Mi., 07.03.2018

Renee van Bavel beim Frauentag im Rathausfestsaal Unterhaltsame Menschheit

Renee van Bavel im Rathausfestsaal

Renee van Bavel im Rathausfestsaal Foto: Günter Moseler

Münster - 

Das #MeToo-Debattenfurioso von Hollywood bis Hintertupfingen hat die halbe Menschheit aufgeschreckt, als habe eine rasende Neuheit das Licht der Welt erblickt: Man liegt gern im Winterschlaf, wenn es gilt, alte Wahrheiten zu überstehen. Aus Anlass des Internationalen Frauentages schlug sich Renee van Bavel im Rathausfestsaal aber nicht auf die wohlfeile Seite der Frauenversteherin.

Von Günter Moseler

Das #MeToo-Debattenfurioso von Hollywood bis Hintertupfingen hat die halbe Menschheit aufgeschreckt, als habe eine rasende Neuheit das Licht der Welt erblickt: Man liegt gern im Winterschlaf, wenn es gilt, alte Wahrheiten zu überstehen. Aus Anlass des Internationalen Frauentages schlug sich Renee van Bavel im Rathausfestsaal aber nicht auf die wohlfeile Seite der Frauenversteherin, sondern nahm die ganze Welt in die Arme – und ins Visier: „Ich schreibe Lieder, wie ich die Welt sehe mit meinen Frauenaugen.“

Die niederländische Songwriterin war einer Einladung des städtischen Frauenbüros gefolgt und präsentierte ihre „selbst erlebten und selbst komponierten Lieder“, plauderte über Gott und die Welt, Lied und Leid, Hochzeit und Freizeit. Sentiment fehlte so wenig wie sarkastischer Charme: „Dann habe ich diese Käfige da an eurer Kirche gesehen – gruselig, oder feiert ihr da eine tolle Party?“

Van Bavel begleitete sich am Flügel, rechts von ihr bediente Drummer Rogier de Nijs neben Trommel und Becken auch das „Klokkenspel“. Feuerrot blitzten die Facettenaugen der Bühnenstrahler: „Das Wasser möchte gerne Feuer sein / Alles hat Verlangen nach etwas anderem“, sang van Bavel und ließ es diskret rhythmisiert im Diskant perlen.

Damit war das Kernmotiv des Abends vorgegeben: Wünsche, die an Identitäten scheitern, und Wünsche, die Identitäten schaffen, gehören zu jedermanns Angst- wie Sehnsuchtsrepertoire. „Die Menschheit ist das beste Entertainment“, verkündete van Bavel, „und plötzlich kommt ein Lied raus!“

Der Wohlstandsbürger („Du hast ein Haus, um dich darin zu verstecken“) wurde so verständnisvoll besungen wie die junge Mutter („Sarah ist Mutter, und die Welt kann jetzt durchdrehen / Sie wird hier am Bett stehen“). Vom Traummann („Ich hab’ mein Herz an einen Mann mit Grübchen verloren“) bis zum Albtraum-Mann, der als Soldat den Fall von Srebrenica erlebt hat („Ich spüre den Wahnsinn in deinen chaotischen Sätzen“), waren auch Herren der Schöpfung vertreten. Ein Plädoyer fürs Briefeschreiben („So romantisch – wie eine riesige SMS“) und eine Hymne aufs Paar-Dasein („Das bedingungslose Wir löst alle Fragen in mir“) mobilisierten konservative Werte, war aber typisch für eine Sängerin, die Klischees locker Paroli bot. Denn: Ohne die Frauen hätte die Welt nicht mal die Genesis überstanden – Evas Biss in den verbotenen Apfel schenkte der Menschheit erst ihr kostbarstes Gut: die Freiheit. Begeisterung auf allen Plätzen.



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