Interview mit Laith Al-Deen
Das Gefühl der Gemeinschaft

Münster -

Mit seinem neunten Studioalbum ist Laith Al-Deen auf Tour. Oder eher auf Konzertreise, wie er sagt. Von einem „kleinen Burnout“ lässt sich der Mannheimer dabei nicht aufhalten.

Dienstag, 06.03.2018, 09:00 Uhr
Der Musiker Laith Al-Deen ist derzeit mit seinem aktuellen Album auf Tour – obwohl er Hotelaufenthalte nicht leiden kann.
Der Musiker Laith Al-Deen ist derzeit mit seinem aktuellen Album auf Tour – obwohl er Hotelaufenthalte nicht leiden kann. Foto: pd

„Bleib unterwegs“ ist das neunte Studioalbum von Laith Al-Deen. Der deutsche Popsänger und Musikproduzent, der heute in Mannheim lebt, ist seit 2016 mit dem Album auf Tour – im März auch in Münster. Mit unserem Redaktionsmitglied Anna Spliethoff sprach der 46-Jährige über das Reisen und seine Heimat.

Ihr Album „Bleib unterwegs“ erschien 2016. Doch Sie bleiben damit auch 2018 unterwegs. Warum?

Laith Al-Deen: Ehrlich gesagt ist es so, dass wenn ein Albumzyklus noch nicht vorbei ist, habe ich noch nie einen Grund gesehen, ein Album nicht weiter zu promoten. Meine Tour zum Album war immer eine Abbildung des Albums. Alles was danach kam, mischte sich mit einem musikalischen Rückblick. Das passiert jetzt auch wieder. Ich kriege keinen Abstand dazu.

Ist es also mehr eine Konzertreise als eine Tour?

Al-Deen: Auf jeden Fall. Ich habe mal erzählt, dass ich eine Dokumentation über B. B. King (Blues-Musiker, Anm. d. Red.) sah, der bis in sein hohes Alter zwischen 180 und 250 Gigs pro Jahr gespielt hat. Das muss man erstmal schaffen, und natürlich muss man auch die Leidenschaft aufbringen, um so mit der Bühne verbunden zu sein. Aus der Idee, ein Musiker zu sein, entsprang bei mir die Idee, unterwegs zu sein.

Das klingt, als wären Sie sehr gerne auf Reisen. Haben Sie auch einen Heimathafen, zu dem Sie immer gerne zurückkehren?

Al-Deen: Natürlich ist alles rund um Mannheim schon eine ganze Weile meine Heimat. Und es ist auch die Stadt, die mir am meisten das Ankommen vermittelt. Wenn man viel unterwegs ist, ist es aber auch schön, da ein bisschen Heimatgefühl zu bekommen, wo man es fühlen kann. Insofern baue ich auf den Verbund von Leuten, mit denen ich unterwegs bin. Die verpassen mir immer ein kleines Stück Heimat.

Ein bisschen Heimat nehmen Sie also immer mit?

Al-Deen: Das muss sein. Ich hasse Hotels inzwischen oder zumindest längere Hotelaufenthalte als eine Nacht am Stück. Von daher ist es schön, quasi ein Stück Familie mit auf Tour zu haben.

Im März bringt Ihre Reise Sie nach Münster. Kennen Sie die Stadt?

Al-Deen: Klar, vor allem, weil man Münster gerne im Zuge mit Osnabrück nennt. Ich weiß, da regen sich die Münsteraner auf. Aber ein großer Teil meiner Familie kommt aus Osnabrück und lebt dort. Von daher ist es immer ein Familienhighlight, wenn ich in der Ecke spiele. Ich habe eine Schwester, die in Münster studiert hat. Vor ein paar Jahren habe ich noch versucht, mit Studenten um die Wette zu feiern. Das war es dann aber mit meiner Münster-Erfahrung. Ein schönes Städtchen.

Freuen Sie sich auf die Stadt?

Al-Deen: Sehr sogar, da wir mit einem neuen Programm kommen. Wir bauen jedes Mal ein bisschen was Neues. Das macht die Leidenschaft aus.

Was erwartet denn die Fans?

Al-Deen: Wir gehen Anfang März in unsere Probephase und gehen dann direkt in die ersten Konzerte. Das heißt, ich weiß es noch gar nicht so genau. In diesem Jahr kehren wir wieder zu einem Konzept zurück, das „live acoustic“ heißt. Aber es wird trotzdem nicht leise.

Sie haben erzählt, dass sie einen „kleinen Burn-out“ hatten. Was genau ist das?

Al-Deen: Das Wort „klein“ hat sich über eine Pressemeldung eingeschlichen. Es ging darum, eine Differenzierung zwischen einem Burn-out und einer Depression zu machen. Ich habe Leute kennengelernt, die am Burn-out fast zugrunde gegangen sind. So weit war es bei mir nicht. Aber ich habe einen ordentlichen Vorgeschmack davon bekommen.

Trotzdem sind Sie zurück auf der Bühne und im Studio. Wie geht das? Was haben Sie verändert?

Al-Deen: Ich schaue mehr auf mich selbst. Das ist natürlich etwas, das Zeit braucht. Aber ich habe das Gefühl, mehr Zeit für mich in Anspruch zu nehmen, und ich kann besser delegieren. Von einigen Sachen habe ich einfach Abstand genommen, und ich schaue, dass mein Kosmos als erster kommt. Das klingt leicht, aber das misslingt auch zwischendurch. Aber die Grundauffassung ist da, und das ist wichtig.

In Ihren Texten geben Sie oft viel von sich und Ihren Emotionen Preis. Hilft Ihnen das?

Al-Deen: In jedem Fall. Das Preisgeben von mir ist durch ein Preisgeben von außen bedingt. Also Leute, die mir schreiben und mir sagen, dass sie die Gefühle kennen. Dadurch stellt sich ein Gefühl der Gemeinschaft ein. Das macht natürlich was Gutes.

Als letzte Frage greife ich mal auf den Titel des Vorgängeralbums zurück: „Was, wenn alles gut geht?“

Al-Deen: Ein Lebensmotto inzwischen. Ich mag die Herangehensweise. Ich neige dazu, sehr gerne skeptisch zu sein und die Erwartung eher niedrig zu halten. Das ist etwas, was man sich abgewöhnen kann, um Erfolgserlebnisse dadurch zu haben, dass man klein rangeht. Das macht einen Wahnsinns­unterschied.

Zum Thema

Freitag, 20 Uhr, Jovel Music Hall, Albersloher Weg 54.

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