Akademische Orgelstunde
Neue Heimat für Orgelstunden

Münster -

Nach über 30 Jahren zieht die „Akademische Orgelstunde“, eine vom Uni-Professor Joachim Dorfmüller in Münster initiierte Konzertreihe, um. Die Dominikanerkirche steht bekanntlich nicht mehr zur Verfügung.

Donnerstag, 22.02.2018, 11:00 Uhr
Bei der akademischen Orgelstunde am Mittwoch spielten Jurate Landsbergyte und ihre Sohn Vytautas Oskinis im Gedenken an die Unabhängigkeitserklärung ihres Heimatlandes Litauen vor 100 Jahren auf Einladung von Porf. Joachim Dorfmüller (r.) – ausnahmsweise in St. Lamberti.
Bei der akademischen Orgelstunde am Mittwoch spielten Jurate Landsbergyte und ihre Sohn Vytautas Oskinis im Gedenken an die Unabhängigkeitserklärung ihres Heimatlandes Litauen vor 100 Jahren auf Einladung von Porf. Joachim Dorfmüller (r.) – ausnahmsweise in St. Lamberti. Foto: Matthias Ahlke

Das 30-jährige hat Professor Dr. Joachim Dorfmüller mit seiner „Akademischen Orgelstunde“ schon im vergangenen Jahr gefeiert. Im 32. Jahr zieht diese Institution des münsterischen Musiklebens nun um – notgedrungen.

Die Dominikanerkirche an der Salzstraße, früher katholische Universitätskirche, ist profaniert und beherbergt künftig das Pendel, das Star-Künstler Gerhard Richter der Stadt Münster überlässt. Für Dorfmüller, emeritierter Professor für Musikwissenschaft und Musikpädagogik der Universität Münster, der im kommenden Jahr 80 Jahre alt wird, ist das kein Grund, sich mit der von ihm 1987 ins Leben gerufenen Veranstaltungsreihe zur Ruhe zu setzten. „Ich bin froh, dass die akademische Orgelstunde nun in der Ludgerikirche eine neue Heimat findet“, freut sich Dorfmüller.

Die Orgel dort ist kleiner und weniger klangvoll als die frühere in der Dominikanerkirche. Aber die Reihe kann so weitergehen, sagt Dorfmüller. Alle zwei Wochen, jeweils am Mittwochmittag, organisiert er dort immer um 12.15 Uhr kleine Konzerte. Meist ist die Orgel dabei nur das Begleitinstrument. Musikstudenten mit unterschiedlichsten Instrumenten können sich hier erproben, mitunter gestaltet Dorfmüller das Programm als Organist solo.

Nur wenn bekanntere Interpreten auftreten wollen, versucht der rührige Professor in andere Kirchen mit besseren Instrumenten auszuweichen, so wie am gestrigen Mittwoch in die Lambertikirche, wo die litauische Organistin Jurate Landsbergis im Rahmen der akademischen Orgelstunde auftrat.

Auch in der Überwasserkirche und in der evangelischen Universitätskirche, der Observantenkirche an der Schlaunstraße werde es künftig akademische Orgelstunden geben.

Der Eintritt zu den kleinen Konzerten ist immer kostenlos – für Menschen, die einen Bummel durch die Stadt unternehmen oder ihre Mittagspause genießen, „eine schöne Gelegenheit, kurz zur Ruhe zu kommen und nebenbei gute Musik zu entdecken“, weiß Dorfmüller.

Bei seinen Kurzprogrammen berücksichtigt er die komplette Musikgeschichte der Orgelliteratur von der Klassik bis zur Moderne.

Studierende ermuntert er immer noch, dort aufzutreten. Die Veranstaltungsreihe hat er einst als „lampenfiebersenkende Maßnahme“ für Studierende vor dem Examen ins Leben gerufen. „Es ist immer gut, als Künstler vor Publikum aufzutreten“, meint Dorfmüller.

Einige Doktoranden betreut er immer noch. „Ich bin ja noch fit“, sagt er. Die knapp 80 Stufen hinauf zur Orgel von St. Lamberti am Mittwoch waren für ihn jedenfalls kein Problem.

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