Zum Internationalen Frauentag
Migrantinnen erzählen vom beruflichen Aufstieg

Münster -

Wer etwas leistet und sich einbringt, dem stehen die Türen offen. Das ist die Erfahrung von drei erfolgreichen jungen Migrantinnen, die aus arabischen Familien kommen. Im Bennohaus erzählten sie am Dienstag von ihrem Werdegang.

Dienstag, 06.03.2018, 09:00 Uhr aktualisiert: 06.03.2018, 10:44 Uhr
Drei erfolgreiche Frauen mit Migrationsgeschichte (v.l.): Abeer Al-Athwari (Internistin im Maria-Josef-Hospital, Greven), Tamara Majed (Prokuristin bei Wundex, Senden) und Sana Hamdani (Journalistin bei der Deutschen Welle, Bonn)
Drei erfolgreiche Frauen mit Migrationsgeschichte (v.l.): Abeer Al-Athwari (Internistin im Maria-Josef-Hospital, Greven), Tamara Majed (Prokuristin bei Wundex, Senden) und Sana Hamdani (Journalistin bei der Deutschen Welle, Bonn) Foto: kv

„Arabische Frauen – unterdrückt und ungebildet“: Abeer Al-Athwari spricht das Klischee, das sie durchaus wahrnimmt, gelassen aus. Wer die 35 Jahre alte Internistin aus dem Josefs-Hospital Greven kennenlernt, bekommt ein anderes Bild. „Sobald man miteinander redet, verschwinden die Vorurteile“, sagt die Medizinerin, die nach dem Abitur aus dem Jemen nach Münster kam, hier das deutsche Abitur nachholte und Medizin studierte.

Abeer Al-Athwari trägt Kopftuch, aber auch das habe ihr bei der Karriere nicht im Wege gestanden, betont sie. „Ich bin immer fair behandelt worden. Wer kompetent ist, leistungsbereit und teamfähig, kann hier alles schaffen“ – diesen Satz teilt sie am Montagabend mit zwei weiteren arabischstämmigen Frauen bei einer Veranstaltung, zu der Verein AFAQ für kulturelle und gesellschaftliche Zusammenarbeit im Vorfeld des internationalen Frauentages ins Bennohaus eingeladen hat. Die Reihen im Saal sind gut gefüllt, vorwiegend mit Frauen mit und ohne Kopftuch, auch Männer sind da.

Der Aufstieg in akademischen Berufen ist möglich, aber eben auch nicht selbstverständlich. Sana Hamdani (28) kam als zehnjähriges Flüchtlingskind mit ihrer Familie aus Bagdad. Sie erzählt bei der Veranstaltung von der Einsamkeit der ersten Zeit in Deutschland, wie schwer es war, Freunde zu finden. Heute ist Sana Hamdani Redakteurin bei der Deutschen Welle, moderiert dort unter anderem die Sendung „Fokus Europa“.

Tamara Majed hatte es, wie sie sagt, als Kind einfacher. Sie war erst vier Jahre alt, als ihre Familie aus dem Libanon einwanderte. „Ich war das einzige Ausländerkind in Ladbergen“, erzählt sie, „ich konnte mich leicht integrieren“. Tamara Majed studierte Betriebswirtschaft und ist heute Prokuristin des Medizin-Unternehmens Wundex in Senden. In Deutschland zu leben heißt für sie auch, sich hier zu engagieren: Die 32-Jährige ist Mitglied im Integrationsrat Münster und im Vorstand der CDU-Ortsunion Mecklenbeck.

Alle drei Frauen haben Kinder – was sie bei der beruflichen Karriere als mindestens so herausfordernd empfinden, wie ihre Migrationsgeschichte. „Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, das ist ein Thema für alle Frauen“, sagt Sana Hamdani, die ihr erstes Kind schon während des Studiums bekam.

Deler Saber, Vorsitzender des Vereins AFAQ, hatte es übrigens nicht schwer, erfolgreiche Frauen zu finden, die sich bei der Veranstaltung vorstellen. „Hier im Saal sind noch viele, die genauso von ihrem Werdegang erzählen könnten“, sagt er.

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