Platanen machen Platz für Straße
Protest gegen Fällaktion am Hansaring

Münster -

Die Anlieger am Hansaring wollen nicht hinnehmen, dass an diesem Wochenende zwei 25 Meter große Platanen gefällt werden sollen. Sie planen für Freitag mehrere Protestaktionen.

Donnerstag, 15.02.2018, 20:30 Uhr aktualisiert: 15.02.2018, 21:27 Uhr
Aus Protest gegen die Fällaktion sind an den Platanen am Hansaring Schilder angebracht worden.
Aus Protest gegen die Fällaktion sind an den Platanen am Hansaring Schilder angebracht worden. Foto: Matthias Ahlke

Gegen die für dieses Wochenende geplante Fällung von zwei 25 Meter hohen Platanen am Hansaring regt sich Protest. Anwohner haben für Freitag (16. Februar) mehrere Aktionen angekündigt. Um 14 Uhr beginnt an den Bäumen, die – noch – zwischen Emdener und Dortmunder Straße stehen, eine Mahnwache, um 16 Uhr folgt eine Demonstration. Bereits am Mittwoch waren an den Platanen weiße Kreuze angebracht worden. Auch im sozialen Netzwerk Facebook wird die geplante Fällaktion scharf kritisiert. Am frühen Samstagmorgen sollen nach Auskunft der Stadtwerke die Kettensägen angeschmissen werden.

Bäume sollen Verkehr weichen

Die beiden Bäume standen rund 40 Jahre am Hansaring. Nach Einschätzung von Grünflächenamt-Mitarbeiter Franz-Josef Gövert sind sie „kerngesund“ und hätten wohl noch 60 Jahre weiterleben können. Weil – wie berichtet – am Hansaring eine Fernwärmeleitung verlegt wird, muss laut Stadtwerke die Straße verschwenkt werden – und zwar genau dorthin, wo im Moment noch die Bäume stehen.

Nur so könne der Verkehr während der bis September angesetzten Bauarbeiten zweispurig weiterfließen. Darauf hätten auch Feuerwehr und Rettungsdienste gedrängt, so Stadtwerke-Sprecherin Lisa Schmees. „Das ist keine leichte Entscheidung“, verteidigt sie die Fällaktion unter Verweis auf 17.000 Autos, die täglich den Hansaring passierten.

„Unser Viertel soll grün bleiben!“

Dagegen rumort es in dem aktuell massiven Veränderungen ausgesetzten Quartier gewaltig. „Unser Viertel soll grün bleiben!“ ist der Aufruf zur freitäglichen Protestaktion überschrieben. An den Haustüren des Hansarings und der benachbarten Straßen kleben Flugblätter.

„Das sind nicht irgendwelche Bäume“, betont Johannes Schmanck, Anlieger und Ratsherr von ÖDP/Piraten. „Sie bilden das Entree zum Hansaring. Das kann doch echt nicht sein, dass die jetzt gefällt werden.“ Im Hansaviertel hat er einen regelrechten „Aufschrei“ gegen die Maßnahme registriert. „Viele können nicht nachvollziehen, dass die Bäume für eine Ersatzstraße verschwinden müssen, die nur ein paar Monate benötigt wird“, sagt Schmanck.

Info-Tafeln informieren nicht über Fällaktion

Bereits vor einem Jahr hatte unsere Zeitung berichtet, dass die Platanen fallen sollen. Dass sich erst jetzt Protest regt, führt er auch darauf zurück, „dass das hier viele im Vorfeld gar nicht mitbekommen haben“. Selbst auf Info-Tafeln, die erst in dieser Woche vor Ort aufgehängt wurden, sei von der Fällaktion keine Rede gewesen. Schmanck vermutet, dass den Stadtwerken durchaus bewusst war, dass sich im Quartier Widerstand regen würde.

Unterdessen kommt auch von der SPD Kritik. „Wir hätten uns gerne im Planungsausschuss vergewissert, ob tatsächlich keinerlei alternative Planung möglich gewesen wäre, die den Erhalt der Platanen ermöglicht hätte“, so Ratsherr Ludger Steinmann.

Kommentar: Zu spät aufgewacht

Das Hansaviertel kommt nicht zur Ruhe. Kanalbaustelle, Dauerstau, der Streit um das ungeliebte Hafencenter – und jetzt werden auch noch zwei Platanen gefällt, die das Bild des Hansarings prägen.

Der Unmut der Anlieger über die Fällaktion ist nachvollziehbar. Nur, damit für eine Übergangszeit von ein paar Monaten der Verkehr weiterrollen kann, werden zwei prächtige Bäume mal eben umgelegt. Gab es wirklich keine Alternative? Hätte der Hansaring nicht anders verschwenkt werden können? Warum schied eine Vollsperrung von Anfang an aus? Beim Düesbergweg oder – demnächst – an der Kanalstraße ging das doch auch. Für die Autofahrer ist es jedenfalls kaum ein Gewinn, den Hansaring offen zu halten – er ist ohnehin fast immer dicht.

Doch zur Wahrheit gehört auch, dass seit einem Jahr bekannt war, dass die Platanen fallen sollen. Erst jetzt sind die Anlieger wach geworden. Der Protest kommt spät – zu spät. - Martin Kalitschke

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