Einklang-Philharmonie bei Beresa
„Kaiserkonzert“ lässt sich sanft streicheln

Münster -

Beethovens fünftes Klavierkonzert wird im englischen Sprachraum auch „Emperor Concerto“ genannt – „Kaiserkonzert“. Was verständlich ist bei diesem strahlenden, rauschhaften Stück, wo die Titanenpranke mächtig auftrumpfen darf. Und wenn sie es mal nicht täte?

Montag, 19.02.2018, 23:00 Uhr
Thomas Wypior (l.) und Joachim Harder (r.)
Thomas Wypior (l.) und Joachim Harder (r.) Foto: Arndt Zinkant

Beethovens fünftes Klavierkonzert wird im englischen Sprachraum auch „Emperor Concerto“ genannt – „Kaiserkonzert“. Was verständlich ist bei diesem strahlenden, rauschhaften Stück, wo die Titanenpranke mächtig auftrumpfen darf. Und wenn sie es mal nicht täte? Wenn man das Werk als lyrisch-intime Bekenntnismusik spielen würde? Genau das führte der junge Pianist Thomas Wypior mit der Einklang-Philharmonie unter Joachim Harder grandios vor. Jene, die das Konzert schon unzählige Male gehört hatten, konnten es hier förmlich neu entdecken.

Harder offenbarte in seiner Einführung: „Wir suchen immer zuerst ein Werk aus und suchen erst dann einen passenden Solisten dafür.“ Weil seine Truppe eher klein besetzt ist, kann sie den wirklich fetten orchestralen „Punch“ ohnehin nicht schlagen. Wer also dem „Kaiser“ eine kleine Diät in punkto Klangrausch verordnen muss, ist gut beraten mit einem Pianisten, der hier vor allem den Charme und die Innigkeit sucht.

Und Wypior war der richtige Mann dafür. Gleich zu Beginn horchte wohl manch erfahrener Beethoven-Fan auf: Wie sanft lassen sich diese Läufe streicheln! Wie träumerisch klingen diese Anschlags-Nuancen. Solist und Orchester hörten wunderbar aufeinander, so dass die Musik teils kammermusikalische Züge annahm. Das mochte auch der trockenen Akustik im Autohaus Beresa geschuldet sein, welches die nomadenhaft unstete Einklang-Philharmonie sich diesmal als Konzert-Oase gewählt hatte. Aber selbst gegen diese Trockenheit spielten sie im betörenden Mittelsatz wunderbar an.

Auch das zweite Werk bürstete ein Klischee gegen den Strich: Die Grandezza, die seit Beethoven jede neunte Symphonie umweht. Dimitri Schostakowitsch schrieb 1945 eine Neunte, die keine sein will – eine „Anti-Neunte“ (Leonard Bernstein). Sehr witzig kommt diese Musik vordergründig daher, inklusive ein mehrfacher ironischer „Karnevals-Tusch“. Aber wie immer ist bei Schostakowitsch der doppelte Boden mit einkomponiert. Die Musiker meisterten das Virtuose exzellent, besonders Fagott und Flöten seien gelobt. Am Anfang gab es noch die sehr kurze Mozart-Symphonie Nr. 32, deren Ende das Publikum nicht so früh erwartete und daher ruhig verharrte. Also sprach der Dirigent: „Vielen Dank, das war sehr schön.“ Recht hatte er!

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