Gleiches Problem, andere Lösung
Münsters Tafel unterscheidet bei der Ausgabe nicht nach Nationalität

Münster -

Nur noch Deutsche als Neukunden wie die Tafel in Essen, steht in Münster nicht zur Debatte. Aber auch die hier kennt die Tafel Probleme mit Aggressivität und Scheu, hat aber nach eigenen Angaben dafür Lösungsstrategien entwickelt.

Freitag, 23.02.2018, 19:00 Uhr aktualisiert: 23.02.2018, 19:08 Uhr
Die Vielfalt des Angebots, das  die ehrenamtlichen Helfer, hier Hans-Joachim Elbert, für die Tafel erhalten, sinkt. Um Kunde der Tafel zu werden, braucht es einen Bedürftigkeitsnachweis.
Die Vielfalt des Angebots, das  die ehrenamtlichen Helfer, hier Hans-Joachim Elbert, für die Tafel erhalten, sinkt. Um Kunde der Tafel zu werden, braucht es einen Bedürftigkeitsnachweis. Foto: bm

Die Maßnahme der Essener Tafel, nur noch Deutsche als Neukunden aufzunehmen, sorgt gerade bundesweit für Diskussionen – und völlig unterschiedliche Meinungen. Man wolle einem „schleichenden Verdrängungsprozess“, so zitiert die WAZ den Essener Tafelvorsitzenden Jörg Sartor, von Senioren und alleinerziehenden Müttern entgegenwirken.

Roland Goetz, Vorsitzender der Tafel in Münster, sagt, er könne das Vorgehen in Essen nachvollziehen. Er betont aber auch, dass man in Münster so nicht handeln werde: „Wir führen keine Listen über die Menschen, sondern verteilen das, was wir bekommen.“ Eine Sichtweise, die sich schon aus dem Zweck ergebe, zu dem der Verein einst gegründet worden sei: „Wir wollten, das keine Lebensmittel vernichtet werden müssen“, erinnert Goetz an eine Zeit, in der der Lebensmittelüberschuss ein viel diskutiertes Thema war.

Heute allerdings sehe das anders aus, das Angebot an Lebensmitteln für die Tafeln sinke, parallel aber seien die sozialen Erwartungen an die Einrichtungen gestiegen. Das führe, und hier schließt sich offenbar der Kreis zu den Berichten aus Essen, über kurz oder lang zu Aggressivität, so Goetz. Mit solcher hätte es auch die Tafel in Münster immer mal wieder zu tun – in aller Regel ausgehend von Männern, die es beim Warten nicht gewohnt seien, dass ihnen Frauen gleichgestellt seien, sagt Goetz.

Aus dieser Beobachtung heraus hat man nach einem Umgang mit der Situation gesucht – und Lösungen gefunden. Bezirksbeamte der Polizei hätten auf Bitten der Tafel bei den Ausgaben immer mal wieder vorbeigeschaut. Das, lobt Goetz ausdrücklich, habe die Situation merklich entspannt. „In Essen sind sie da vielleicht noch nicht so weit“, sagt der Münsteraner.

Dennoch gebe es in Münsters Tafel aktuell die Überlegung, den 21 Ausgabestellen eine weitere hinzuzufügen, exklusiv für ältere Mitbürger. „Das ist aber noch nicht beschlossen“, betont Goetz, dass darüber noch abgestimmt werden müsse.

Zahlen

Aus einem Umkreis von rund 200 Kilometern beziehe die Tafel in Münster Güter, sagt ihr Vorsitzender. Fast 500 000 Kilometer sind die drei Fahrzeuge des Vereins dafür im Jahr unterwegs. An rund 30 000 Familien, so Roland Goetz, werde jährlich ausgegeben. Ausgaben an andere Vereine und Einrichtungen seien da nicht mitgerechnet.

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