Diagnose anhand von Gemälden
Die Mona Lisa sollte dringend mal zum Arzt

Münster -

Hermann Haller hat Kunstgeschichte studiert, bevor er ein berühmter Arzt wurde. Bei der „Stiftung Herzzentrum Münster“ hielt er nun einen Vortrag über Krankheiten auf Gemälden.

Samstag, 24.02.2018, 15:00 Uhr aktualisiert: 24.02.2018, 21:24 Uhr
Prof. Hermann Haller ist Preisträger der Stiftung Herzzen­trum Münster.
Prof. Hermann Haller ist Preisträger der Stiftung Herzzen­trum Münster. Foto: Lukas Speckmann

Albrecht Dürer ist ein Patient, von dem die Ärzte träumen. Der Meister hat ein kleines Selbstporträt für die Sprechstunde angefertigt, einen anatomisch korrekten Halbakt; als rüstiger Mittfünfziger deutet er auf eine gelblich verfärbte Stelle am Oberbauch und schreibt dazu: „Hier tut es mir weh.“

Prof. Dr. Hermann Haller, der Leiter der Klinik für Nieren- und Hochdruckerkrankungen in der Medizinischen Hochschule Hannover und Kunsthistoriker aus Leidenschaft, begnügt sich nicht mit diesem kurzen Eindruck. Er forscht gründlicher: nach der Geschichte des Künstler-Patienten, nach seiner Familie, seinen Reisen, seinen Briefen. Patient Dürer hat fast nichts zu verbergen.

Spannender Vortrag

Hermann Haller ist der diesjährige Preisträger der „Stiftung Herzzentrum Münster“. Und er bedankte sich für die Auszeichnung unter anderem mit dem spannenden Vortrag „Der diagnostische Blick“ im Gebäude der Bezirksregierung am Domplatz – es geht um Krankheiten auf Gemälden.

Drei prominente Patienten hat er mitgebracht: Neben dem fieberkranken Dürer noch ein kleines Teufelchen, das auf dem Isenheimer Altar Matthias Grünewalds den heiligen Antonius plagt. Und das, bei aller dämonischen Verzerrtheit, doch deutlich Symptome jener Krankheit zeigt, die den Ärzten des 16. Jahrhundert als „Heiliges Feuer“ bekannt war. Nichts anderes als eine Mutterkorn-Vergiftung, wie Haller überzeugend ausführt.

Mona Lisa hat eine Fettstoffwechselstörung

Patientin Nummer drei: die Mona Lisa. Die ist im Louvre hinter so dickem Panzerglas verwahrt, dass sich die kleine Geschwulst am Augenlid kaum wahrnehmen lässt. Ähnliche Verformungen sind auch an ihren Händen zu erkennen – die übrigens merkwürdig aufgedunsen wirken. Künstlerische Freiheit? Nicht, wenn man ihre Hände mit anderen von Leonardo da Vinci gemalten Händen vergleicht – die sind nämlich meist recht sehnig . . . Eine Fettstoffwechselstörung ist mehr als wahrscheinlich.

Wer hinschaut und sich ein genaues Bild vom Patienten macht, ist oft der bessere Arzt, lautet Hallers Credo: „Das ist nicht das Schlechteste für Medizinstudenten.“

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