Cohaus-Vendt-Stiftung
Ambulanter Pflegedienst muss wegen Personalmangels schließen

Münster -

Die Nachfrage war da, und das Angebot wurde angenommen: Eigentlich der Stoff, aus dem Erfolgsgeschichten sind. Doch der ambulante Pflegedienst der Cohaus-Vendt-Stiftung muss nach nur einem Jahr aufgrund Personalmangels schließen.

Montag, 19.02.2018, 21:00 Uhr aktualisiert: 19.02.2018, 21:08 Uhr
Auf diesen Fahrrädern waren die Mitarbeiter des ambulanten Pflegedienstes unterwegs. Jetzt gab CVS-Geschäftsführer Gerhard Hillebrand im Beisein von Pflegedienstleitung Christa Wien bekannt, dass der Dienst Mitte März schließen wird.
Auf diesen Fahrrädern waren die Mitarbeiter des ambulanten Pflegedienstes unterwegs. Jetzt gab CVS-Geschäftsführer Gerhard Hillebrand im Beisein von Pflegedienstleitung Christa Wien bekannt, dass der Dienst Mitte März schließen wird. Foto: Björn Meyer

Vor ziemlich genau einem Jahr hat „CV Unterwegs“, der ambulante Pflegedienst des Cohaus-Vendt-Stifts, seine Arbeit aufgenommen. Das Angebot stieß, das lässt sich mittlerweile sagen, auf Nachfrage. Sogar auf so große, dass Gerhard Hillebrand, Geschäftsführer des Stifts, den Bereich gerne noch hätte ausgebaut. Doch dazu wird es nicht kommen, im Gegenteil – der ambulante Pflegedienst wird ab 15. März eingestellt. Der Grund: Das Cohaus-Vendt-Stift findet kein Pflegepersonal. Dabei wären im Grunde nur einige wenige Stellen zu besetzen.

Mindestens vier volle Stellen müsse ein Pflegedienst nachweisen. So regele es der Versorgungsvertrag, sagt Hillebrand. Genau diese vier Stellen seien bislang beim „CV Unterwegs“ auf fünf Angestellte entfallen.

Bei den Kunden gut angekommen

Klein, aber fein: Die Pflegeleistung sei sowohl bei Überprüfungen als auch bei den Kunden gut angekommen, versichern Hillebrand und die Pflegedienstleitung Christa Wien. Verbessern wollen hätte man sich dagegen vor allem im Bereich der Struktur, denn aufgrund der geringen Stellenzahl hätte Wien anstatt Leitungs- häufig pflegerische Aufgaben übernehmen müssen. „Die Belastung war hoch“, sagt Wien rückblickend.

Ihr Arbeitgeber zeigte Verständnis und suchte nach personeller Entlastung. „Wir haben allerdings niemanden gefunden“, sagt Hillebrand. Christa Wien traf irgendwann die Entscheidung und kündigte. Da eine weitere Mitarbeiterin in den Mutterschutz gehen wird, war der Dienst trotz zuvor zahlreich aufgegebener Stellengesuche nicht mehr aufrecht zu erhalten. „Das Feld ist bestellt, unseren Wirtschaftsplan, den wir zum Start im vergangenen Jahr aufgestellt haben, haben wir übererfüllt“, sagt Hillebrand und fügt geknickt an: „Aber wir finden keine Menschen, die die Arbeit machen.“

Was mit den verbliebenen Mitarbeitern geschieht, sei noch nicht endgültig entschieden, Hillebrand stellt jedoch heraus, dass diese sich keine Sorgen machen müssten, nicht auch bei einem anderen ambulanten Pflegedienst unterkommen zu können. Die vertragliche Bindung mit allen Kunden sei dagegen bereits fristgerecht gekündigt.

„Ein schöner Beruf, aber...“

Ganz umsonst soll die Arbeit bei der Cohaus-Vendt-Stiftung, indes nicht gewesen sein. „Wir wussten bereits vorher, wie Pflege funktioniert, jetzt wissen wir, wie ambulante Pflege funktioniert. Die Pläne verbleiben also in der Schublade“, sagt Hillebrand.

Es bringt daher nichts, plötzlich jeden in den Beruf stecken zu wollen, nur weil es dort gerade Löcher zu stopfen gibt.

Pflegedienstleitung Christa Wien

Dass derweil ausgerechnet Christa Wien eine Lanze für den Beruf bricht, zeigt, wie verfahren die Situation ist: „Es ist ein schöner Beruf. Aber, und das muss man auch ganz klar sagen, nicht jeder kann pflegen. Es bringt daher nichts, plötzlich jeden in den Beruf stecken zu wollen, nur weil es dort gerade Löcher zu stopfen gibt. Auch auf die Ausbildung muss mehr Wert gelegt werden, denn die ist in der Vergangenheit eher schlechter geworden“, so Christa Wien.

Eine Frage an: Gerhard Hillebrand

8000 Stellen, so sieht es der neue Koalitionsvertrag vor, sollen in der Pflege geschaffen werden. Was halten Sie davon?

Gerhard Hillebrand: 8000 Stellen für 13.000 Einrichtungen. Das macht also überschlagen 0,6 Stellen pro Haus. Klar, das ist ein Anfang. Aber woher sollen die Menschen für diese Stellen überhaupt kommen? Das ist doch viel eher der Punkt. Da gilt es unter anderem auch die Bezahlung an die Aufgaben anzupassen.

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