Frank-Markus Barwasser in der Aula am Aasee: „Weg von hier“
Pelzig hält sich weiter wacker

Münster -

„Am besten nur noch weg von hier aus der Wirklichkeit, weil alles zu furchtbar ist!“ Das empfiehlt Frank-Markus Barwasser alias Erwin Pelzig. Wer ihn bisher aus der Talk-Show „Pelzig hält sich“ im Fernsehen kannte, konnte den 58-jährigen Franken am Samstag live in der Aula am Aasee erleben.

Sonntag, 25.02.2018, 18:12 Uhr aktualisiert: 26.02.2018, 10:33 Uhr
Frank Markus Barwasser bot als Erwin Pelzig in die Aasee-Aula Analysen zur Zeit.
Frank Markus Barwasser bot als Erwin Pelzig in die Aasee-Aula Analysen zur Zeit. Foto: klm-

Das Tour-Programm „Weg von hier“ hat – bis auf die Abwesenheit von Gesprächspartnern – viel gemein mit jenem bissigen und amüsanten Konfrontations-Talk, in dem der Gesprächsgast meist den Kürzeren zieht. Bloß erzählte Frank-Markus Barwasser frei und ließ die knapp 400 Besucher seinen kabarettistischen Einschätzungen der Welt folgen.

So setzt Kunstfigur Pelzig – gewohnt mit Cord-Hut und in Trachtenjacke – auf Tempo. Im Hinblick auf die teils staccatoartig vorgetragenen Gedankengänge über „die rasend schnellen Veränderungen in der Zeit“ und den Rat, „auch mal einen Perspektivwechsel“ bei sich vorzunehmen, waren die Besucher gut beraten, aufmerksam zu bleiben und sich gefühlsmäßig den Achterbahnfahrten in Pelzigs Stimmungen anzuschließen.

Empörend für ihn ist es etwa, dass der Autohersteller VW Affen Abgase einatmen ließ, „um die Ungefährlichkeit der Gase“ zu beweisen. „Warum haben sie statt der Affen nicht alle neun Vorstände dafür genommen?“, fragte Pelzig. „Wäre das nicht viel glaubwürdiger gewesen?“ Dass bei bekannten Abgasmanipulationen von „Schummel-Software“ gesprochen werde, sei verharmlosend. Und dass Manager der Deutschen Bank „eine Milliarde Euro an Boni bekommen, obwohl die Bank gar keinen Gewinn gemacht hat“, eine Schande, schimpfte Pelzig. „Das sind unsere Eliten“, so folgerte er mit einer Prise Zynismus.

Es geht in Barwassers Programm um Politik und gesellschaftliche Zustände, um Ängste der Menschen vor Veränderungen und um einen abschätzigen Blick auf Egoisten. Ab und zu befragt Barwasser alias Pelzig schon mal das Publikum, etwa so: „Wer glaubt, dass Trump gar kein Mensch ist, sondern ein reptilienartiges Wesen, das sich große Mühe gibt, auszusehen, wie Marilyn Monroe?“ Das Publikum in Münster lacht dazu.

Von einem zum anderen Moment schafft Barwasser es, auf der nur mit Tisch und zwei Stühlen ausgestatteten Bühne ein Dreier-Gespräch zu spielen – zwischen seinen Protagonisten Pelzig, dem Intellektuellen Dr. Göbel und dem einfach gestrickten Hartmut. Schauspielerisch war auch das eine überzeugende Leistung.

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