Gewerbsmäßige Untreue
Verwaltungsgebühren in die eigene Tasche gesteckt

Münster -

Über fünf Jahre soll eine frühere Angestellte der Stadt Münster Verwaltungsgebühren in Höhe von 167.000 Euro in die eigene Tasche gesteckt haben. Jetzt steht sie vor Gericht.

Dienstag, 20.02.2018, 07:30 Uhr aktualisiert: 20.02.2018, 08:09 Uhr
Vor dem Amtsgericht muss sich eine frühere städtische Angestellte wegen gewerbsmäßiger Untreue verantworten.
Vor dem Amtsgericht muss sich eine frühere städtische Angestellte wegen gewerbsmäßiger Untreue verantworten. Foto: colourbox.de

Eine frühere Mitarbeiterin der Stadtverwaltung muss sich wegen des Vorwurfs gewerbsmäßiger Untreue vor dem Schöffengericht verantworten. Der 62-jährigen Frau wird von der Staatsanwaltschaft zur Last gelegt, zwischen März 2011 und Januar 2016 Verwaltungsgebühren der Stadt Münster veruntreut zu haben. Hierdurch soll ein Gesamtschaden von etwa 167.000 Euro entstanden sein. Über mindestens fünf Jahre hinweg soll die ehemalige Stadt-Angestellte an insgesamt 658 Arbeitstagen Gebühren für die Ausstellung von Personaldokumenten und Reisepässen in die eigene Tasche gesteckt haben, statt sie ordnungsgemäß in der Stadtkasse zu verbuchen.

Angeklagte schwieg

Laut Anklage hat die Frau das Geld dann zur Deckung eigener Bedürfnisse verwendet. Zum Prozessauftakt äußerte sich die Angeklagte nach Verlesung der Anklageschrift nicht zu den ihr gegenüber erhobenen Vorwürfen, wie das Gericht mitteilte. Für den zweiten Prozesstag am Dienstag sind erste Zeugen geladen, heißt es weiter.

Ermittlungen in Bezirksverwaltung

Im Zuge von verwaltungsinternen Ermittlungen infolge der Aufdeckung des Falls hatte die Stadt 2016 mehr als 14 000 Arbeitsvorgänge im städtischen Bürgerbüro und den Bezirksverwaltungsstellen überprüft. Dabei konnte auch eine Sicherheitslücke in einem Computerprogramm geschlossen werden: Diese hatte es ermöglicht, trotz der Herausgabe von Personaldokumenten die Verbuchungen nicht dokumentieren zu müssen, hieß es damals.

Verdacht gegen zweiten Beamten

Der Betrugsverdacht hatte sich neben der 62-Jährigen auch gegen einen zwischenzeitlich beurlaubten Beamten gerichtet. Dieser soll aber weiter bei der Stadt be­schäftigt sein, heißt es auf Nachfrage. Der Strafrahmen für gewerbsmäßige Untreue liegt zwischen sechs Monaten und zehn Jahren. Das Schöffengericht entscheidet, wenn eine Freiheitsstrafe von mehr als zwei Jahren zu erwarten ist. Für den Prozess sind drei Verhandlungstage angesetzt.

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