Ordnungsamt auf Hinweise angewiesen
Die Masche mit dem Mitleid

Münster -

Betteln ist erlaubt. Wenn es allerdings aggressiv oder gewerbsmäßig geschieht, ist es durch die Straßen-, Anlagen- und Aasee-Ordnung der Stadt Münster untersagt. Das Ordnungsamt räumt aber ein, dass Vergehen nur schwer nachzuweisen seien.

Dienstag, 06.02.2018, 19:00 Uhr aktualisiert: 06.02.2018, 20:01 Uhr
Vor allem in der Innenstadt sind bettelnde Menschen vielfach anzutreffen. Das städtische Ordnungsamt mahnt in diesem Zusammenhang, sich genau zu überlegen, wem man sein Geld gibt.
Vor allem in der Innenstadt sind bettelnde Menschen vielfach anzutreffen. Das städtische Ordnungsamt mahnt in diesem Zusammenhang, sich genau zu überlegen, wem man sein Geld gibt. Foto: Oliver Werner

Keine Geschäftsstraße in Münster, wo sie nicht zu finden wären. Von morgens bis abends, bei gutem und bei schlechtem Wetter. Die Rede ist von Menschen, die betteln. Vielen von ihnen hat das Schicksal übel mitgespielt. Sie sind Gestrandete außerhalb der Gesellschaft – andere aber geben das nur vor. „Das ist ein Thema, wenn auch kein ganz neues“, sagt Ordnungsamtsleiter Martin Schulze-Werner. Bereits seit mehr als zehn Jahren hätten die Mitarbeiter des städtischen Ordnungsamtes klare Arbeitsanweisungen, wie sie sich beim Thema Betteln verhalten müssten. Dabei sei zuallererst zu beachten, dass es ganz unterschiedliche Formen des Bettelns gebe.

Unterschiedliche Formen des Bettelns

Einfaches Betteln ist in Deutschland erlaubt. Sogenanntes aggressives Betteln aber, also das In-den-Weg-stellen oder sogar das Anfassen von Passanten, ist dagegen in der Straßen-, Anlagen- und Aasee-Ordnung der Stadt ausdrücklich verboten. Ebenso verhält es sich mit organisiertem und gewerbsmäßigem Betteln. Wer dahingehend Beobachtungen macht oder einen begründeten Verdacht hat, den bittet das Ordnungsamt um Hinweise (✆ 4 92 11 11).

Aggresives Betteln komme vor allem im Bereich der Windthorststraße vor, sagt Schulze-Werner und verweist unter anderem auf die Punker-Szene.

Schwer zu beweisen und zu ahnden

Gewerbsmäßiges Betteln werde dabei erfahrungsgemäß fast immer von Personen aus Südosteuropa praktiziert, sagt Schulze-Werner. „Bettel-Mafia“, so wird die ungeliebte Konkurrenz von den im Inland gemeldeten Obdachlosen genannt. Doch trotz des Wissens um die Personen und ihre Masche sei es schwer, seitens der Stadt auf alle Vergehen aufmerksam zu werden – beziehungsweise diese auch zu beweisen und folgerichtig zu ahnden, so Schulze-Werner.

Aggressive Bettelei

Bei aggressivem Betteln bittet auch die Polizei um einen Hinweis. Ein großes Problem sei das in Münster aber bislang nicht. Auch Fälle, in denen Menschen Betteln oder das Sammeln von Spenden in der Innenstadt nur vorgeben würden, um etwa Taschendiebstähle zu begehen, seien länger nicht mehr aufgetreten, so die Polizei auf Nachfrage.

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Denn das Glück von vor einigen Monaten, als man einen Bulli mit Kennzeichen aus dem Ruhrgebiet bemerkte, der gerade mehrere Personen absetzen wollte, habe man nicht immer. „Die konnten direkt wieder einsteigen und zurückfahren“, sagt Schulze-Werner, der aber einräumt, dass die Vergehen im Allgemeinen „schwierig festzustellen“ seien.

Erbetteltes Geld wird einbehalten

Werden Personen beim gewerbsmäßigen Betteln erwischt, wird das erbettelte Geld einbehalten – als sogenannte Sicherheit auf zukünftiges Bußgeld, wie Schulze-Werner klarstellt.

Doch auch wenn der Ordnungsamtsleiter von Dutzenden Platzverweisen für derartige Vergehen allein in der Vorweihnachtszeit spricht: Letztlich sind es Einzelfälle, gegen die die Stadt vorgeht. Den Münsteranern jedenfalls rät er, sich genau zu überlegen, wem man sein Geld gebe: „Man hilft den Menschen nicht. Wer gewerbsmäßig bettelt, muss das Geld sowieso wieder abgeben.“ Oder er sei gar nicht so arm, wie er vorgeben möchte.

Mit Krücke und Lumpen getarnt

Dieser Verdacht könnte auch auf diejenigen zutreffen, die den gesamten Sommer über auf der Hammer Straße zu finden waren. Am Dahlweg spielten sich nur wenige Meter weiter Tag für Tag die immer gleichen Szenen ab: In einem geräumigen Wagen mit rumänischen Kennzeichen schliefen die Personen unterschiedlicher Generationen über Monate. Jeden Morgen machten sie sich fertig, um vor genau ausgewählten Punkten abwechselnd Stellung zu beziehen – mit Krücke und Lumpen getarnt als mittellose Bettler. Zuletzt war im selben Bezirk tagtäglich ein kleiner Herr mit Hut unterwegs, der Passanten hinterherrief, sich ihnen in den Weg stellte oder ältere Menschen sogar anfasste.

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