Tanztheater „Hold On“ liefert feine Bilder
Starkes Stück mit vielen Stöcken

Münster -

Am Ende ist der Despot besiegt. Eine junge Frau hat ihm energisch, aber doch sanft den Bambusstock aus den Händen genommen. Da sitzen die beiden still im Scheinwerferkegel. Das Publikum versteht diese finale Botschaft des Tanzabends von James Wilton unter dem Titel „Hold On“. Die Friedfertigkeit siegt. Donnernder Applaus im Kleinen Haus.

Sonntag, 25.02.2018, 16:14 Uhr
Jason Franklin hat den Stock, und Elizabeth D.­ Towles muss springen.
Jason Franklin hat den Stock, und Elizabeth D.­ Towles muss springen. Foto: Oliver Berg

Der Gastchoreograf aus Großbritannien und die ihm fremde Compagnie füllen 75 Minuten ihres tänzerisch wie technisch hochanspruchsvollen Programms mit eingängigen, mal bedrückenden, dann wieder befreienden Bildern. Die Bambusstöcke, die Wilton als zentrales Requisit einsetzt, lassen in der Interpretation einer krisenhaften und total vernetzten Welt viele Deutungsmöglichkeiten zu. Und sie werden auch im Dienst einer stetigen Bewegungssteigerung eingesetzt.

Zunächst agieren die zehn münsterischen Tänzer eher spielerisch, stellen einen Stab in die Mitte, lassen ihn zur Seite fallen und fangen ihn wechselseitig auf, kurz bevor er zu Boden fällt. Dann kommt Gruppendynamik in die Runde. Es bilden sich Pärchen und Grüppchen, die sich aneinander oder an einen Bambusstab festhalten. Einzelne fallen heraus, werden in die Gruppe zurückgeholt. Dazwischen: eine Purzelbaumparade über die gesamte Bühne. Eine Stimme aus dem Off raunt von sozialen Netzwerken, Ausforschung der Privatsphäre, künstlicher Intelligenz. Das ist die soziale, mediale Krise.

Doch im Zentrum bleiben die Bambusstöcke: Als Knute, als Mühle, durch die Menschen gedreht werden, aber auch als Grenze, die man nicht überschreiten darf. Schließlich bauen die Akteure eine Art Hütte zusammen, die dann zusammenkracht. Das stärkste Bild ergibt sich, als aus den Stäben zwölf kleine Quadrate entstehen – wie kleine Einzelzellen für Gefangene. Einer der Tänzer vergrößert seinen Raum und drängt die anderen auf kleinem Terrain zusammen. Der Egomane gegen die Gemeinschaft.

Münsters Tanztheater läuft unter Wilton, der sich auch von Kampfkunst inspirieren lässt, zu Hochform auf, zeigt Sprünge, Verdrehungen, schweißtreibende Hebefiguren. Das sind 75 dynamische Minuten, die ebenso Nachdenklichkeit wie Freude am Tanz vermitteln.

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