Best Trend Videos
Selim Mohammed, der Facebook-König aus Münster

Münster -

Gewusst wie: Selim Mohammed betreibt auf Instagram und Facebook zahlreiche erfolgreiche Seiten. Eine davon geht seit Monaten „durch die Decke“. Und spült  „dem kleinen Selim“ viel Geld in die Kasse.

Dienstag, 06.02.2018, 11:00 Uhr
Selim Mohammed betreibt mehrere erfolgreiche Facebook- und Instagram-Seiten. Dazu zählen „Minusmensch“, „Der Romeo“, „Selim“ und vor allem „Best Trend Videos“.
Selim Mohammed betreibt mehrere erfolgreiche Facebook- und Instagram-Seiten. Dazu zählen „Minusmensch“, „Der Romeo“, „Selim“ und vor allem „Best Trend Videos“. Foto: privat

Er fährt gerne in den Urlaub und verbringt viel Zeit vor seinem Computer. Man könnte meinen, Selim Mohammed sei ein gewöhnlicher Twen, einer, der nicht aus der Masse hervorsticht. Doch in Wahrheit stimmt das nicht. Denn der 27-Jährige gibt der breiten Masse, ohne dass sie es merkt, einen Weg vor, statt selber nur einem zu folgen. Wie? So wie man das heutzutage eben macht – digital. Der Münsteraner betreibt gleich mehrere erfolgreiche Facebook- und Instagram-Seiten. Darunter „Best Trend Videos“, seit einigen Monaten eine der Seiten in Deutschland mit den meisten Interaktionen.

Beeindruckende Klickzahlen

Über eine Million Likes verzeichnet „Best Trend Videos“ auf Facebook, sogar noch mehr Abonnenten. „Das“, so Mohammed, „ist ein Zeichen für eine starke Seite, wenn sie mehr Abonnenten als Likes hat.“ Keine Videoseite in Deutschland sei derzeit größer. Im Dezember 2017 lag Best Trend Videos mit über zwei Millionen Interaktionen (Quelle: Storyclash) auf Platz acht in Deutschland. Als Interaktionen zählen auf Facebook, Kommentare, Likes und geteilte Inhalte.

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Beinahe noch beeindruckender: Einen Monat zuvor verzeichnete die Seite 113 Millionen Views. Statistisch gesehen schaute also jeder Deutsche im November 2017 mehr als einmal etwas auf der Seite an. „Ich konzentriere mich gerade nur noch auf Best Trend Videos, weil die Seite übertrieben abgeht“, sagt Selim Mohammed, der neben seinen eigenen Seiten auch zahlreiche Facebook-Auftritte bekannter Rapper betreut.

2002 aus Syrien nach Deutschland gekommen

Eine mehr chronologische Sicht auf die Aktivitäten des Münsteraners, der 2002 als Kind mit seiner kurdischen Familie von Syrien nach Deutschland kam, hilft dabei zu verstehen, wie aus Selim Mohammed einer der momentan einflussreichsten „Influencer“ Deutschlands werden konnte.

Angefangen hat alles – mit einem Fehlschlag. Zwar hatte Mohammed schon als Jugendlicher mit seinen Videos auf Youtube Erfolg, weil er diese aber mit Gema-pflichtiger Musik hinterlegte, wurde sein Account nach einigen hunderttausend Klicks gesperrt. „Ich wusste es einfach nicht besser. Ich wohnte noch im Asylheim mit meiner Familie, war in einem neuen Land mit neuer Sprache und neuen Regeln“, erklärt Mohammed den Fehltritt von damals.

„Ich habe so eine Art Mario-Barth-Humor“

Mit Youtube will er seit dem Erlebnis nach eigenen Angaben nichts mehr zu tun haben. Seinen Leidenschaften, Videos zu drehen und vor allem im Internet „Leute zu erreichen“, schwor er aber keineswegs ab. Schon vor ein paar Jahren berichtete unsere Zeitung von einer ungewöhnlich erfolgreichen Facebook-Gruppe, die von Mohammed gegründet wurde.

Richtig erfolgreich wurde er aber erst mit der Seite Minusmensch, auf der er Sprüche unterlegt mit dazu passenden Fotos von sich selbst postet, sogenannte Memes. Kleine Kalauer aus dem Alltag, die offenbar wegen der überzeugenden Bild-Text-Korrelation den Geschmack der Masse treffen. „Ich habe so eine Art Mario-Barth-Humor“, sagt Mohammed. Vielleicht tut er sich damit sogar Unrecht. Auf jeden Fall ist Selim Mohammed gewieft. Seine größte Stärke aber sei es, so sagt er, dass er erkenne, was die Leute wollen.

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Wo das Geld herkommt

Als irgendwann immer mehr Menschen auf ihn zukamen, um ihre Videos auf seinen Seiten posten zu dürfen, fasste er einen Plan. „Ich hatte keine Lust auf fremde Videos auf meinen persönlichen Seiten, also habe ich gedacht, ich mache eine Videoseite und hole mir so zusätzlich Traffic auf meine Seiten.“ Doch es kam anders, mittlerweile kümmert sich Selim Mohammed überwiegend nur noch um „Best Trend Videos“. Er wählt Videos aus, bearbeitet sie – und prüft die Urheberrechte, gelernt ist eben gelernt. Zwei bis vier Videos postet er auf seiner Seite am Tag, mehr nicht. Nur was ihm gefällt, veröffentlicht er kostenlos. Werbung oder Videos, die nicht seinen Geschmack treffen, lässt er sich bezahlen. Zudem zahlt Facebook, ähnlich wie es bei Youtube ist, direkt an ihn für den Traffic, den er generiert.

Weitgehend unbekannte Internetuser, die groß rauskommen wollen, nutzen die Chance genauso wie große Firmen. „Mediamarkt“ setzte schon auf die Dienste der Seite. Und die Filmfirma Constantin habe ihm sogar einen exklusiven Trailer von „Fack ju Göhte 3“ geschickt. Selim Mohammed stockt kurz, als er das erzählt. „Mir, dem kleinen Selim“, schiebt er mit einem Lächeln nach.

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Freizeit, das ist die Kehrseite der Medaille, ist bei Mohammed rar gesät. Zu viel Zeit verbringe er am Computer. Zudem hat er sich und seinen Eltern, bei denen er noch lebt, gerade ein großes gemeinsames Haus im Stadtgebiet gekauft. Mohammed ist eben kein gewöhnlicher Twen, sondern einer mit eigenem Weg.

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