Barbara Hlali zeigt „Münzfrottagen“ im Krameramtshaus
Neue Welten aus den Mustern des Geldes

Münster -

Viele Kinder haben vermutlich schon mal Münzen durchgepaust, ohne zu wissen, dass das „Frottagen“ sind. Max Ernst hat vor fast hundert Jahren deren künstlerisches Potenzial entdeckt. Nun überrascht Barbara Hlali mit ihren „Münzfrottagen“.

Mittwoch, 21.02.2018, 23:36 Uhr aktualisiert: 21.02.2018, 23:40 Uhr
Münzen aus der DDR lieferten die Motive: Aus der Militärbegeisterung auf Geld wird in „Pazifist“ eine Mahnung. Aus Länderumrissen hat Hlali eine Weltkarte erstellt (kl. Bild).
Münzen aus der DDR lieferten die Motive: Aus der Militärbegeisterung auf Geld wird in „Pazifist“ eine Mahnung. Aus Länderumrissen hat Hlali eine Weltkarte erstellt (kl. Bild). Foto: G. H. Kock

Münzfrottagen von Barbara Hlali im Krameramtshaus

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Durch das „Abfrottieren“ verbindet Hlali ambivalente Welten: Münzen sind auf der einen Seite alltägliche Objekte der Kontrolle und Macht von Staat und Finanzwelt, auf der anderen Seite in Zeiten der Digitalisierung des Handels ein letzter Hort der Freiheit. Grundlage der Frottagen von Hlali sind Münzen, die als Zahlungsmittel im Gebrauch sind oder waren (also keine Medaillen). Die Künstlerin hat ausschließlich Motive des Geldes mit dem Bleistift auf Papier übertragen, also nichts hinzugefügt. Um so verblüffender sind die Bilder, die sie geschaffen hat und die als Vergrößerungen ausgestellt sind – biblische Weltlandschaften wie der faszinierende „Turm zu Babel“ – unten Hammer und Sichel, Architekten, Arbeiter, das Meer; und hinauf, an Flugzeug, Satelliten und Mond vorbei, türmen sich Prachtbauten übereinander, dass es eine Freude sein könnte, wenn der Hochmut und sein Fall nicht bekannt wären.

Hlali hat Motive sortiert und in Sujet-Collagen kombiniert: Gebirgspanoramen, Galaxien, klassische Stillleben. Besondere Tiefe erlangen die Bilder, wenn das Münzige durchklingt: Die Mächtigen haben ihren eigenen oder den Kopf prominenter Geistesgrößen für die Ewigkeit auf Münzen prägen lassen zur allseitigen Verehrung. Diesen Ego-Kult konterkariert Hlali: All die Por­träts Bedeutender sind zu einem Masse-Meer verdichtet, an dessen Gestade Menschen vergnüglich ihrer Lebendigkeit nachgehen.

Besonders eindrücklich ist die Frottage „Pazifist“: Von DDR-Münzen sind eine Jubel-Geste und ein Panzer derart gegenübergestellt, dass das Gegenteil des Heroischen vor Augen tritt: Man denke an die Szenen vom Tian’anmen-Platz oder an Ungarn 1956.

Hlali (Jahrgang 1979) ist eine vielseitige Künstlerin. Die beispielsweise im Genre Kurzfilm mehrfach ausgezeichnete Künstlerin ist am Museum Ostwall (Dortmund) tätig.

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Die Ausstellung wird am Freitag (23. Februar) um 18 Uhr im Haus der Niederlande, Alter Steinweg 6/7, eröffnet. Eintritt ist frei.

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