Digitalisierung
«Ohne Digitalisierung funktioniert heute kein Unternehmen mehr»

Münster -

Das Thema Digitalisierung beschäftigt zunehmend die Unternehmen. Jede Branche ist betroffen. Es bedeutet eine Veränderung, die aber über die bloße Einführung einer neuen Software hinausgeht. Die Veränderung und die Beschleunigung von Prozessen stehen im Mittelpunkt der Digitalisierung. Die Nutzung und der Einsatz von digitalen Geräten wie Smartphone und Tablet sind mit im Spiel.

Mittwoch, 21.02.2018, 12:00 Uhr
Frank Rohmann beschäftigt sich schon lange Zeit mit dem Thema Digitalisierung.
Frank Rohmann beschäftigt sich schon lange Zeit mit dem Thema Digitalisierung. Foto: gh

Frank Rohmann ist ein Vorreiter der Digitalisierung. Firmen gründen ist sein Beruf. Ohne Digitalisierung, sagt er, funktioniert heute kein Unternehmen mehr.

Nirgendwo liegt ein Papier auf dem Schreibtisch. Das Büro in der dritten Etage im Whyit-Campus an der Wienburgstraße sieht aus wie leer gefegt – trotzdem passiert hier eine Menge. Frank Rohmann und sein Team von zwölf Mitarbeitern kümmern sich um die Geschäfte der „beeline solutions gmbh & co. kg“. Der 49-Jährige ist geschäftsführender Gesellschafter und beschäftigt sich mit dem Thema Digitalisierung.

Das Wort Digitalisierung ist für Rohmann der Inbegriff des Büros der Zukunft, abschreckende Wirkung zeigt es bei ihm nicht. Eigentlich habe er seit Anfang der 1990er-Jahre mit der Digitalisierung zu tun. Damals gründete Rohmann ein Unternehmen, das unter anderem Westernstiefel verkaufte. Produziert wurde in Mexiko und Spanien, verkauft bundesweit. Damals benutzte Frank Rohmann auf Messen schon mobile Drucker, um Aufträge zu bestätigen. Damit fing alles an. Aus der Schuhbranche hat sich Rohmann zurückgezogen, aber zwei Paar Schuhe bekommt er immer noch jedes Jahr als kleines Salär.

Inzwischen bewegt sich Rohmann mit seinem Unternehmergeist in der digitalen Branche. Er gründet Firmen wie Beeline. Mit diesem Unternehmen hat er nach eigenen Angaben innerhalb eines halben Jahres schon über 130 Unternehmen gewonnen – die Kundschaft reicht von der Bäckerei bis zum Industriebetrieb. Beeline ist im Bereich von Banken und Versicherungen unterwegs. „Für alle Prozesse versuchen wir einen digitalen Assistenten einzurichten.“ Rohmann erklärt die Digitalisierung heute so: „Wir versuchen, die Wertschöpfung auf direktem Wege zu erreichen.“ Kostenträger wie beispielsweise Vermittlungsgebühren, Provisionen oder Verwaltungskosten könnten seiner Meinung nach ausgeschlossen werden. Der 49-Jährige spricht von einer „smarten und transparenten Abwicklung“.

Das Thema Gehaltsextras ist für Rohmann interessant. Über 20 Bausteine stünden zur Verfügung, die Arbeitgeber ihren Arbeitnehmern zur Verfügung stellen könnten. Dabei geht es um Tankgutscheine und um Sachleistungen. Wenn Firmen keine Kantine vor Ort haben, könnten sie ihrem Arbeitnehmer via App ein Budget für das Mittagessen zur Verfügung stellen. Oder sie geben eigene Kreditkarten aus, über die der Arbeitnehmer Sachmittel beziehen kann.

Der Beeline-Chef ist überzeugt, dass heute mit der Digitalisierung ein ganzheitliches Management für den Kunden in einer analogen Welt möglich ist. Ihre Aufgabe bei Beeline sei es, eben für eine Digitalisierung entsprechend Prozesse zur Verfügung zu stellen.

Firmen wie Friseure, Reinigungsunternehmen oder die Industrie zeigten extremes Interesse an den Sachleistungen. Überall dort, wo Beschäftigte im Niedriglohnsektor tätig seien, werde um jede Kraft geworben. Hier spielten Sachleistungen zunehmend eine große Rolle, so Rohmann.

Der 49-Jährige ist überzeugt, dass Münster ein Top-Standort für die Digitalisierung sei. Jedes Unternehmen muss seiner Meinung nach digitalisiert werden. „IT ist dabei nicht Mittel zum Zweck, sondern das Herz eines Unternehmens.“

Rohmann ist überzeugt, dass in Deutschland viel mehr eigene Dienste im Internet entwickelt werden müssten: „Es sollte nicht alles den amerikanischen Konzernen überlassen werden.“ Für ihn ist aber auch die Schnelligkeit entscheidend: „Wir müssen voran und uns qualifizieren.“ Skandinavien oder Estland seien beim Thema Digitalisierung Deutschland weit voraus. Auch in Jordanien, berichtet der Unternehmer, seien viele Schüler längst mit Laptops ausgerüstet und extrem gut ausgebildet.

Die Vollbeschäftigung in Deutschland empfindet der Chef von Beeline Solutions dagegen als Fluch und Segen zugleich: „Veränderungen werden nicht so schnell angestoßen.“ Frank Rohmann wünscht sich darum, dass in den Schulen neben einer Fremdsprache auch die Softwaresprache schon unterrichtet wird. „Damit Kinder lernen, dass sie nicht nur als Konsumenten etwas selber gestalten können.“

Er selbst macht sich immer wieder auf den Weg: „Firmen gründen ist mein Beruf.“ Der Münsteraner ist nach eigenen Angaben seit dem 19. Lebensjahr damit beschäftigt. „Ich glaube auch, dass die Welt nie mehr so langsam wird wie heute. Anfang der 1990er-Jahre sei für ihn klar gewesen, dass ein digitales Unternehmen anders funktioniert als ein analoges Unternehmen. Frank Rohmann kritisiert nur die seiner Meinung nach zunehmende Regulatorik in vielen Unternehmen als ein Riesenhemmnis für weitere Entwicklungen im digitalen Prozess.

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