Kälte trifft vor allem Obdachlose
Gemeinsam gegen die Kälte

Münster -

Die Heizung aufdrehen, heiß duschen oder eine Suppe kochen – das alles hilft gegen die Kälte, die auch Münster im Moment im Griff hat. Obdachlose können all das nicht und sind deshalb auf Hilfe angewiesen.

Montag, 26.02.2018, 21:00 Uhr
Kälte trifft vor allem Obdachlose: Gemeinsam gegen die Kälte
Zu zweit lässt sich die Kälte besser aushalten, da sind sich Leo (l.) und Maik einig. Der Kälteeinbruch ist für viele Obdachlose besonders schwierig, die meisten Unterkünfte in der Stadt sind zudem belegt. Foto: Matthias Ahlke

Fröstelnd steht Leo auf den Paletten vor ihrer Unterkunft. Sie trägt drei Pullover, und trotzdem zittert die 21-Jährige. Sie und ihr Mann Maik sind obdachlos. Am Hafengrenzweg haben sie sich aus Holz, Planen und Decken eine Hütte gebaut. Doch die bietet keine Wärme, wenn die Temperaturen nun auf knapp minus neun Grad sinken.

„Man muss damit zurechtkommen“

Trotz der niedrigen Temperaturen halten es Leo und Maik draußen aus. „Man muss damit zurechtkommen“, sagt die 21-Jährige. Kerzen und kleine Feuer sorgen zumindest zwischendurch für etwas Wärme. „Wir versuchen mit unseren eiskalten Händen Holz zu sägen“, sagt der 42-Jährige Maik. Das Wichtigste sei jedoch, „dass man nicht alleine ist“. Zu zweit friere man nicht ganz so sehr. Trotzdem werde man erfinderisch, wenn es so kalt ist, sagt Leo. Die beiden stellen Kerzen unter einen Terrakotta-Topf, in dem ein Loch ist: „Das funktioniert ein bisschen wie ein Kamin.“

700 Obdachlose in Münster

Leo und Maik sind zwei von etwa 700 Obdachlosen in Münster, wie Thomas Mühlbauer, Leiter des Hauses der Wohnungslosenhilfe (HDW), sagt. Während einige freiwillig auf der Straße leben, gelten die meisten als Notfälle. Hilfsangebote gibt es für alle, wie Marco Ruppel, stellvertretender Leiter der Fachstelle Wohnungssicherung im Sozialamt, sagt. Das HDW hat etwa 130 Plätze, beim Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) gilt eine andere Regelung, wie Ingrid Hövelmann sagt: „Wir haben keine begrenzten Plätze. Wenn zehn schon drin sind, lassen wir die elfte nicht draußen erfrieren.“

„Es muss niemand auf der Straße schlafen, der es nicht explizit möchte“

Von Oktober bis März stehen auf dem ehemaligen Betriebsgelände der Firma Cas­per Hessel Container. „Da können wir noch einmal etwa 20 Personen unterbringen“, sagt Ruppel. Zwar seien fast alle Unterkünfte voll, trotzdem habe man immer eine Lösung gefunden. „Es muss niemand auf der Straße schlafen, der es nicht explizit möchte“, so Ruppel. Es gebe aber auch Menschen, die keine Hilfe annehmen.

Facebook-Gruppe „Dieters Lächeln“

Der Kälteeinbruch hat bei der Stadt nicht dazu geführt, noch andere spontane Maßnahmen zu ergreifen. Anders ist das bei Torsten Grosse. Der Münsteraner ist Initiator der Facebook-Gruppe „Dieters Lächeln“ . Am Sonntag haben knapp 20 Helfer am Bremer Platz Decken, Kleidung und Tee verteilt. „Wir haben das in den vergangenen Jahren zu Weihnachten gemacht“, sagt Grosse. Entstanden sei das aus der Idee heraus, „einfach mal etwas zurückzugeben“.

Am Sonntag sei die Resonanz sehr gut gewesen, viele Obdachlose hätten die „unkonventionelle Hilfe“ dankend angenommen. Da es weiter kalt bleibt, ist für Mittwoch noch eine Aktion geplant. „Um 17 Uhr treffen wir uns am Busbahnhof an der Hafenstraße“, so Grosse. Die Bäckerei Hosselmann stelle Brötchen bereit, außerdem gebe es heißen Kaffee.

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