So., 04.03.2018

Alternativbaustellen zum Erhalt der Platanen Überall Staus und Engpässe

Diese Karte fasst die Prüfergebnisse von Stadt, Stadtwerken, Polizei und einem Ingenieurbüro zusammen. Sie zeigt die Konsequenzen von anderen Baustellen-Szenarien auf.

Diese Karte fasst die Prüfergebnisse von Stadt, Stadtwerken, Polizei und einem Ingenieurbüro zusammen. Sie zeigt die Konsequenzen von anderen Baustellen-Szenarien auf. Foto: Stadt Münster/Jürgen Christ

Münster - 

Die Gegner der geplanten Platanen-Fällaktion am Hansaring wollen ihren friedlichen Protest fortsetzen - obwohl das Prüfurteil der Stadtwerke für alternative Straßenführungen vernichtend ausfiel.

Von Martin Kalitschke, Karin Höller

Mit der Entscheidung der Stadtwerke vom Freitag, die Platanen am Hansaring zu fällen (wir berichteten), wollen sich die Anwohner nicht abfinden. Am Sonntag halten rund 30 Gegner im Schatten der großen Bäume Wache, sprechen bei Kaffee und Kuchen das weitere Vorgehen ab. Auch wenn die Kettensägen angesetzt werden sollen, womit die Aktiven hier täglich rechnen, „wird unser Protest friedlich bleiben“, bekräftigt Susanne Schöneich.

Wann genau die Platanen gefällt werden sollen, wollte Stadtwerke-Geschäftsführer Dr. Dirk Wernicke am Freitag nicht sagen. Zuvor hatten Stadt, Stadtwerke, Polizei und ein Ingenieurbüro von Anliegern vorgeschlagene alternative Baustellen-Szenarios durchgespielt, mit denen die Bäume hätten erhalten werden können. Doch alle fielen bei den Experten durch. Die Vorschläge seien offensichtlich nur halbherzig geprüft worden, „es gab keine neutrale Instanz, die bei dieser Prüfung hinzugezogen wurde“, so Schöneich.

Der wohl kurioseste Vorschlag: die Fahrspuren des Hansarings mit einer Art Brücke quasi doppelstöckig zu führen. Ergebnis der Verwaltung: nicht nur zu teuer, sondern baulich kaum realisierbar. Ein weiterer Vorschlag sah die Vollsperrung des Hansarings während der Sommerferien vor. Eine solche Sperrung hätte erheblichen Verdrängungsverkehr zur Folge gehabt, so die Verwaltung – unter anderem auf der Bremer Straße mit dem Knotenpunkt Bremer/Wolbecker Straße, der ein Unfallhäufungspunkt ist. Zudem hätte sie zu einer Verkehrszunahme vor Hauptbahnhof und Landeshaus geführt. Im Umkreis hätten Fahrten der Rettungsdienste mehr Zeit erfordert. Weiter weist die Verwaltung die Einschätzung zurück, dass in den Sommerferien weniger Verkehr auf dem Hansaring unterwegs sei.

Eine weitere Option sah vor, die (private) Theodor-Scheiwe-Straße zu öffnen und den Hansaring in Richtung Westen zur Einbahnstraße zu machen. Auch bei dieser Alternative sah die Stadt Verdrängungsverkehr – unter anderem in der Schillerstraße, der Bremer Straße und der Wolbecker Straße. Die Situation an den Unfallhäufungspunkten hätte sich weiter verschärft. Daneben sei die Theodor-Scheiwe-Straße baulich nicht sicher genug für eine solche Lösung. 190 000 Euro hätten in Straße, Beleuchtung und Ampeln investiert werden müssen, so die Berechnungen der Verwaltung. Investitionen, die ohnehin im Rahmen des Verkehrskonzepts zur Realisierung des geplanten E-Centers nötig würden, so die Argumentation der Anwohner.

Zurückgewiesen wurde in der Prüfung auch, den Hansaring vorübergehend zur Einbahnstraße zu machen. So wären 8500 Fahrzeuge pro Tag flächenhaft in benachbarte Bereiche verdrängt worden. Ohne Gewährleistung einer nahe gelegenen Alternativstrecke für die untersagte Gegenrichtung, aufgrund zu erwartender Staus sowie der notwendigen Einsatzzeiten der Rettungsdienste wäre auch dies keine Option gewesen, so die Verwaltung.

Eine Absage gab es auch für den Vorschlag, den Verkehr nur einspurig an der Baustelle vorbeizuführen und in beide Richtungen mit einer Baustellenampel zu regeln. Eine solche Lösung hätte wegen der hohen Verkehrsbelastung zu einer Überlastung der umliegenden Knotenpunkte und Straßen geführt.

Auch der Vorschlag, den Verkehr bei einer Einbahnstraße Hansaring durch Schillerstraße und Osmo-Halle zum Hafenweg zu führen, wäre nicht umsetzbar gewesen, heißt es. Der LVM beginnt in Teilbereichen der Osmo-Hallen in Kürze mit Abbrucharbeiten. Zudem seien Teile der Hallen nach wie vor einsturzgefährdet.



http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5566169?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686135%2F2686808%2F2686822%2F