Unter falschem Verdacht
Wie die Polizei einen Fahrradbesitzer zum Dieb machte

Münster -

Dass es mit der Wahrheit manchmal nicht ganz so einfach ist, hat die Polizei Münster nun erfahren. Sie machten einen unschuldigen Mann in einer Pressemitteilung zum Fahrraddieb.

Donnerstag, 01.03.2018, 21:00 Uhr aktualisiert: 01.03.2018, 21:16 Uhr
Unter falschem Verdacht: Wie die Polizei einen Fahrradbesitzer zum Dieb machte
Foto: dpa (Symbolbild)

Als die Polizei vor wenigen Tagen einen 52-jährigen Mann am Hauptbahnhof stoppte, schien auf den ersten Blick alles eindeutig zu sein: Der Münsteraner trug am frühen Abend ein verschlossenes Gazelle-Rad auf der Schulter. Bei der Überprüfung der Rahmennummer stellte sich heraus, dass das Fahrrad gestohlen worden war. Doch der vermeintliche Leezendieb beteuerte, das Rad für 170 Euro bei einem Händler gekauft zu haben: „Ich habe der Polizei vor Ort vorgeschlagen, dass meine Partnerin sofort per Whatsapp ein Foto der Quittung schicken könnte.“ Die Beamten, so erzählt es Bruno Sardo, hätten ihm versichert, er sei glaubwürdig. Das gestohlene Fahrrad aber müssten sie sicherstellen, der Rest werde sich schon klären.

Für Sardo, der gerade auf dem Heimweg von der Arbeit war, schien die Sache quasi erledigt. Er hatte seinen Fahrradschlüssel nicht finden können und habe deshalb sein Rad nach Hause tragen wollen, schildert er die unglücklichen Umstände des Abends. 48 Stunden später fällt der Motopäde aber aus allen Wolken: In einer offiziellen Polizeimeldung aus der Feder der Pressestelle liest Sardo von einem „52-jährigen Fahrraddieb am Berliner Platz“, den nun ein Strafverfahren erwarte. Dabei sollte doch in seinem Fall eigentlich alles geklärt sein.

Angst um den guten Ruf

Sardo, der seit fast 24 Jahren in Münster lebt, fürchtet plötzlich um seinen Ruf. „Denn Bekannte fuhren bei der Kontrolle vorbei und haben mich angeguckt.“ Wenn die nun lesen, dass . . . – Sardo schwant Böses. Er schreibt einen Brief an die Polizei-Pressestelle: „Ihre Artikel werden zum Teil von verschiedenen Zeitungen zitiert (...). Gerade deshalb ist es von enormer Wichtigkeit, dass Artikel keine Unwahrheiten beinhalten.“

Eine Entschuldigung klingt anders

Am Friesenring ist man sich keines Fehlers bewusst. Man habe nach „Faktenlage“ davon ausgehen müssen, dass der 52-Jährige ein Fahrraddieb sei, erklärt Polizei-Sprecher Andreas Bode. „Auf dieser Basis haben wir die Pressemitteilung veröffentlicht.“ Inzwischen ist klar, dass das ursprünglich gestohlene Fahrrad zwischenzeitlich als Fundstück verwahrt wurde und später bei besagtem Händler landete, wo Sardo es kaufte. Der Polizei-Sprecher: „Sich darüber zu mokieren, dass er erkannt wird, ist irrig.“ Eine Entschuldigung hört sich für den Betroffenen wohl anders an.


Die Pressemitteilung der Polizei im Wortlaut:

Polizisten stellen Fahrraddieb am Berliner Platz

Münster (ots) - Polizisten stoppten Dienstagabend (20.2., 18.15 Uhr) einen 52-jährigen Fahrraddieb am Berliner Platz. Die Beamten entdeckten den Münsteraner, wie er ein verschlossenes Fahrrad auf der Schulter trug und kontrollierten ihn. Bei der Überprüfung der Rahmennummer kam heraus, dass die Leeze nicht dem 52-Jährigen gehört und gestohlen wurde. Die Beamten stellten das Gazelle-Rad sicher, den Münsteraner erwartet ein Strafverfahren.

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