Sa., 24.02.2018

Interview zum Hansaviertel „Der Kiez ist gefährdet“

Susanne Schöneich organisiert den Protest gegen das geplante Fällen von zwei Platanen.

Susanne Schöneich organisiert den Protest gegen das geplante Fällen von zwei Platanen. Foto: Matthias Ahlke

Münster - 

Praktisch über Nacht ist die 27-jährige Susanne Schöneich zur Galionsfigur des Widerstandes gegen das geplante Fällen von Bäumen am Hansaring geworden. Im Interview erklärt sie, warum der Unmut im Viertel so groß sind.

Von Klaus Baumeister

Die aus Düsseldorf stammende Studentin der Kulturpoetik an der Universität Münster organisiert die Aktionen der Initiative „Platanen-Power“. Mit ihr sprach unser Redakteur Klaus Baumeister.

Hand aufs Herz, Frau Schön­­eich: Wann haben Sie von der geplanten Fällung der Platanen am Hansaring erfahren?

Susanne Schöneich: Ich habe davon am vergangenen Mittwoch in den WN erfahren. Der Bericht wurde per Facebook geteilt.

Die Stadtwerke Münster erklären, ihre Pläne bereits bei einer Bürgerversammlung im September 2017 vorgestellt zu haben. Warum haben Sie damals nichts davon mitbekommen?

Schöneich: Gute Frage. Ich kann mich auf jeden Fall nicht herausreden, denn ich habe damals schon hier im Quartier gelebt. Die Postwurfsendung, die hier verteilt wurde, habe ich nicht registriert. Inzwischen habe ich mir den Zettel angesehen, der in unserem Nachbarhaus noch hängt. Von den beiden Platanen, die gefällt werden sollen, ist da aber nichts zu lesen.

Auf der Bahnhofsostseite wurden vor wenigen Tagen große Bäume gefällt, ohne dass sich öffentlicher Protest geregt hat. Warum ist es am Hansaring anders?

Schöneich: Die Menschen hier im Hansaviertel merken, dass sich unheimlich viel verändert. Viele haben Angst, dass das Flair dieses Quartiers verloren geht. Die Bäume am Hansaring passen zu dem Kiez, und dieser Kiez ist gefährdet.

Sind die Platanen charakteristisch für dieses Quartier?

Schöneich: Ja, durchaus.

Wie haben die 40 Mitstreiter der Bewegung „Platanen-Power“ zueinandergefunden?

Schöneich: Wir haben uns am Samstag ab 7 Uhr spontan unter den Platanen eingefunden und uns dort kennengelernt. Die Gruppe wurde immer größer. Unser erster Teilerfolg bestand darin, dass an dem besagten Samstag die Bäume nicht gefällt wurden.

Kann man von einer Bürgerinitiative sprechen?

Schöneich: Eher von einer Nachbarschaftsgruppe.

Haben Sie in Ihrer Gruppe schon viele neue Menschen kennengelernt?

Schöneich: Ja. Hier engagieren sich Mütter, Väter, Großeltern, auch Kinder sind dabei. Wir sind ein guter Querschnitt unseres Quartiers.

Warum ist aktuell der Unmut im Hansaviertel so groß?

Schöneich: Ich lebe erst seit gut einem Jahr im Hansaviertel, deshalb kann ich über die Entwicklung zuvor nur wenig sagen. Aber der Bau des E-Centers sorgt für Verärgerung. Generell haben die Menschen das Gefühl, dass sie auf die Entwicklung des Hansaviertels keinen Einfluss nehmen können.

Die Anwohner beklagen die hohe Verkehrsbelastung, zugleich hält Ihre Nachbarschaftsgruppe eine vorübergehende Einspurigkeit auf dem Hansaring zum Schutz der Bäume für machbar. Woher nehmen Sie diesen Optimismus?

Schöneich: In der Tat, die Verkehrsbelastung ist sehr hoch. Aber der Erhalt der beiden Bäume ist für uns ein so wichtiges Ziel, dass wir bereit sind, die Unannehmlichkeiten und Belastungen, die mit der vorübergehenden Einspurigkeit verbunden sind, in Kauf zu nehmen. Mit Staus und Lärm kennen wir uns ohnehin gut aus. Unser Optimismus rührt daher, dass wir erwarten, dass die bei der Versammlung am Mittwoch im Stadtwerkegebäude von den Bürgern eingebrachten vielfältigen Alternativvorschläge auf ihre Umsetzbarkeit untersucht werden und die Verantwortlichen zu einem für die Bürger positiven Ergebnis kommen.

Mit der weiteren Bebauung des Hafen-Areals bekommt das Quartier noch mehr Verkehr. Beunruhigt Sie das?

Schöneich: Ja, auf jeden Fall. Gut wäre es, wenn mal die Umgehungsstraße ausgebaut ist und dann für Pendler die Möglichkeit besteht, drum herum zu fahren. Man muss dann nicht länger die Stadt durchqueren.

Stadtrat Wolfgang Heuer hat am Mittwoch erklärt, dass die Platanen bis zum Abschluss der aktuellen Prüfungen und der Vorstellung des Ergebnisses nicht gefällt werden. Glauben Sie ihm?

Schöneich: Wir möchten ihm das gerne glauben. Aber auch bei der Versammlung am Mittwochabend kamen die Antworten sehr zäh. Herr Heuer gab die Zusicherung ja erst nach mehrmaligem Nachfragen. Wir bleiben also wachsam. Die Anwohner am Hansaring sind sensibilisiert. Sobald wir auch nur den leisesten Verdacht haben, dass die Baumfällung unmittelbar ansteht, werden wir wieder da sein.



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