Sa., 24.02.2018

Millionen für Münsters Fahrradstraßen Wirksame Signalfarbe oder teure Vorreiterrolle?

Millionen für Münsters Fahrradstraßen: Wirksame Signalfarbe oder teure Vorreiterrolle?

Münsters Fahrradstraßen sollen laut Plänen der Stadtverwaltung eine rote Fahrbahn bekommen. Foto: Klaus Möllers (Symbolbild)

Ist es sinnvoll, dass die Stadt alle Fahrradstraßen in Münster rot einfärben und dafür fast sechs Millionen Euro ausgeben möchte? In unserer Lokalredaktion gehen die Meinungen auseinander.

Von Lukas Speckmann und Gabriele Hillmoth

Pro: Signalfarbe wirkt

Das beste Argument für Farbe auf der Straße lautet: Sie wirkt. Das ließ sich schon bei den knallgelben Abstellflächen am Bahnhof beobachten – die sofort anstandslos akzeptiert wurden. Für Fahrradstraßen gilt das erst recht. In den Niederlanden ist Rot seit vielen Jahren deren übliches Markenzeichen, auch ohne aufwendigen gesetzlichen Überbau. Dort herrschen erfrischend klare Verhältnisse. Und zwar ganz praktisch, nicht nur in der Theorie einer überbordenden Straßenverkehrsordnung.

Hintergrund

Die Fahrradstraßen in Münster sollen rot markiert und weitere Straßen in Fahrradstraßen umgewandelt werden. Dafür nimmt die Verwaltung eine fast sechs Millionen Euro in die Hand. Zum Bericht.

Braucht der Radverkehr eine solche Signalfarbe? Leider ja. Die Einstellung, dass ein Auto im Straßenverkehr wie selbstverständlich Vorrang beanspruchen darf, steckt so sehr in den Köpfen, dass sie im Zweifelsfall auch vor einem Fahrradstraßenschild nicht haltmacht. Gefährlich für Radfahrer, die sich gerade auf einer Fahrradstraße am längeren Hebel wähnen, es aber im Zweifelsfall eben nicht sind.

Münster mag in Sachen Radverkehr vergleichsweise weit fortgeschritten sein – aber wenn der wachsenden Stadt ein wachsender motorisierter Individualverkehr erspart bleiben soll, muss noch sehr viel mehr geschehen, um die Menschen platzsparend und abgasfrei aufs Fahrrad zu bringen. Der weitere Ausbau des Fahrradstraßennetzes gehört unbedingt dazu. Mit roter Farbe. 

Lukas Speckmann


Contra: Teure Vorreiterrolle

Millionen will die Stadt Münster für rote Fahrradstraßen ausgeben. Geht es hier um eine Vorreiterrolle Münsters bundesweit oder nur um Sicherheit? Das Geld könnte sich die Stadt ohnehin sparen, wenn sich Autofahrer und Fahrradfahrer gleichermaßen an die Straßenverkehrsordnung hielten. Dann wäre die Einrichtung von solchen Fahrradstraßen und deren farbiger Markierung überflüssig. Außerdem sind Fahrradstraßen gefährlich, denn sie wiegen den Benutzer auf zwei Reifen in einer trügerischen Sicherheit. Natürlich haben Fahrradfahrer auf ihren speziellen Wegen Vorrang, aber man muss sich diese Vorfahrt nicht erzwingen. Manche Fahrradfahrer aber meinen, dass sie auf diesen Straßen rücksichtslos Gas geben können. Fußgänger bleiben dann meistens außen vor. Die Gasselstiege, die ebenfalls markiert werden soll, ist ein Paradebeispiel dafür, wo sich Radfahrer und Fußgänger in die Quere kommen. Wehe, wenn dort ein Fußgänger vor den Gummireifen eines auf Vorfahrt beharrenden Radfahrers gerät. Autos fahren hier fast gar nicht. Die Millionen, die die Stadt für die farbige Markierung von Fahrradstraßen ausgeben will, wären viel besser angelegt, wenn sie vorhandene Radwege sanieren und ausbauen würde. Lockere Pflastersteine sind Stolpersteine und keine Seltenheit.

Gabriele Hillmoth


Zustimmung in Online-Umfrage 

Der Vorschlag der Verwaltung, die Zahl der Fahrradstraßen fast zu verdoppeln und diese künftig rot zu markieren, kommt bei den Bürgern offenbar gut an. Bei einer Online-Umfrage unserer Zeitung haben sich zwei von drei Teilnehmern für rote Fahrradstraßen ausgesprochen. Ab kommende Woche werden die politischen Gremien über den Verwaltungs-Vorstoß diskutieren. Das Tiefbauamt hofft, dass die Markierungsarbeiten auf sämtlichen Fahrradstraßen innerhalb von fünf Jahren abgeschlossen werden können.

Kontroverser fällt die Diskussion hingegen auf der Facebook-Seite unserer Zeitung aus. „Offensichtlich notwendig. Und das nur, weil mancher Autofahrer nicht in der Lage ist, Schilder zu lesen, Piktogramme zu deuten – oder Radfahrer schlicht als minderwertige Verkehrsteilnehmer ansieht“, meint Moritz Hesse. „Fahrradstraßen sind doch nur Alibikonstrukte, um Punkte beim Erreichen (des Titels) fahrradfreundlichste Stadt zu erhalten“, glaubt hingegen Frank Hackenholt. „In Wahrheit wird auf diesen Straßen versucht, (...) den Verkehr zu bremsen.“

Die Radfahrer nimmt Rudolf Schapmann ins Visier: „Statt in Fahrradstraßen sollte die Stadt in Personal investieren, das dafür sorgt, dass Fahrradfahrer die STVO respektieren“, meint dieser User.

Andre Dierker merkt an: „Mit dem Geld könnte man besser überlegen, wie man die Autofahrer besser leitet und diese somit gar nicht erst in die Nähe von Fahrradstraßen kommen. Ich glaube kaum, dass rote Farbe die Autofahrer abhalten wird.“

Der Kommentar von User Benno Lehmann: „Wahnsinn, das ändert in Zukunft natürlich alles. Sämtliche Verkehrsprobleme sind damit gelöst.“ Demgegenüber ist User Ralf Klem überzeugt: „Mit gegenseitiger Rücksichtnahme kommt man auch weiter.“

(kal)



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