sind. „Dort leben Kinder, die im Krieg Schreckliches gesehen und erlebt haben“, sagt Dittmann.

In den 70ern in Syrien gewesen

Es gebe dort zudem Aufnahmelager für Kinder, bei denen nicht geklärt sei, ob ihre Eltern bei den Kämpfen ums Leben gekommen seien oder ob sie bei anderen Angehörigen unterkommen können. In den 1970er-Jahren war er schon einmal in Syrien (er hat einen LKW nach Damaskus überführt, um sein Studium zu finanzieren). Deshalb war es für ihn wichtig, sich auch die Stadt noch mal anzusehen.

„Ich war überrascht, wie ruhig es dort war. Damaskus ist immer noch ei­ne schöne alte Stadt, mit offenen, toleranten, sehr gebildeten und freundlichen Menschen.“ Es sei zwar zu sehen, dass dort vor Kurzem noch Kämpfe stattgefunden haben. Häuser mit Einschusslöchern und zerstörte, noch nicht wieder aufgebaute Gebäude zeugten davon. Am Stadtrand hätten sich Siedlungen gebildet, in de­nen Menschen leben, die aus aktuellen Kampfgebieten geflüchtet sind.

Chance auf Neuanfang ohne Krieg

„Den Menschen in Damaskus fehlt kaum etwas“, ist Dittmann überzeugt, und ergänzt, obwohl er eigentlich nicht politisch werden will, „außer Demokratie und Touristen.“ In Gebieten, in denen Präsident Assad die Kontrolle habe, lebe es sich weitgehend normal. Verschleierte Frauen habe er nur wenige gesehen, eine mit Burka überhaupt nicht. Titus Dittmann ist überzeugt, dass Syrien eine Chance auf einen Neuanfang ohne Krieg habe. Weniger Einmischung in die dortige Politik würde seiner Ansicht nach schon reichen. Und die Hoffnung auf ein „normales“ Leben, zu dem er mit seinem Hilfsprojekt einen Beitrag leisten will.



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